Wearables am Handgelenk

An welchen Anwendungsfällen die Hersteller feilen

Annette Zimmermann ist Research Director bei Gartner Research und gehört dem Team Personal Technologies seit 2006 an. Sie ist ausserdem als Agenda Manager für die Personal Technologies Agenda weiltweit bei Gartner verantwortlich. Zu ihren Themenbereichen gehört Trends im globalen Smartphone-Markt, ortsbezogene Dienste, digitale Karten und die Analyse des wachsenden Wearables-Markt. Frau Zimmermann ist Co-Author einer aktuellen (2015) Bucherscheinung (“Handbuch Praxis Mobiles Internet”). Vor ihrer Tätigkeit bei Gartner war Frau Zimmermann als Management Consultant bei der Münchner Firma Barkawi & Partner tätig.
Wearables – und vor allem jene, die am Handgelenk getragen werden - erleben gerade ihren Höhepunkt des Hypes. Gartners Forecast erwartet, dass bis Ende 2015 circa 78 Millionen Wristworn Devices verkauft werden.

Den Hauptanteil der weltweit verkauften Wearables werden Smartwatches mit etwa 40 Millionen Stück ausmachen. Das Absatzvolumen von Wristworn Devices wird sich bis 2020 auf 180 Millionen Geräte pro Jahr steigern.

Am Handgelenk getragene Wristworn devices können für unterschiedliche Anwendungen entwickelt werden.
Am Handgelenk getragene Wristworn devices können für unterschiedliche Anwendungen entwickelt werden.
Foto: Jawbone

Der Markt steht heute selbst im Konsumentenmarkt noch ganz am Anfang. Laut unserer Primärstudie von 2014 hatten erst vier Prozent aller befragten Personen in Deutschland einen Fitnesstracker. Das Interesse hat sich in den letzten Monaten auch Dank des Verkaufsstarts der Apple Watch deutlich erhöht. In den vergangenen sechs bis zwölf Monaten hat sich die Anzahl der Kundenanfragen bei Gartner zum Thema Wearables ebenfalls deutlich erhöht. Gartner diskutiert dieses Thema auf verschiedenen Ebenen sowohl mit Anwenderunternehmen als auch mit Technologieanbietern.

Identifizieren und Bezahlen über das Handgelenk

Ein Thema, das derzeit großes Interesse findet, sowohl auf Anwender- als auch auf Anbieterseite, ist die Verbindung von Wristbands mit Authentifizierung und biometrischen Technologien. Die Firma Nymi aus den USA entwickelt derzeit ein Armband mit einer patentierten Authentifizierungstechnologie, die mittels des Elektrokardiograms des Trägers seine Identität bestätigen soll. Das Produkt ist noch nicht auf dem Markt, aber der Hersteller hat schon eine Zusammenarbeit mit größeren Unternehmen wie dem Cloud-Provider Salesforce.com angekündigt. Die Methode hört sich vielversprechend an, muss sich aber auch noch erst beweisen.

2015

2016

2020

Total

78

103

180

Total Wristworn Device Shipments worldwide: 2015, 2016 and 2020 (Millions of Units)

Quelle: Gartner

Salesforce.com hat bereits seit letztem Jahr das Salesforce Wear Developer KIT, das sich direkt an Entwickler im Unternehmensumfeld richtet und ihnen ermöglicht, Apps für Wearables zu entwickeln, die mit Salesforece.com-Diensten leicht integriert werden können.

Andere Unternehmen wie MasterCard, Visa und First West Credit Union haben den Einsatz von Wearables zur Authentifizierung bereits getestet. Bankkunden können ein Wristband für Bankgeschäfte nutzen und auch mittels kontaktloser Bezahlfunktion damit Einkäufe tätigen - beispielsweise mit Visas eigener Technologie, PayWave).

Es gibt noch eine Vielzahl an anderen Firmen, die sich mit diesem Thema bereits beschäftigen. Fujitsu treibt derzeit sein Produkt "Biometrics as a Service" voran. Das Unternehmen stellt eine weltweite Cloud-Infrastruktur bereit, die von Partnern wie ImageWare genutzt wird, um ihr Authentifizierungssystem als globale Lösung anzubieten.

Die Frage der Sicherheit

Bei all diesen Beispielen stellt sich die Frage nach der Sicherheit dieser Lösungen. Jeder Anbieter hat eine andere Antwort darauf. Was sich derzeit abzeichnet, ist der Weg der multimodalen biometrischen Technologielösung. Wenn unterschiedliche biometrische Technologien gleichzeitig zum Einsatz kommen, steigt die Sicherheit des Systems. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Sensoren, die wir in Zukunft in Wristbands finden werden.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Fingerabdruck und Gesichtserkennung sind die gängigsten biometrischen Technologien, die wir schon in Smartphones heute finden. Stimmerkennung, Netzhaut-Scan und Herzschlag sind weitere Möglichkeiten der Identitätsbestätigung. Jede dieser Technologien hat Vor- und Nachteile. Netzhautscan wird bei Brillenträgern schwierig bis unmöglich. Eine Stimmerkennungssoftware muss sehr genau die verschiedenen Nuancen der Stimme erfassen, um Betrug auszuschließen.

Die Sicherheit bei der Authentifizierung mit Wearables am Handgelenk ist nicht nur für Unternehmen ein wichtiges Thema sondern auch für den Konsumenten. Unternehmen müssen das Vertrauen der Nutzer gewinnen, damit diese die Technologie überhaupt annehmen. (bw)