Gastkommentar
Anbieter brauchen Druck
Software-Anbieter brauchen Druck. Das gilt vor allem für die eigentlich als flexibel geltenden kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Aus freien Stücken und solange es ihm wirtschaftlich gut geht, bequemt sich kaum ein Hersteller zu vorausschauenden Veränderungen. Es bedarf gefährlicher Wettbewerber und drängender Kunden, damit Produkte und Service auf das zeitgemäße Niveau gebracht werden.
Kleine Häuser müssen von der Entwicklung bis zum Marketing die strukturellen Bedingungen ihres Erfolgs selbst schaffen. Viel Luft für Experimente gibt es da nur selten. Der Wettbewerb bestimmt das Tempo; kein Wunder, daß viele KMUs sich die Zeit für eine angemessene Qualitätssicherung nicht nehmen. Rein mit hausinternen Kräften ist sie oft auch gar nicht zu schaffen. Zwar weiß das Management in der Regel um die Qualitätsprobleme speziell in puncto Entwicklung und Vertrieb, übernimmt aber wenig Zielführendes dagegen. Es fehlt offenbar am Geld, aber auch an der Bereitschaft, die als nötig erkannten Maßnahmen konsequent zu treffen.
Trotz alledem: Qualitätssicherung muß sein. Wer sie zugunsten sofortiger finanzieller Vorteile unterläßt, verspielt zumindest die Chance auf mittelfristig erzielbare höhere Gewinne. Gelten seine Leistungen einmal als schlecht, wird er vielleicht sogar ganz vom Markt verschwinden.
Verwunderlich ist die Tatsache, daß Erfahrungen aus anderen Branchen den Softwerkern kaum Erkenntnisfortschritte bringen. Haben die Probleme des deutschen Maschinenbaus nicht deutlich genug gezeigt, daß gerade der Mittelstand sich mit seinen Marketing- und Vertriebsstrukturen frühzeitig auf sich verändernde Märkte einstellen muß? Doch immer wieder setzt sich das Tagesgeschäft gegen Neustrukturierungen durch, werden Innovationen zugunsten eingeschliffener Verfahrensweisen zurückgestellt. Wer das tut, schadet sich selbst.
