Beratung per Internet

Allianz strafft Deutschland-Vertrieb

10.06.2015
Europas größter Versicherer Allianz strafft seinen Vertrieb in Deutschland und schließt fast jede dritte Geschäftsstelle.

Die Zahl der Standorte zur Betreuung der Vertreter solle Anfang 2016 von 88 auf 60 schrumpfen, teilte die Allianz Deutschland am Mittwoch in München mit. Dadurch sollen rund 360 Stellen wegfallen. Die Zahl der Vertreter bleibe aber gleich, so die Allianz. Die Vertriebskosten sollen so um 40 Millionen Euro pro Jahr sinken. Mit dem Umbau reagiert der Versicherer auch auf den steigenden Kostendruck in der Branche.

Allianz-Zentrale in der Münchner Königinstraße
Allianz-Zentrale in der Münchner Königinstraße
Foto: Allianz

Die Stellenstreichungen beträfen vor allem interne Führungs- und Betreuungsfunktionen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben. In Großstädten wie Berlin oder München, wo der Konzern bislang jeweils drei Geschäftsstellen habe, werde es künftig nur noch eine pro Stadt geben, hatte Vetriebsvorstand Joachim Müller bereits dem "Handelsblatt" (Mittwoch) gesagt. Etwa jeder dritte Vertreter werde einer neuen Geschäftsstelle zugeordnet.

Zugleich setzt der Versicherer auf eine stärkere Digitalisierung: Müller baut auf den Kundenkontakt über soziale Netzwerke wie Facebook, die Kunden sollen auch per Video beraten werden. "Von 2015 bis 2017 wollen wir zusätzlich bis zu 100 Millionen Euro in die digitale Agenda investieren", sagte der Manager. Zuvor sei bereits ähnlich viel Geld für diesen Zweck geflossen.

Die Versicherer hinken bei der Digitalisierung insgesamt anderen Branchen hinterher. Einfache Versicherungen wie Haftpflicht oder Kfz-Verträge können zwar schon vielfach online abgeschlossen werden. Manche Produkte sind aber so komplex, dass die Versicherer auf eine aufwändigere Beratung setzen.

Im Zuge der Umstrukturierung will die Allianz auch ihren Spezialvertrieb neu aufstellen. Von den 260 Agenturen sollen diejenigen mit spezieller Kompetenz für betriebliche Altersversorgung und Krankenversicherung im Spezialvertrieb verbleiben, die übrigen sollen in den allgemeinen Vertrieb eingegliedert werden. Zudem sollen im Angestelltenvertrieb im Nordosten Deutschlands Stellen in ungenannter Höhe wegfallen. (dpa/tc)