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AMD und seine Kunden warten auf "Barcelona"

26.01.2007
Nach jahrelanger technischer Überlegenheit ist Advanced Micro Devices mit seinen "Opteron"-Prozessoren nun wieder hinter Intel zurückgefallen, das im letzten Jahr eine massive Produktoffensive gefahren hatte. Mitte 2007 will AMD sich den Vorsprung zurückholen.

Und dafür rührt es gerade schon einmal mächtig die Werbetrommel - Patrick Patla, Director Server Workstation Division, und sein für Worldwide Channel Market Development zuständiger Kollege John Fruehe waren heute in München, um unter anderem die COMPUTERWOCHE speziell über den neuen Quad-Core-Chip "Barcelona" zu informieren, den AMD im Sommer herausbringt.

Der Hersteller macht damit in vielfacher Hinsicht einen entscheidenden Schritt nach vorn. Der "Barcelona" wird als erster Server-Prozessor von AMD mit Strukturbreiten von 65 Nanometer und aus 300-Millimeter-Wafern gefertigt, was kleinere Baugrößen und geringere Produktionskosten ermöglicht.

Er verfügt gleichzeitig über eine verbesserte Core- und Cache-Architektur (512 MB L2 pro Kern plus 2 MB Shared L3), bringt alle vier Kerne auf einem Stück Silizium mit schnellen internen Verbindungen unter (Intel steckt derzeit nur zwei Dual-Core-Chips in ein Package) und bietet dank "Nested Pages Acceleration" deutliche Fortschritte für virtualisierte Umgebungen.

Links: "Barcelona" mit vier Kernen auf einem Die; rechts ein "Pseudo-Quad-Core"-Xeon von Intel.
Links: "Barcelona" mit vier Kernen auf einem Die; rechts ein "Pseudo-Quad-Core"-Xeon von Intel.
Foto: tomshardware.com

In anderen wichtigen Punkten hingegen unterscheidet sich die neue Vierkern-CPU aber nicht von den übrigen Opterons: Die Leistungsaufnahme ("Thermal Design Point") bleibt bei 95 Watt für die normale und 68 Watt für die Stromspar-Ausführung und der Chip passt (nach einem BIOS-Upgrade) in bestehende Socket-F-Server, sodass Anwender vorhandene Server einfach aufrüsten können.

Die Floating-Point-Einheit hat AMD vollständig auf 128 Bit erweitert - anders als Intel, bei dem Instruction-Fetch- und Daten-Cache-Bandbreite noch 64-bittig ausgelegt sind und damit entsprechende Flaschenhälse bilden. AMDs "SSE 128" hat außerdem einen dedizierten Fließkomma-Scheduler mit 36 Entries; der von Intel hat nur 32 Entries und muss diese noch dazu zwischen Integer und FP teilen. AMD erwartet im Floating-Point-Bereich für den Barcelona daher mehr als 80 Prozent Leistungsgewinn pro Core für ausgewählte Applikationen. Im eher allgemein gehaltenen Fließkomma-Benchmark "SPECfp_rate2000" soll der Chip internen Berechnungen zufolge aber auch noch 42 Prozent schneller arbeiten als Intels "Xeon X5355".

Insgesamt erwartet Patla, dass sich AMD mit Erscheinen des Barcelona wieder einen dann 40-prozentigen Leistungsvorsprung vor Intel mit seinen "Pseudo-Quad-Core"-Xeons verschaffen kann. Und den braucht der Hersteller auch dringend. Speziell im unteren Marktsegment mit Uniprozessor-Servern kann AMD noch immer keine nennenswerten Marktanteile vorweisen - es gibt bislang überhaupt nur zwei Opteron-Server mit einer CPU, nämlich IBMs "System x3105" und die "Sun Fire X2100".

Unter anderem hier erhofft sich AMD denn auch neues Wachstumspotenzial. "Wir sind noch nicht im SMB-Segment; es stellt für uns aber ein enormes Volumenpotenzial dar angesichts unseres bislang so geringen Markanteils", erklärte Kevin Knox, Vice President Commercial Business.

Auch unterm Strich will das Unternehmen, das zuletzt wieder einmal zwar eigentlich keine Stückzahlenprobleme hatte, aber unter dem ruinösen Preiskrieg mit Intel litt, von der Barcelona-Einführung profitieren. Aufgrund der deutlichen Mehrleistung sieht es nämlich keinerlei Veranlassung, die Preise gegenüber den derzeitigen Dual-Core-Opterons zu senken und könnte dann aufgrund der günstigeren Fertigung mehr Marge mitnehmen.

Allerdings bezweifeln Analysten, dass der Markt für Quad-Core-Prozessoren überhaupt schon reif ist - denn es gibt kaum Software, die schon genügend parallelisiert ist, um die neue Technik auszureizen. "Wir sorgen uns angesichts dieses Drängens hin zu Mehrkern-Prozessoren - als ob diese Technik AMD oder sonst irgendjemanden retten könnte. Wir befürchten, dass das Quad-Core-Computing zu schnell kommt", warnt beispielsweise John Enck von Gartner. "Es handelt sich um einen Wettlauf zwischen Intel und AMD. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo mehr Technologie angeboten wird als wir überhaupt nutzen können."

Ein Hinweis auf diese übermäßige Rechenleistung sei die wachsende Nutzung von Virtualisierungstechnik, so Enck. Viele Unternehmen suchten nach Zusatzaufgaben, um die teuren Server zu rechtfertigen, die oft nur zu 15 oder 25 Prozent ausgelastet liefen.

Wovon sich AMD natürlich nicht abschrecken lassen will. "Intel hat diese Riesen-Engine, aber sie bringen die Daten nicht schnell genug dorthin", lästerte Knox über die CPUs des Konkurrenten. "Barcelona wird die größte Verbesserung der x86-Architektur seit wir 2003 den Opteron herausgebracht haben. Er wird die Leistung-pro-Watt-Gleichung auf ein Niveau hieven wie es die Leute noch niemals zuvor gesehen haben." (tc)