Neu aus den USA in deutschen Landen:

Als PC- und Peripheriehersteller möchte Everex jetzt durchstarten

07.02.1992

MÜNCHEN (jm) - Seit Oktober 1991 ist die amerikanische Mutter Everex Systems Inc. aus dem kalifornischen Fremont mit einer Niederlassung in Frankfurt vertreten. Und obwohl die Kalifornier erst sehr spät den Eintritt in die 1 Märkte der alten Welt wagen hoffen sie, sich auch in Europa mit einer Angebotspalette durchsetzen zu können, die nicht nur PCs, sondern auch Peripherie wie Laserdrucker, Streamer, Modems, Grafik-, Fax- und Modem- sowie Multi-I/O-Karten umfaßt.

Der Optimismus der 1983 von Steve L.W. Hui gegründeten Firma dürfte sich vor allem auf dieses nicht ganz übliche Angebotsspektrum stützen: Unternehmen mit bekannteren Namen wie AST, ALR, Dell oder Compaq haben sich ausschließlich auf den Erfolg ihrer jeweiligen PC-Produkte gestützt und sind damit teilweise in den letzten Jahren eingebrochen.

Everex-Geschäftsführer J. Georg Hüniken -bisher in der linksmainischen Bockenheimer Landstraße in Frankfurt beim Leasing-Unternehmen ECS International Deutschland GmbH für PC-Produkte verantwortlich- sieht auch in dem späten Markteintritt in Europa keine großen Probleme.

Konzentration auf den US-Markt problematisch

Dabei ist Everex nur in England und Frankreich schon seit längerem mit Vertretungen Präsent. Dem stehen Neugründungen den Beneluxländern und in Deutschland gegenüber, erst dieses Jahr sollen Italien und der schnell wachsende spanische Markt bedient werden. International aktiv, sind die Kalifornier zudem in Kanada und der Kronkolonie Hongkong.

Hüniken konzertiert allerdings, daß die bisherige Konzentration auf den US-Markt lediglich zehn Prozent des Umsatzes generierte Everex außerhalb der 50 Bundesstaaten - durchaus problematisch sei: "Firmen wie etwa Compaq oder Apple machen mittlerweile bis zu über 50 Prozent ihres Unisatzes außerhalb des Heimmarktes. Wir waren da bislang viel stärker der rezessiven US-Atmosphäre ausgesetzt."

Über Systemhäuser und VARs, nicht aber über den Massenverkauf wird Everex seine Produkte vertreiben. Direkt will man nur OEM-Bezieher beliefern, wobei nach Worten von Hüniken ein großer Fisch bereits an Land gezogen worden sei. Als Zielgruppe für ihre Produkte peilt die Everex Systems GmbH vor allem Großkunden an.

Hierbei dürfte Hünikens Vergangenheit dem deutschen Marktneuling in die Hände spielen: Leasingunternehmen ECS machte etwa 60 Prozent seines Umsatzes mit IBM-Großsystemen, die DV-Klientel aus den Rechenzentren der deutschen Industrie dürften dem Chef von Everex deshalb nicht gänzlich unbekannt sein.

Allerdings müssen, die Amerikaner, noch den Geruch loswerden, auch zu den PC-Losern zu gehören: Wegen, wie Hüniken meint, Manegementproblemen aufgrund des sprunghaften Wachstums der Firma habe man für das Geschäftsjahr 1991 einen nicht näher bezifferten Verlust hinnehmen müssen. Im Zuge des Stühlerückens wurde 1991 Hal Clark als President in Fremont inthronisiert, die Manager in England und Hongkong ausgewechselt, Gründer Hui selbst konzentriert sich nunmehr auf Ingenieuraspekte.

Everex peilt in Europa vor allem den Hochleistungs-PC-Bereich und den Netzwerk. und Unix-Markt an. Neben der PC-"Tempo"-Rechnerlinie sind es deshalb vor allem die "Step"-Rechner und hier besonders das Spitzenmodell "Megacube", womit Multiuser-Bereiche abgedeckt werden sollen.

Wahrscheinlich erst zur CeBIT ´92 kann Everex die mit dem Megacube-Gehäuse ummanteln "Step-MP"-Multiprozessorrechner und "Step-FT"-fehlertoleranten Systeme deutschen Kunden präsentieren. Auch der Notebook mit der Besonderheit des als Joystick zu verwendenden Buchstabens "J" als Mausersatz ist momentan noch nicht lieferbar, allerdings fehlen hier lediglich die deutschen Tastaturkappen.

Auch der "Laserscript-LX"-Postscriptdrucker mit standardmäßig 4,5 MB Speicher und 35 residenten Bitstream-Fonts; die Videokarte "VGA HC" mit einem zusätzlichen Ausgang für Videosignale (kein Eingang allerdings) zur Bearbeitung von GB-, S-Video- und Composite-Signalen; als auch ein erstmals auf der Comdex 1990 in Las Vegas präsentiertes mobiles "Carrier"-Fax-Modem sowie ein Streamer und weitere Grafik- und Multi-I/O-Karten kommen aus der Produktionsstätte von Everex: "Bis auf Bildschirme, Tastaturen, Festplatten und Netzteile stehen wir alles selbst her", überschlägt Hünikes die Fertigkeiten seiner amerikanischen Mutter.

"Unser großes Plus ist unsere umfassende Angebotspalette. Damit können andere PC-Hersteller nicht argumentieren", diskutiert der Everex-Chef die zukünftige Werbestrategie der Kalifornier für den deutschen Markt.

Daß der Optimismus von Hüniken nicht ganz grundlos ist, zeigen die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals des laufenden Geschäftsjahres, das am 3. November 1991 endete: Gegenüber dein Vergleichszeitraum des Vorjahres wurde mit einer Umsatzsteigerung von 25,2 Prozent bei 131,2 Millionen Dollar nach Everex-Angaben firmeninterner Rekord angemeldet.