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Annan fordert Verhandlungen über Weltordnung für das Internet

16.11.2005
Im Tauziehen zwischen den USA und anderen Ländergruppen um eine neue "Weltordnung" für das Internet hat UN-Generalsekretär Kofi Annan weitere Verhandlungen gefordert.

Gegenwärtig sei die Verwaltung des weltweiten Netzes durch die amerikanische Stiftung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) sinnvoll, sagte Annan am Mittwoch in Tunis zum Auftakt des zweiten Weltgipfels der UN zur Informationsgesellschaft (WSIS). Die Vereinten Nationen seien nicht "die geeignete Institution für eine derartige Internet-Regierung".

Die Teilnehmerländer des Gipfels hatten sich am Dienstag auf den Kompromiss geeinigt, die Frage über die Macht im Internet einem internationalen Gremium zu übertragen. Allerdings ist dieses nicht mit wirklichen Entscheidungsbefugnissen ausgestattet und könnte zu einem "Debattierclub" verkommen. Die EU-Staaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländer streben eine neue "Weltordnung" an.

Bis zum Freitag geht es auf dem UN-Gipfel außerdem darum, wie der "digitale Graben" zwischen armen und reichen Ländern zugeschüttet werden kann. Das Treffen wird überschattet von Vorwürfen an die tunesische Regierung, Pressefreiheit und Menschenrechte zu missachten. Eine "Erklärung von Tunis" zu Internet-Verwaltung und -Finanzierung beschließt den Gipfel.

Das erste Notebook für 100 Dollar soll ab kommendem Jahr den Graben bei der Verbreitung von Computern zwischen der Dritten Welt und den führenden Industrienationen schließen helfen. Nicolas Negroponte, Gründer und Chef des renommierten Media Lab an der US-Eliteuniversität MIT (Massachusetts Institute of Technology), wollte den ersten Prototypen am Mittwoch in Tunis auf dem zweiten Weltgipfels der UN zur Informationsgesellschaft vorstellen. Der 100-Dollar-Laptop wird nicht im freien Handel erhältlich sein, sondern soll künftig an Bildungsministerien in den entsprechenden Staaten verkauft und an Schüler verteilt werden.

Das Gerät ist eines aus einer ganzen Reihe von Entwicklungen, mit denen Institutionen und Industrieunternehmen die Bildung erleichtern und den Entwicklungs- und Schwellenländern einen Anschluss an die führenden Informationsgesellschaften bieten wollen. Erste Gespräche sind nach Angaben von Negroponte bereits in China, Brasilien, Thailand und Ägypten geführt worden.

Der Laptop des MIT nutzt das freie Betriebssystem Linux sowie Prozessoren von AMD und soll die meisten Aufgaben wie ein hier zu Lande übliches Gerät bewältigen können. Der Preis von 100 Dollar wurde vor allem mit dem Einsatz besonders billiger Displays realisiert. Für die Stromversorgung soll das Gerät alternativ über eine kleine Handkurbel verfügen, mit der sich die Akkus wieder aufladen lassen. (dpa/tc)