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Amdocs kauft Content- und Billing-Spezialisten QPass

19.04.2006
Der israelische Anbieter von Lösungen für das Kunden-Management macht 275 Millionen Dollar für den Ausbau seiner Telko-Sparte locker.

Der US-amerikanische Softwarehersteller QPass entwickelt Anwendungen, mit deren Hilfe Anbieter von Telekommunikationsservices digitale Inhalte und deren Verbreitung verwalten sowie abrechnen können. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt das in Seattle, Washington, beheimatete Unternehmen. Zum Kundenstamm zählt das Who-is-Who der internationalen Mobilfunktanbieter, darunter Cingular Wireless, T-Mobile und Vodafone. Eigenen Angaben zufolgen werden etwa 175 Millionen Mobilfunkkunden weltweit mit Hilfe der QPass-Programme mit Inhalten versorgt. Weitere 60 Millionen Nutzer von Wifi- und VoIP-Netzen zählten ebenfalls dazu. Insgesamt seien QPass zufolge bereits 400 Millionen Transaktionen von kostenpflichtigen Services über die eigene Software verwaltet und abgerechnet worden. Das Volumen habe rund eine Milliarde betragen.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2005 meldeten die QPass-Verantwortlichen einen Umsatz von 42 Millionen Dollar. Den im Vergleich zu den jährlichen Einnahmen verhältnismäßig hohen Kaufpreis von 275 Millionen Dollar in bar rechtfertigte das Amdocs-Management mit dem Potenzial, das der Markt biete. So müssten die Anbieter von Telekommunikationsservices kontinuierlich an neuen Angeboten und Inhalten feilen, um im Wettbewerb zu bestehen, erläuterte Amdocs-CEO Dov Baharav. Um Dienstleistungen und Inhalte möglichst effizient zu verwalten, benötigten die Anbieter eine entsprechend ausgestattete IT-Infrastruktur. Der auf Customer-Relationship-Management-Lösungen (CRM) spezialiste Softwarehersteller hofft mit den QPAss-Lösungen auf einen höheren Anteil am IT-Budget seiner Kunden.

Der Deal soll bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden. Finanziell bedeutet der Kauf von QPass für Amdocs keine besondere Belastung. Der Softwarehersteller verfügt über Barreserven in Höhe von rund 1,2 Milliarden Dollar und weist eine Marktkapitalisierung von etwa sieben Milliarden Dollar aus. Amdocs beschäftigt weltweit etwa 12 000 Mitarbeiter und versorgt Kunden in mehr als 50 Ländern. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2006 meldete der Softwarehersteller Einnahmen von 587 Millionen Dollar, 25 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Der Gewinn belief sich auf etwa 90 Millionen Dollar.

Der Telekommunikationssektor rückt offenbar zunehmend in das Visier der Anbieter von Business Software. Erst kürzlich hat Oracle für rund 220 Millionen Dollar Portal Software geschluckt, einen Hersteller von Abrechnungslösungen (siehe auch: Oracle kauft Portal Software und verschärft den Kampf um die Branchen). Nur wenige Tage später kündigten Vertreter des Datenbankspezialisten an, künftig eine eigene Plattform für Kunden aus dem Segment Telekommunikationsanbieter zu offerieren (siehe auch: Oracle baut Plattform für Telekommunikationsanbieter). (ba)