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AMD schwingt den Hammer

27.02.2002
Um die Ecke vom Intel Developer Forum in San Francisco zeigte AMD seinen kommenden x86-kompatiblen 64-Bit-Chip Hammer in einer Demonstration unter Windows (32 Bit) und Linux (64 Bit).

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nur ein paar Blocks entfernt vom Intel Developer Forum (IDF) in San Francisco demonstrierte Konkurrent Advanced Micro Devices (AMD) gestern erste Exemplare seiner kommenden 64-Bit-CPU "Hammer", die Ende dieses Jahres in einer Desktop-Version auf den Markt kommen soll. Varianten für den Einsatz vom Subnotebook bis hin zu Acht-Wege-Server sind für 2003 geplant.

Alle genannten Varianten verwenden denselben Prozessorkern, unterscheiden sich aber in der Bestückung mit Level-2-Cache. Das Design integriert einen Controller für DDR-Arbeitsspeicher (Double Data Rate), der gleich schnell wie die CPU getaktet ist. Als Bus nutzt der in einem 0,13-Mikron-Prozess mit SoI (Silicon on Insulator) gefertigte Chip die von AMD entwickelte "Hypertransport"-Technik (Computerwoche online berichtete).

Mark Tellez, Manager Platform Solutions and Market Development, betonte bei der Vorführung erneut die These des Herstellers, das Kunden eher eine Plattform unterstützen würden, die abwärtskompatibel zu ihrer bestehenden 32-Bit-Softwarelandschaft bleibt. Intel geht mit seinem Itanium und dessen IA-64-Architektur bekanntlich andere Wege. Der Hammer bietet Anwender laut Tellez drei unterschiedliche Betriebsmodi: 32-Bit-Modus für 32-Bit-Anwendungen unter einem 32-Bit-Betriebssystem, einen Kompatibilitätsmodus, bei dem 32-Bit-Anwendungen ohne Rekompilierung von einem 64-Bit-Betriebssystem kontrolliert werden, und schließlich einen reinrassigen 64-Bit-Modus, für den die Anwendungssoftware entsprechend angepasst werden muss.

In seiner Demo verwendete AMD sowohl ein 32-Bit-Windows von Microsoft als auch eine 64-bitige Linux-Ausführung. Die Quick-and-dirty-Portierung des quelloffenen Unix auf die Hammer-Architektur sei "recht einfach" gewesen, erklärte Fred Weber, CTO (Chief Technology Officer) von AMDs Bereich Computation Products. Für eine komplette Anpassung sei allerdings noch einige Feinarbeit vonnöten. Tellez konnte noch nichts dazu sagen, ob Microsoft sein Windows auf den 64-Bit-Modus des Hammer portiert. Die Gates-Company habe die Spezifikation aber erhalten und auch schon "Feedback gegeben".

Neben Betriebssystem- und Softwareanbietern muss AMD natürlich auch noch Hardwerker gewinnen, die Hammer-Chips in ihre Geräte einbauen. Knapp ein Jahr vor dem Launch stecken die entsprechenden Bemühungen aber naturgemäß noch eher in den Kinderschuhen. "Computerwire" zitiert Sally Stevens, Director Product Marketing für Compaqs Blade-Server, mit der Aussage, der kommende AMD-Chip sein "definitiv aufregend". Eine Entscheidung über seine Verwendung hänge aber vor allem davon ab, wie robust der entsprechende Chipsatz ausfalle.

Übrigens ist weiterhin unklar, ob nicht Intel ebenfalls einen 32/64-Bit-Hybrid-Prozessor entwickelt. Gerüchte über ein entsprechendes Projekt (Codename "Yamhill") geistern seit einiger Zeit durch die Presse (Computerwoche online berichtete). CEO (Chief Executive Officer) Craig Barrett wollte auf dem IDF keine Aussagen dazu machen und berief sich dabei auf die Firmenpolitik, Gerüchte über künftige Produkte grundsätzlich nicht zu kommentieren. (tc)