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BI-Software

Anbieter dürfen Nutzer nicht allein lassen

Prof. Dr. Peter Lehmann lehrt seit 2003 Wirtschaftsinformatik an der Hochschule der Medien Stuttgart. Seine Schwerpunkte sind Business Intelligence, SAP Business Information Warehouse und Microsoft Business Intelligence. Prof. Lehmann war zuletzt auch als Projektleiter und Strategieberater bei SAP für den Bereich Business Warehouse zuständig.
Mit einer guten BI-Anwendung lassen sich nicht nur Reportings generieren, sondern auch Forecasts erstellen. Doch in der Praxis ist die Bedienung oft schwerfällig. Hier haben Software-Anbieter noch Nachholbedarf.

Zahlen, Reportings, Analysen - diese Begriffe dürften wohl den meisten Leuten durch den Kopf gehen, wenn sie an "Business Intelligence" denken. Doch in Wirklichkeit umfasst BI weitaus mehr. In dem Begriff steckt sowohl das Wort "Business" für Unternehmen, als auch "Intelligence" als Synonmy für Nachricht, Information, Wissen. Intelligenz ist zudem die Fähigkeit, sich wechselnden Umwelteinflüssen schnell anzupassen.

BI-Software dient also in erster Linie als Nachrichtendienst innerhalb eines Unternehmens, der mich darauf hinweist, was gerade passiert und welche Konsequenzen das haben wird. Dabei kann BI-Software auch Forecasts simulieren: Was passiert, wenn sich diese oder jene Komponente ändert? Was muss ich tun, damit ein bestimmtes Ereignis eintritt? Dank BI-Software trifft der Anwender dabei seine Entscheidung nicht nach Bauchgefühl, sondern auf Grundlage von Daten.

Integration von Facebook und Twitter

BI-Software ist jedoch nicht nur für die Finanzabteilung oder Buchhaltung nützlich. Eine gute BI-Anwendung sollte nicht nur Zahlen, sondern auch Text verarbeiten und analysieren können. Kunden reden oftmals auf Social-Media-Kanälen wie Facebook und Twitter über das Produkt. Damit Unternehmen wissen, wie Kunden das Produkt bewerten, sollte eine gute BI-Software externe Daten und Texte aus dem Web oder einer Community einbinden können.

Das hilft Unternehmen dabei, ihre Kunden noch besser zu verstehen. So weiß zum Beispiel der Fahrradhersteller, wie Käufer über die Fahrräder in der Community reden oder sie im Social Web bewerten und erfährt dabei, ob es eher um das Thema Farbe, Größe oder andere technische Details geht. Gleiches gilt für Automobilhersteller. Sie können ermitteln, wie Kunden über das Unternehmen und die Konkurrenz reden und analysieren, was Journalisten und Blogger in Fachpublikationen oder Blogs über die Autos schreiben. Die BI-Software führt hierbei eine Textanalyse durch und bewertet beziehungsweise sortiert die Aussagen in "neutral", "positiv" oder "negativ".

BI-Software kostet Zeit

Das Thema Business Intelligence ist längst in den deutschen Firmen angekommen. Das liegt auch daran, dass die großen Software-Unternehmen wie SAP, IBM, Oracle und Microsoft preislich günstige BI-Lösungen im Portfolio haben. So lässt sich zum Beispiel Excel hervorragend als BI-Anwendung nutzen - wenn man weiß, wie es geht. Und genau das ist das Problem: BI kostet Zeit. Der mittelständische Unternehmer hat in der Regel weder Zeit, noch Ressourcen, um Mitarbeiter nur für BI-Analysen abzustellen.

BI-Software muss daher einfach zu bedienen sein und darf keinesfalls mit zu vielen Funktionen überfrachtet sein. Oftmals sind BI-Lösungen viel zu komplex. Die Funktionen, die der Anwender eigentlich benötigt, sind nicht immer für jeden selbsterklärend. Software-Hersteller dürfen den Nutzer deshalb nicht allein lassen.

Hilfestellung kann hier unter anderen die BI-Academy sein. Auf der Online-Plattform finden Sie Veranstaltungen rund um das Thema BI. Außerdem könne Sie sich mit Top-Experten von Universitäten, Hochschulen und aus der Wirtschaft vernetzen.

Doch nicht nur die Bedienbarkeit ist ein Problem, sondern auch die Datenintegration. So passen oftmals die verschiedenen Softwarepakete nicht zusammen oder es fehlt beispielsweise eine Schnittstelle zu Social-Media-Kanälen, sodass Meldungen von Twitter und Facebook nicht ausgewertet werden können. Datenintegration, Datenqualität und Bedienbarkeit sind die wichtigsten Anforderungen, die eine gute BI-Software erfüllen muss.