Web

 

Altavista bietet freien Internet-Zugang

13.08.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Während Microsoft noch darüber redet, hat Altavista schon gehandelt. Gestern stellte das Web-Portal in den USA seinen kostenlosen Web-Zugang vor.

Im harten Wettbewerb um Internet-Surfer beginnen immer mehr Internet-Service-Provider (ISP) und Online-Dienste, gebührenfreien Netzzugang anzubieten. Europa ist zur Abwechslung auf diesem Gebiet der Vorreiter. In der Regel versuchen die Anbieter, den Wegfall der Zugangsgebühren durch höhere Telefoneinnahmen zu kompensieren. Dieses Geschäftsmodell ist in den USA, wo die Telefongebühren traditionell sehr niedrig sind, bisher nicht so richtig auf die Beine gekommen. Lediglich einige Start-up-Unternehmen versuchen sich auf diesem Gebiet.

Jetzt scheint Altavista ein rentables Konzept entwickelt zu haben. Die ehemalige Compaq-Einheit, die von CMGI gekauft wurde, ging gestern mit ihrem neuen Service "Free Access" an den Start, in dem der Web-Zugang mit kombiniertem "Mikroportal" zum Nulltarif erhältlich ist. Diese Homepage konzentriert sich auf Basis-Dienstleistungen und -Content wie Nachrichten, Sport, Börseninformationen, Wetter und Fernsehprogramm. Die Inhalte können personalisiert werden. Für die flächendeckende Einwahl arbeitet Altavista mit verschiedenen ISPs in den USA zusammen.

Rentabel soll das Programm durch Online-Werbung sowie den Vertrieb von Kundendaten für Werbe- und Marketingzwecke werden. Zum einen wird im Portal Bannerwerbung geschaltet, die aber nur fünf Prozent des Bildschirms verdeckt und vom Benutzer in eine beliebige Ecke geschoben werden kann. Zum anderen sollen Kundenprofile an Marketingfirmen verkauft werden. Um das Angebot nutzen zu können, müssen die User daher Name, Anschrift, E-Mail-Adresse, Geschlecht und Alter angeben. Wer will, kann zusätzliche Informationen zu persönlichen Vorlieben nennen. Ferner werden die von den Kunden angeklickten URLs registriert, um ein Userprofil zu erstellen.

Um möglichst viele Kunden zu gewinnen, lobt der Suchmaschinen-Anbieter auf seiner Site Shopping.com Preise im Gesamtwert von fünf Millionen Dollar aus. Für die Schaltung der Bannerwerbung arbeitet Altavista mit 1stUP.com zusammen. Das kalifornische Unternehmen stellt die Software für das Online-Werbefenster zur Verfügung und koordiniert die Anzeigenverwaltung. Free Access funktioniert mit jedem Web-Browser und läuft auf Windows 95 und 98. Der Service soll in Kürze auch für Windows NT und Mac-OS bereitstehen. Auf die Frage, ob und wann der Service auch in Deutschland verfügbar sein werde, antwortete Unternehmenssprecher Mathias Schmitz: "Free Access ist auch in Deutschland vorstellbar. Im Moment recherchieren wir die Möglichkeiten. Konkrete Pläne existieren zur Zeit jedoch noch nicht."

Daß die Rechnung für Altavista aufgeht, bezweifeln viele Analysten. Der Service, den gebührenpflichtige Online-Dienste liefern, sei hochwertiger, besonders in bezug auf die Inhalte. Das Kostenargument scheint jedoch nicht von der Hand zu weisen zu sein. So hatte der weltweit größte Online-Dienst AOL erst im Mai seine Preise drastisch gesenkt und plant in Großbritannien nun einen kostenlosen Internet-Zugang namens "Netscape Online".

In Europa sind bereits mehrere Unternehmen auf den Gratis-Internet-Zug aufgesprungen, darunter vor allem der britische Provider Freeserve, der auf der Insel sogar erfolgreicher als AOL ist, und Computerhersteller Dell, der seinen Dienst "Dell Net" auch hierzulande anbietet. In der alten Welt ist die Internet-Nutzung trotz allem immer noch teurer als in den USA, da nach wie vor die Telefongebühren im Minutentakt statt pauschal abgerechnet werden. So schnell wird sich daran nichts ändern, da Ex-Monopolisten wie die Deutsche Telekom hierzulande eine Liberalisierung der Telefonkostenabrechnung blockieren.

Dennoch ist es nicht auszuschließen, daß es in Europa schon bald komplett kostenlose Internet-Zugänge geben wird. Das käme vor allem für große E-Commerce-Shops wie die englische Dixons Group, Mutter des Gratis-Anbieters Freeserve, in Frage oder für Konzerne wie Wal Mart, Metro und ähnliche. Beim Betreten eines Ladens müßten die Kunden schließlich auch keinen Eintritt zahlen, so ein Marktexperte.