Web

Lieferanten warten immer länger

Amazon zahlt heute nicht

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Der weltgrößte Einzelhändler Amazon.com ist unter anderem deswegen finanziell so erfolgreich, weil er die Rechnungen seiner Lieferanten immer später begleicht.

Die Forderungslaufzeit hat der E-Commerce-Gigant aus Seattle zuletzt immer weiter ausgedehnt, wie das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe berichtet - ein Faktor des beständig wachsenden Cash-Flows sei dies. Im dritten Quartal beispielsweise habe Amazon bereits 72 Tage verstreichen lassen, bevor es die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten beglich - in der vergleichbaren Vorjahreszeit waren es "nur" 63 Tage gewesen.

Das Wirtschaftsblatt zitiert den Behind-The-Numbers-Analysten Brian Evans mit der Bemerkung, dies bedeute "theoretisch, dass Amazon Lieferanten noch nicht für Verkäufe bezahlt hat, die Mitte Juni abgewickelt wurden". Die Erlöse von Amazon waren im dritten Quartal um 28 Prozent gestiegen; die Liefertantenverbindlichkeiten ("accounts payable") wurden nahezu verdoppelt und trieben den Free Cash Flow um 116 Prozent auf 696 Millionen Dollar in die Höhe.

Im Jahresdurchschnitt ist die Umschlagsdauer der Forderungen bei Amazon von 49,25 Tagen im Jahr 2003 bis zum vergangenen Jahr auf 59 Tage gestiegen. Heuer liegt der Schnitt bereits bei 64,6 Tagen. Der Free Cash Flow erhöhte sich von 346 Millionen Dollar 2003 auf 1,36 Milliarden Dollar für 2008. Experten warnen angesichts dessen, dass Amazon den Bogen nicht endlos überspannen kann. Sobald es seine Lieferanten nicht immer noch später bezahlt, werde zumindest diese Quelle des Cash-Flow-Wachstums versiegen. So sei es vor Jahren bereits Home Depot gegangen, erklärte der Betriebswirtschaftsprofessor Charles Mulford vom Georgia Institute of Technology.