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Analysten kritisieren HP-Strategie

21.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einen Tag nachdem Hewlett-Packard schwache Zahlen für das dritte Geschäftsquartal bekannt gegeben hatte, übten Analysten heftige Kritik: Die Ergebnisse bezeichneten sie nahezu unisono als ungenügend und enttäuschend. Ursache für das schlechte Abschneiden seien in erster Linie Management-Fehler gewesen. HP habe die Erwartungen deutlich verfehlt und kehre zu seiner schlechten Gewohnheit zurück, abwechselnd gute und schlechte Quartalszahlen zu melden, schrieb etwa Steven Milunovich, Staranalyst von Merrill Lynch.

Der IT-Konzern hatte in den Monaten Mai, Juni und Juli nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum einen Nettogewinn von 297 Millionen Dollar erzielt und seinen Umsatz um knapp fünf Prozent auf 17,35 Milliarden Dollar gesteigert (Computerwoche online berichtete). Während die Drucker-Sparte und der Servicebereich dabei vergleichsweise gut abschnitten, verzeichnete die Company nach drastischen Preissenkungen in ihrem PC-Geschäft wieder einen Betriebsverlust und weitete das Minus im Enterprise-Geschäft aus.

Milunovich erklärte dazu, HP sei im Berichtszeitraum von Dell und IBM - wie schon befürchtet - stark unter Druck gesetzt worden. So sei Dell dem Fiorina-Konzern im PC-Geschäft strategisch überlegen, während IBM im Enterprise-Geschäft Marktanteile hinzugewinne.

Einige Analysten fordern nun, dass auch HP auf Direktvertrieb umstellen solle. Die Company müsse ihre Preise in Griff bekommen und - noch wichtiger - den Vertriebskanal wechseln, schrieb etwa UBS-Warburg-Analyst Benjamin Reitz in seinem Bericht. Falls der Konzern seine Vertriebsstrategie nicht drastisch ändere, müsse er auch weiterhin Einbußen bei den Marktanteilen oder dem Ergebnis hinnehmen, fügte sein Kollege Bill Shope von J.P. Morgan hinzu. HP entgegnete, man überlasse dem Kunden die Entscheidung, wie er seinen PC bestellen möchte. Die Company erwartet, dass die PC-Sparte im laufenden vierten Geschäftsquartal und im Gesamtjahr einen positiven Ergebnisbeitrag leistet.

Nachdem der texanische Konkurrent nun Preissenkungen auf nahezu alle Produkte angekündigt hat (Computerwoche online berichtete), rechnen Marktbeobachter für das laufende Vierteljahr mit einem weiteren Einbruch. (mb)