Compaq-Ankündigung als ein zündendes Moment

Anbieter drängen mit Karten und Adapter in den EISA-Markt

24.11.1989

HOUSTON (IDG) - EISA beginnt, Kreise zu ziehen: Nachdem Compaq seine auf die Extended Industry Standard Architecture für PCs zugeschnittenen Server vorgestellt hat, verlegen sich Communications-Experten wie Codenell, Torus oder Proteon zunehmend darauf, entsprechende 32-Bit-Adapter auf den Markt zu bringen.

Die auf Glaserfaser-Komponenten spezialisierte Codenell Technology Corporation erklärte, daß sie ihre ersten beiden EISA-Produkte bereits ausliefere - und zwar einen Lichtwellenleiter-Ethernetadapter und ein FDDI-Board (FDDI: Fiber Distributed Data Interface). Die 32-Bit-Karten gestatten einen Durchsatz von 33 Megahertz und sind zusammen mit Treibern für Netware von Novell, für den Microsoft-LAN-Manager und für Unix von Santa Cruz Operation erhältlich. Für die beiden Adapter sind Kosten in Höhe von etwa 1000 Dollar (Ethernet) und 5500 Dollar (FDDI) zu veranschlagen

LAN -Marktführer Novell kündigte ein 32-Bit-Interface für EISA an, das in diesem Quartal zur Verfügung stehen soll. Die Gemeinschaftsentwicklung von Novell und Compaq - ihre Bezeichnung lautet NE3200 - ist für die Netzwerk-Betriebssystem-Umgebung Netware 386 ausgelegt. Ausgestattet mit 48 Kilobyte Speicher, unterstützt das Interface sowohl dünnes als auch dickes Koaxialkabel. Der Preis für diese Komponente liegt bei 1295 Dollar.

Etwas mehr Zeit lassen wird sich die Torus Network Products Ltd. aus Cambridge, aber entsprechendes Announcement machte bereits die Runde. Vorgesehen ist das Angebot eines 32-Bit-Ethernetadapters,

ebenfalls auf "dünn und dick" im Kabelbereich zugeschnitten. Diese Ethernet-Variante soll mit Netware, dem LAN-Manager (inbegriffen Tapestry II) und MS-Net-Derivaten in Einklang stehen .

Weitere EISA-Produkte wurden von Computone in Gestalt eines Subsystems mit mehreren Kommunikationseingängen, von Madge Networks und von Proteon in Aussicht gestellt. Das letztgenannte Unternehmen wird mit einer 32-Bit-EISA-Version seines "Pronet 4/16 Bit/s Adapter" aufwarten. Und Madge Networks kann einen EISA-kompatiblen "16/4 Token Ring Adapter" für die neue PC-Rechnerarchitektur beisteuern.

Ferner unterstützt die Standard Microsystems Corporation (SMC) den neuen Compaq-Server auf Arcnet-Netzen. Der 32-Bit-Adapter beinhaltet insgesamt vier verschiedene Arcnet-Controller - auf diese Weise können mehrere Netzwerke unter einen Hut gebracht werden. Das Produkt namens EISA 3200 kostet 995 Dollar und wird ab Dezember dieses Jahres zunächst in begrenzten Stückzahlen auf den Markt gebracht.

EISA gerät in Schwung

Kaum war die sogenannte Neuner-Bande im Herbst vergangenen Jahres gegen den IBM-Mikrokanal "aufmarschiert", drohte die EISA-Initiative auch schon wieder an Glaubenwürdigkeit zu verlieren. Clone-Anführer Compaq sicherte sich nämlich trotz seiner Offensive Mikrokanal-Rechte. Damit mußte er nolens volens kleine Brötchen backen - zumindest Big Blue gegenüber. Ein Jahr später sieht es nun so, als sei der Standard weitgehend stabil. Auf jeden Fall zieren sich Anbieter von Communications-Equipement nach der Systempro-Vorstellung nicht mehr, die für einen langfristigen EISA-Erfolg ausschlaggebend Adapter und Interfaces mit 32 Bit pro Sekunde aufzufahren - und dies auf einen Streich für mehrere Netzwerk-Topologien, daß heißt sowohl für Ethernet, Token-Ring als auch Arcnet. Nicht ausgespart bei den Neuankündigungen bleiben ferner der Glasfaser-Standard FDDI, ungeschirmte Twisted-Pair-Kabel, das "BusMaster Interface Chip" (BMIC) von Intel und Multi-Interface-Boards. Die Anwender können bei EISA also jetzt auf richtige Karte setzen und damit über die Lebensfähigkeit dieser PC-Architektur mitentscheiden. Ein Mikrokanal-Türchen bleibt wahrscheinlich ohnehin offen.