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Allianz krempelt ihre IT-Organisation um

27.04.2007
Um Kosten zu sparen, bündelt der Allianz-Konzern seine Abteilungen für IT-Infrastruktur in einer zentralen Gesellschaft. Die Agis geht im neuen Dienstleister Asic auf.
Allianz-Manager Friedrich Wöbking will mit der Reorganisation 25 Prozent IT-Kosten sparen.
Allianz-Manager Friedrich Wöbking will mit der Reorganisation 25 Prozent IT-Kosten sparen.

Die IT-Organisation des Versicherungs- und Finanzdienstleisters steht vor einem tief greifenden Wandel. Zum 1. Juli 2007 legt das Management 26 dezentral aufgestellte Einheiten für die IT-Infrastruktur in Westeuropa zusammen, darunter auch der interne IT-Dienstleister Agis. Deren Aufgaben erledigt künftig die international agierende Gesellschaft Allianz Shared Infrastructure Services, kurz Asic. Betroffen sind rund 2450 Mitarbeiter.

Friedrich Wöbking, Vorsitzender des internationalen IT-Committee der Allianz, erhofft sich von dem Vorhaben eine verbesserte Servicequalität und eine Kostenreduktion um 20 bis 25 Prozent. Ein Großteil der Einsparungen entfalle auf die Zusammenlegung von Rechenzentren und Server-Farmen, erklärte Wöbking gegenüber der COMPUTERWOCHE. Personalkosten und Aufwendungen für Gebäude spielten demgegenüber nur eine geringe Rolle. Europaweit sei mit einem Stellenabbau im niedrigen dreistelligen Bereich zu rechnen.

Die bisherige Organisation ist aus seiner Sicht nicht effizient genug: "Aufgrund der kleinen Einheiten ist das lokale Verbesserungspotenzial eingeschränkt. Skaleneffekte können nicht realisiert werden." In den Bereichen Netzwerk und Telekommunikation arbeite die Allianz beispielsweise europaweit mit mehr als 150 Lieferanten zusammen. Wöbking: "Wir wollen die IT-Infrastruktur so aufstellen, dass länderübergreifend die besten Produkt-, Prozess- und Technologieansätze zum Einsatz kommen." Den 15 Allianz-Gesellschaften im Westeuropa könne Asic bessere IT-Services zu günstigeren Konditionen liefern.

Leiten soll das neue Unternehmen ein Duo aus dem eigenen Haus: Kurt Servatius, bisher Chef des konzerneigenen IT-Dienstleisters Agis, agiert als Chief Operating Officer (COO). Markus Müller, der als Chef der Sparte Group IT direkt an Wöbking berichtet, übernimmt die Rolle des Chief Technology Officer (CTO). Großrechner und Server für alle beteiligten Allianz-Gesellschaften betreibt die neue Servicegesellschaft an ihrem Hauptsitz in München. Die Infrastruktur der bisher dezentral aufgestellten Serviceeinheiten verlagert die Allianz schrittweise in die neue Organisation. Daneben werde Asic aber auch in den Gruppengesellschaften präsent sein, betonte Wöbking, um beispielsweise kundennahe Funktionen wie Projektberatung vor Ort anzubieten.

Im Rahmen der Neuorganisation will der IT-Manager verstärkt Aufgaben an externe Partner auslagern: "Ein wichtiger Aspekt des neuen IT-Konzepts ist die klare Fokussierung auf Kernkompetenzen." Zu Letzteren zählt er den Betrieb von Servern, Mainframes und den Druckbereich. "Das führt in den Servicefeldern Workplace-Betreuung, Netz und Telekommunikation zu einer Reduzierung der Fertigungstiefe, anders ausgedrückt: Teile dieses Geschäfts werden in Zukunft durch externe Anbieter erbracht." Bereits im August 2006 hatte die Agis in diesem Kontext die Auslagerung der Desktop- und Netzdienste angekündigt. Nach offiziellen Angaben sind davon 600 Mitarbeiter betroffen, knapp ein Drittel der Agis-Belegschaft. Der Outsourcing-Deal ist laut Wöbking inzwischen fast in trockenen Tüchern. Er rechne im dritten Quartal mit dem Abschluss der Transaktion.

Den Namen des Outsourcing-Partners mochte er nicht nennen. Bei der Auswahl achte man aber insbesondere auf die Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten der Angestellten. Ob und inwieweit Mitarbeiter von der Reorganisation profitierten, hänge allerdings auch von deren Bereitschaft ab, sich zu verändern. Für etliche IT-Spezialisten des Konzerns dürfte die Zusammenlegung der Infrastrukturabteilungen mit einem Standortwechsel verbunden sein. (wh)