Nokia Lumia 800

Analysten schrauben Erwartungen herunter

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Der Traum von Microsoft und Nokia, mit dem "ersten echten Windows Phone" Lumia 800 den Mobilfunkmarkt aufzumischen, hat einen ordentlichen Dämpfer bekommen.

Der Analyst James Faucette von Pacific Crest prognostiziert, dass Nokia bis Ende Dezember in den bis dahin mit dem Lumia 800 versorgten sechs Zielmärkten (dazu gehört auch Deutschland) womöglich weniger als 500.000 Geräte loswerden könnte - trotz einer aufwendigen Werbekampagne, mit der Microsoft und die Finnen das neue Smartphone auf breiter Front bewerben.

"Wir gehen davon aus, dass die Auslieferungen der neuen Windows-Phone-7-Produkte niedriger sind als zuvor angenommen", schreibt Faucette in einer Research Note. "Wir waren davon ausgegangen, dass Nokia im Weihnachtsgeschäft bis zu zwei Millionen Geräte in die sechs Zielmärkte liefern würde; jetzt glauben wir allerdings, dass die Stückzahlen für das Quartal wohl unter einer Million liegen werden."

Nokia wollte Faucettes Prognose nicht kommentieren. Firmensprecher Ray Haddow hatte zuvor lediglich gesagt: "Anhand der Vorbestellungen und ersten Reaktionen in den Läden gehen wir von einem sehr sehr erfreulichen Launch aus." Dem Kurs von Nokias ADRs an der New York Stock Exchange sind die gesenkten Analystenerwartungen jedenfalls nicht gut bekommen, er fiel gestern um fast acht Prozent.

Apple hatte von seinem neuen iPhone-Modell 4S bereits am ersten Wochenende mehr als vier Millionen Stück verkauft. In Sachen Lumia 800 muss man allerdings auch die Kirche im Dorf lassen: Die Lumia-Phones sind brandneu und der Hersteller steht gerade erst am Anfang seiner geplanten Neuerfindung. Da braucht nun wirklich niemand zu erwarten, dass die Geräte sich verkaufen wie warme Semmeln, insbesondere angesichts der Marktmacht der Wettbewerber aus Cupertino und dem Android-Lager.

Die COMPUTERWOCHE hat das Lumia 800 gerade ausführlich getestet - das Fazit fällt durchwachsen aus: "Eine eher durchschnittliche Ausstattung oder - wie bei Orange UK - eine kostenlose Xbox 360 als Beigabe von Microsoft reichen nicht aus", schreibt Kollege Manfred Bremmer. Und neben neuer Hardware hängt das Schicksal von Windows Phone und damit auch Nokia vor allem davon ab, ob Microsoft es schafft, mehr App-Entwickler für seine neue Plattform zu gewinnen.