IBM-Chef Jetter im Interview

"Analytics gehört die Zukunft"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.

Zukunftsthema Business Analytics

CW: Noch einmal zu Ihrem Softwareportfolio: Neben vielen Infrastrukturprodukten - Betriebssysteme, Datenbanken und Middleware - konzentriert sich IBM in den anwendungsnahen Bereichen stark auf die Themen Business Intelligence (BI) und Analytics. Es gab auch diverse Übernahmen, darunter der BI-Anbieter Cognos und erst kürzlich der Datenanalyse-Spezialist Netezza. Welches Ziel verfolgt IBM damit?

Jetter: Die IBM hat in ihrer 100-jährigen Geschichte immer eines beherrscht: den Umgang mit Daten. Egal bei welcher Bank in Deutschland Sie Kunde sind, die meisten Datenbanken oder Infrastruktursysteme kommen von IBM. Die nächste große Herausforderung in den Unternehmen wird darin bestehen, die durch strukturierte und unstrukturierte Daten entstandene Komplexität zu beherrschen. Es geht darum, wie man aus großen Datenmengen Informationen gewinnt und daraus Wissen und Entscheidungen ableitet. Das erfordert Analytics oder auch Business Analytics, die Begriffe sind nicht entscheidend. Das ist für uns eines der wichtigsten Zukunftsthemen.

CW: Sind die großen Business-Softwarekonzerne wie SAP oder Oracle da nicht grundsätzlich besser aufgestellt?

Jetter: Nein. Erstens haben diese Anbieter alle mit ihren Legacy-Systemen zu kämpfen. Und zweitens ist Business Analytics ein horizontales Thema. Es geht ja eben nicht nur um ERP, Datenbanken oder CRM. Business Analytics betrifft vielmehr die Infrastruktur. Nehmen Sie das Beispiel Amazon, wo Kunden nach dem Kauf eines Buches andere dazu passende Titel angeboten werden. Das ist nichts anderes als Analytics. Und solche Systeme sind nicht vertikal an eine Applikation gebunden.