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Amerikaner sind "Gesundheitsshopper"

21.02.2008
Von pte pte
Zwei von fünf Amerikaner würden für eine medizinische Behandlung ins Ausland reisen, wenn sie für dieselbe Qualität die Hälfte bezahlen müssten. Dieses Ergebnis geht aus einer Umfrage des Deloitte Centre for Health Solutions http://www.deloitte.com hervor, die in einem Gesundheitsreport veröffentlicht wurde.

Laut dem Bericht liegt der Grund für den Medizintourismus in den steigenden Kosten des amerikanischen Gesundheitssystems. In der Studie, in der 3.000 Amerikaner befragt wurden, gaben 39 Prozent an, sich eine Auslandsbehandlung. Weitere 27 Prozent gaben an, sich in Zukunft eine Behandlung im Ausland vorstellen zu können und bereits drei Prozent nahmen eine Behandlung in einem anderen Land schon in Anspruch. Aus der Erhebung geht ebenfalls hervor, dass sich Personen mit einer Privatversicherung, eine derartige Behandlung im Ausland eher vorstellen können als jene, die das Krankenversicherungssystem Medicaid (sozialhilfeartige Leistung) und Medicare (Art klassischer Krankenversicherung) beanspruchen. Auch unter jungen Amerikanern mit spanischer oder asiatischer Abstammung ist Gesundheitsshopping im Ausland ein Thema.

Den Trend des Gesundheitstourismus erkannte 2005 schon die Europäische Kommission. Sie fordert seit damals das Fallen der Grenzen für Patienten. Kranke sollten europaweit eine freie Wahl von Arzt und Spital haben. "Mit den zunehmenden Bestrebungen der EU, Integration zu fördern, ist der Aspekt der Patientenmobilität sehr interessant", meint Maria Hofmarcher, Gesundheitsökonomin am Institut für Höhere Studien in Wien http://www.ihs.ac.at/ im Gespräch mit pressetext. Die Leitlinien zur Patientenmobilität umfassen demnach das Recht auf eine angemessene und qualifizierte Versorgung, auf Aufklärung, Datenschutz und Vertraulichkeit, als auch über eine Transparenz von erstattungsfähigen Leistungen. Patienten sollten diese jedoch nur dann in Anspruch nehmen, wenn ihnen eine notwendige Therapie in der Heimat - aufgrund von Wartelisten - verwehrt ist. Die wohnortnahe Versorgung sollte aber weiterhin Vorrang haben.

Die EU rechnet jedes Jahr mit bis zu einer Mio. Patienten, die quer durch Europa die beste Hochleistungsmedizin suchen. Die Richtlinie sollte zwar schon im Dezember 2007 vorgestellt werden, der Termin wurde aber seit dem Jahr 2005 immer wieder verschoben. Ein Grund könnte sein, dass sich viele EU-Länder vor einer nicht ordnungsgemäßen Abrechnung zwischen den EU-Ländern fürchten. (pte)