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Anleger von Telecom Italia segnen Fusion mit Olivetti ab

26.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit einer überraschend großen Mehrheit von 93 Prozent haben die Aktionäre der Telecom Italia am Wochenende der Fusion mit dem Büromittelhersteller Olivetti zugestimmt. Da Olivetti mehr als die Hälfte des stimmberechtigten Aktienkapitals an Telecom Italia hält, galt es zwar als sicher, dass der Deal genehmigt werden würde. Bis zuletzt jedoch hatten sich einige institutionelle Fonds gegen die Fusion gestemmt. Der britische Hedgefonds Liverpool, Anteilseigner von Telecom Italia, vertrat die Auffassung, dass das vorgeschlagene Tauschverhältnis von sieben Olivetti-Papiere pro Telecom-Italia-Aktie die Anleger von Olivetti bevorzuge. Kritisiert wurde außerdem die zwiespältige Rolle des Verwaltungsratsvorsitzenden Tronchetti Provera. Er ist gleichzeitig auch Chef des Mischkonzerns Pirelli, der Olivetti über diverse

Beteiligungen kontrolliert. Der Einspruch gegen die Verschmelzung wurde jedoch zwei Tage vor der Abstimmung von der italienischen Finanzaufsicht abgewiesen.

Wenn als letzte (formelle) Hürde nun noch die Olivetti-Anlegern am heutigen Montag ihr Plazet geben, werden die zwei hoch verschuldeten Konzerne rückwirkend zum 1. Januar 2003 zusammengelegt. Der Name Telecom Italia soll weitergeführt werden.

Ziel der Fusion ist es unter anderem, die verwirrende Eigentümerstruktur der Telecom Italia zu vereinfachen. Bislang wird das Unternehmen durch mehrere ineinander verschachtelte Konzerne kontrolliert. Außerdem plant der Verwaltungsrat des ehemaligen Staatsmonopolisten, die neuen Aktien auch an die New Yorker Börse zu bringen. Nicht zuletzt versprechen sich die Verantwortlichen einen Abbau des Schuldenbergs beider Unternehmen.

Die Schulden der neuen Gesellschaft werden auf rund 45 Milliarden Euro geschätzt - knapp 18 Milliarden Euro davon belasten Olivetti, weitere 15,5 Milliarden Euro wurden als Kredit aufgenommen, um unter anderem nun die Aktionäre auszahlen zu können. Bis 2004 sollen die Verbindlichkeiten auf rund 34 Milliarden Euro gesenkt werden. Dafür will Telecom Italia ihre Anteile an der Gelbe-Seiten-Company Seat Pagine Gialle, an Telekom Austria sowie weitere Beteiligungen veräußern. (rs/mb)