Jean-Philippe Courtois, Microsoft

"Am wertvollsten sind Aufmerksamkeit und Qualitätszeit"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Jean-Philippe Courtois ist President, Microsoft International. Er war Mitte Oktober in München und hat uns zusammen mit Jens Hittmeyer von Aenova erläutert, wie Microsoft die Arbeitswelt nicht zuletzt im Mittelstand verändern möchte.

Jean-Philippe Courtois: Ein Rahmen für unsere Diskussion: Wir werden von Kommunikation förmlich überflutet. Eine Führungskraft bekommt heute einer Studie zufolge über alle möglichen Kanäle 30.000 Informationen, die verarbeitet werden wollen. Die wertvollste Sache ist daher inzwischen Aufmerksamkeit und Qualitätszeit, in der Sie Ihre Arbeit erledigen und mehr schaffen können, egal was Sie gerade in Ihrem geschäftlichen oder privaten Leben tun.

Jean-Philippe Courtois, President, Microsoft International
Jean-Philippe Courtois, President, Microsoft International
Foto: Thomas Cloer

Wir als Unternehmen durchlaufen gerade eine massive Transformation und stellen uns nach der Devise "Mobile first, Cloud first" neu auf, um hoffentlich als Produktivitäts- und Plattformfirma erfolgreich zu sein. Wir wollen Menschen im Berufs-, aber auch im Privatleben helfen, Dinge zu erledigen, und ihnen einen Mehrwert bieten. Dafür haben wir unsere Cloud-Infrastruktur mit Services für alle möglichen Endgeräte entwickelt. Wir wollen den Menschen jeden Cloud-Dienst auf jedem Gerät anbieten - deswegen machen wir Office 365 auf dem iPad und Android und heißen andere Firmen wie Cisco, SAP oder Salesforce.com auf Azure willkommen.

Den deutschen Mittelstand kennzeichnet unter anderem das Bestreben, alles immer noch besser zu machen, eine regelrechte Besessenheit bei Entwicklung und Qualitätssteigerung. Auf der anderen Seite gibt es aber Bedenken hinsichtlich vor allem der Sicherheit von Cloud Computing. Aber an dieser Stelle möchte ich lieber einen Anwender zu Wort kommen lassen, der in seiner früheren Firma ein spannendes Projekt gestemmt hat und auch bereit ist, darüber zu sprechen.

Jens Hittmeyer: Im Mittelstand haben wir es mit einigen besonderen Herausforderungen zu tun. Zum einen sind unsere Budgets deutlich kleiner als bei den Kollegen in großen Konzernen; Agilität, Geschwindigkeit und Innovation stellen uns vor viel größere Schwierigkeiten. Wir müssen aber aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks innovativer sein und auf der anderen Seite unsere IT an klaren Geschäftszielen ausrichten. Meine Kollegen und ich haben weder das Geld noch die Leute oder die Zeit, uns mit großen Infrastrukturen herumzuschlagen.

Das wird immer mehr zum Problem. Für mich ist der einzige Ausweg aus diesem Dilemma, Dinge in die Cloud zu verlagern. Natürlich haben wir hier dann ständig die Diskussionen über das Thema Sicherheit, schließlich haben wir das Wort "Datenschutz" erfunden, aber mit Anbietern wie Microsoft brauchen wir diese nicht zu fürchten. Cloud ist aus meiner Sicht jedenfalls die einzige Möglichkeit, meine Leute von der Infrastruktur-Last zu befreien, damit sie sich stattdessen um Business-Themen kümmern können.

Bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich Office 365 und Yammer für 2500 Mitarbeiter eingeführt und für meine neue Firma Aenova habe ich die gleiche Vision. Wir haben einen Proof of Concept gestartet, der sich sehr schön entwickelt. Office 365, SharePoint, Yammer und auch mein persönlicher Favorit OneNote werden wirklich zu effizienten Werkzeugen, ohne die Leute zu überladen. Es gibt eine interessante Diskussion zum Thema "Ist Yammer einfach nur ein weiteres Tool?" und die Frage, welches Werkzeug man wann einsetzen sollte - es gibt Lync, SharePoint, Yammer, E-Mail, was nutze ich also wofür?

Darauf gibt es aber schon geschäftserprobte Antworten. Wenn Sie zum Beispiel eine schnelle Antwort auf eine Frage brauchen, aber nicht recht wissen, wen Sie fragen sollen - nehmen Sie Yammer. Irgendwer wird Ihre Frage beantworten. Wenn Sie dann die Antwort haben, fangen Sie mit deren Absender vielleicht einen Chat via Lync an oder schicken ihm eine Mail. Das erfordert freilich einen gehörigen Mind Change - und das ist in Deutschland immer ein Problem, weil wir liebend gern Fragen stellen.