BI-Stimmungsindex 2015

Analysetools der Anwender kommen nicht aus der Cloud

Wilfried Heinrich ist Fachautor und Geschäftsführer der Agentur denkfabrik groupcom GmbH in Köln.
Business Intelligence (BI) scheint in den Unternehmen zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein. Neuen Entwicklungen widmen sie sich jedoch nur zurückhaltend, Predictive Analytics wird in diesem Jahr aber einen großen Sprung nach vorne machen.

Zu diesen Ergebnissen kommt der BI-Index 2015, den die Actinium Consulting ermittelt hat. Die Untersuchung zu zehn verschiedenen Bewertungsbereichen erstreckte sich branchenübergreifend auf über 300 deutsche BI-Anwender mit über 25 Millionen Euro Umsatz. Sie hinterfragte nicht nur die die gegenwärtige Situation, sondern auch die weiteren Perspektiven für Business Intelligence in den nächsten zwölf Monaten. Aus der Summe der gewichteten Einzelergebnisse wurde der BI-Stimmungsindex 2015 errechnet, der bei genauer Betrachtung interessante Erkenntnisse liefert.

Die Stimmung für die Themen Business Intelligence und Data Analytics ist positiv, wenn es auch häufig an innovativen Ideen und grundlegenden Rahmenkonzepten, die mehr als einen Anwendungsfall betreffen, fehlt.
Die Stimmung für die Themen Business Intelligence und Data Analytics ist positiv, wenn es auch häufig an innovativen Ideen und grundlegenden Rahmenkonzepten, die mehr als einen Anwendungsfall betreffen, fehlt.
Foto: Liveshot - Fotolia.com

So weist er mit 68,16 von maximal 100 Punkten einen relativ hohen Wert auf, zeigt dabei aber gleichzeitig auch zwei Gesichter der Unternehmen. Einerseits lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass Business Intelligence seinen Platz in den Firmen gefunden hat. Das liest sich etwa an der Zufriedenheit mit dem Nutzen dieser Lösungen deutlich ab, der insgesamt den höchsten Indexwert erreicht.

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Ebenso ist Business Intelligence sehr ausgeprägt in den Unternehmensstrategien berücksichtigt und haben die Anwender offenbar auch nicht übermäßig viel an den genutzten BI-Systemen auszusetzen. Selbst die Höhe der zuletzt bereitgestellten Budgets, in anderen Applikationsbereichen ein häufiger Kritikpunkt von IT- oder Fachverantwortlichen, scheint ohne nennenswerte Probleme zu sein. Einzig der aktuelle Durchdringungsgrad von BI im Unternehmen, wenngleich kein zu vernachlässigender Aspekt, ist ein Ausreißer auf der Positivliste.

Geringe Innovationskraft

Ein ganz anderes Bild zeigt andererseits die innovative Ausrichtung der Anwender. Abgesehen von der mobilen Nutzungsmöglichkeit der BI-Applikationen weisen alle anderen aktuellen Trends noch auf eine deutliche Zurückhaltung hin. Weder haben sich die Unternehmen zuletzt im Durchschnitt besonders intensiv um das Thema Big Data gekümmert noch um Info-Apps und Self-Services. Letztere zielen darauf ab, dass die Benutzer selbst benötigte Informationen auf den Bildschirm holen und eigene Analysen vornehmen können. Etwas besser sieht die Situation bei der Nutzung von Predictive Analytics für Prognosen mit Wahrscheinlichkeitsangaben aus, während Cloud-BI wiederum zuletzt noch kaum eine Rolle in den Unternehmen gespielt hat.

Der künftige Nutzen von BI-Produkten wird überwiegend als sehr gut bewertet, Cloud-BI oder Self-Service-Lösungen werden für die Zukunft eher weniger gut eingeschätzt.
Der künftige Nutzen von BI-Produkten wird überwiegend als sehr gut bewertet, Cloud-BI oder Self-Service-Lösungen werden für die Zukunft eher weniger gut eingeschätzt.
Foto: Actinium Consulting

Klaus Hüttl, Geschäftsführer der Actinium Consulting, leitet aus diesen Ergebnissen jedoch keine generelle Innovationsmüdigkeit ab. "Die größeren Anwender sind durchaus bei den gesamten Trendthemen schon intensiv unterwegs, der Mittelstand ist gerade im Business-Intelligence-Bereich hingegen etwas zurückhaltender." Dort habe sich BI auch noch nicht schon so lange etabliert, weshalb er im Innovationsrhythmus zwangsläufig zeitlich etwas verzögert reagiert.

Prognose

Dies schlägt sich auch in den Prognosen für die nächsten 12 Monate nieder. So erwarten die befragten BI-Verantwortlichen deutlich steigende Anforderungen und adäquate Budgets für diese Vorhaben. Gegenüber dem bisherigen Engagement wollen sie besonders Predictive Analytics und die Self-Services stärker forcieren. Auch Big Data soll den Befragungsergebnissen zufolge im Durchschnitt etwa mehr Beachtung finden, allerdings nur in einem vergleichsweise kleinen Schritt. "Zu den Ursachen gehört zweifellos, dass die BI-Landschaften in den Unternehmen vielfach noch sehr fragmentiert sind und es an übergeordneten Rahmenkonzepten fehlt", urteilt Hüttl.

Noch weniger können sich die Unternehmen offenbar mit BI-Lösungen aus der Cloud anfreunden. Für den Actinium-Geschäftsführer lässt sich dies durch Bedenken in Bezug auf den Datenschutz erklären, schließlich würden die Analysen im Regelfall sehr sensible Unternehmensinformationen betreffen. "Es wird aber auch befürchtet, dass die standardisierten Anwendungen die Möglichkeit der individuellen Anpassungen, wie sie bei BI sehr typisch sind, zu sehr einschränken." (sh)