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Analysten sehen in Nortel einen Übernahmekandidaten

11.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Meinung von Analysten ist der kanadische TK-Ausrüster Nortel Networks ein Übernahmekandidat. Die US-Investmentbank UBS Warburg erklärte in einem Bericht, der Kauf von Nortel würde beispielsweise Cisco die Marktführerschaft bei drahtlosen und optischen Netzen bescheren. Der geringe Börsenwert und die Tatsache, dass die Aktien breit gestreut seien, mache eine Übernahme von Nortel so wahrscheinlich wie noch nie. Der Marktwert der Kanadier stürzte von einem 267-Milliarden-Dollar-Hoch im letztem Jahr auf 16,8 Milliarden ab. Zusätzlich plagen Nortel rund fünf Milliarden Dollar Schulden. Cisco weist eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar auf, ist schuldenfrei und hat rund 18 Milliarden Dollar Barmittel. Die Analysten von UBS Warburg erklärten, im Falle einer Übernahme von Nortel oder Lucent würde

sich Cisco in den TK-Markt hineinkatapultieren und zu einem wichtigen Zulieferer der weltweiten Carrier werden.

Die Firmenchefs der potenziellen Heiratskandidaten sind allerdings ganz anderer Meinung: Ciscos CEO John Chambers wischte die Spekulationen bereits am Monatsanfang mit der Bemerkung vom Tisch, die Firma sei nicht an großen öffentlichen Unternehmen interessiert. Kleinere Akquisitionen seien aber möglich. Auch der neue Nortel-Chef Frank Dunn erklärte zu seinem Amtsantritt in einem Fernseh-Interview, das Ziel seines Konzerns sei nicht ein Merger mit einer anderen Company.

Nortel steht unter hohem finanziellen Druck: Der Netzwerkausrüster hat in seinem zweiten Fiskalquartal 2001 einen Verlust von 19,2 Milliarden Dollar ausgewiesen und in diesem Jahr bereits rund 30.000 Stellen abgebaut. Für das dritte Quartal befürchten die Kanadier nun einen Verlust von 3,6 Milliarden Dollar. Gleichzeitig will Nortel seine Restrukturierung weiter vorantreiben und zusätzliche 20.000 Stellen streichen.