FAQ

Alles, was Sie über Apple Pay wissen müssen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Apples neuer Bezahldienst ist in den USA gestartet. Doch wie genau funktioniert Apple Pay? Wir haben die Antworten.

Stand der Informationen: 28. Oktober 2014

Was ist Apple Pay?

Apple Pay ist ein neues Bezahlverfahren, das der kalifornische Apple-Konzern entwickelt hat. Man kann dabei mit mobilen Geräten von Apple an entsprechend ausgerüsteten Kassen kontaktlos sowie auch in Apps bezahlen. Apple Pay lässt sich aber anders als beispielsweise PayPal bisher nicht als Zahlungsmethode auf Webseiten einbinden.

Mit Apple Pay soll der Nutzer kontaktlos und sicher bezahlen können.
Mit Apple Pay soll der Nutzer kontaktlos und sicher bezahlen können.
Foto: Apple

Welches mobile Gerät braucht man für Apple Pay?

Apple Pay funktioniert zum Start am 20. Oktober 2014 mit dem iPhone 6 und 6 Plus sowie dem iPad Air 2 und iPad mini 3. Wenn 2015 die Smartwatch Apple Watch herauskommt, kann man diese auch mit iPhone 5, 5s und 5c koppeln und Apple Pay auch mit diesen älteren Apple-Smartphones verwenden. Die Apple Watch muss über Bluetooth mit dem iPhone gepaired sein, damit Apple Pay funktioniert.

An der Ladenkasse kann man nur mit iPhone und Apple Watch bezahlen, die Near Field Communication (NFC) eingebaut haben. Das iPad Air 2 und iPad mini 3 beherrschen nur Zahlungen in Apps - die Watch wiederum wird bei diesen passen müssen.

Welche iOS-Version braucht man für Apple Pay?

Apple Pay setzt auf dem iPhone oder iPad mindestens iOS 8.1 voraus.

Welche Zahlungsmittel unterstützt Apple Pay?

Apple Pay unterstützt zum Start in den USA gängige Kredit- (Mastercard, Visa, Amex) und Debit-Karten von rund 500 größeren US-Banken. Firmenkreditkarten und Prepaid-Karten werden nicht unterstützt, auch nicht die hauseigenen Bezahlkarten von Handelsketten wie Macy’s oder Bloomingdale’s (die oftmals an Loyalty-Programme gekoppelt sind).

Der Nutzer hinterlegt seine Karten in der Passbook-App auf dem Smartphone. Die erste erfasste Karte wird dabei die bevorzugte, das lässt sich bei mehreren Karten aber später jederzeit in den Einstellungen ändern. Kartendaten kann man entweder manuell eingeben oder mit der eingebauten iSight-Kamera abfotografieren - dann werden allerdings die Daten (verschlüsselt) zu Apple-Servern und zurück übertragen.

Apple-Chef Tim Cook hat auf einer Konferenz des "Wall Street Journal" erklärt, dass in den ersten drei Tagen nach dem US-Start von Apple Pay schon mehr als eine Million Kreditkarten für das System registriert wurden.

Wo kann man mit Apple Pay zahlen?

An der Kasse (POS, Point of Sales) muss ein Kartenterminal stehen, das kontaktlose Zahlungen über Near Field Communication (NFC) akzeptiert. In den USA kann man zum Start in rund 220.000 Geschäften mit Apple Pay bezahlen, viele davon gehören zu populären Handelsketten.

220.000 sind allerdings wenig, die Zahl entspricht nur gut zwei Prozent der geschätzt 7 bis 9 Millionen Händler, die Kreditkarten annehmen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hat aber noch keinen NFC-fähigen Kartenleser. Und von denen, die welche haben, schalten einige sie gerade ab, um Apple Pay zu blockieren - es gibt nämlich ein Joint Venture großer Handelsketten (unter anderem Walmart, Kmart, 7-Eleven und Best Buy), die unter dem Namen "CurrentC" ein konkurrierendes Verfahren entwickelt haben und durchsetzen wollen.

Eine "kritische Masse" ist laut Experten erst bei einer Akzeptanzrate von 20 Prozent erreicht; davon ist Apple zum Start so oder so noch weit entfernt. Viele US-Händler müssen alte Kartenleser aber ohnehin bald austauschen, da strengere Sicherheitsvorschriften und Karten mit Chips eingeführt werden. In Deutschland gibt es laut Visa etwa 45.000 Kassenplätze mit Kontaktlos-Terminals (Stand August 2014).

In den USA dürfen nur Firmen Apple Pay verwenden, die Waren oder Dienstleistungen außerhalb von Apps anbieten. Die Transaktionen müssen in US-Dollar abgewickelt werden.

Wie bezahlt man mit Apple Pay?

An der Ladenkasse braucht der Nutzer nur sein iPhone 6 oder 6 Plus in die Nähe des Kontaktlos-Lesegeräts zu halten - mit einem erfassten Finger auf dem Touch-ID-Fingerabdruck-Sensor des Geräts. Das Telefon muss dazu nicht aufgeweckt und es muss auch keine App geöffnet werden. Die erfolgreiche Transaktion signalisiert das Gerät durch ein dezentes haptisches Feedback (Vibration).

Bei der Apple Watch wird man bezahlen können, indem man die Uhr an den Contactless-Reader hält und zweimal den Knopf unterhalb der "digitalen Krone" drückt. Auch die Uhr signalisiert eine erfolgreiche Transaktion, und zwar haptisch und akustisch.

Innerhalb von Apps zahlt man, indem man zunächst Apple Pay als Zahlungsmethode wählt und dann seine Identität über den Fingerabdruck bestätigt.

Fallen für Apple Pay zusätzliche Gebühren an?

Der Endkunde zahlt keine Gebühren, wenn er Apple Pay nutzt. Auch für den Händler gibt es keine zusätzlichen Kosten über die hinaus, die bei Kartenzahlung ohnehin anfallen. Apple nimmt allerdings eine kleine Gebühr von den beteiligten Geldinstituten. Der Analyst Gene Munster von Piper Jaffray erwartet, dass Apple mit Apple Pay 2015 knapp 120 Millionen Dollar und 2016 dann 310 Millionen umsetzen wird - das wäre weniger als ein Prozent von gesamten Konzernerlös.

Wie sicher ist Apple Pay?

Apple gibt an, dass Apple Pay deutlich sicherer ist als herkömmliche Kartenzahlungen (die in den USA bislang noch fast immer über den Karten-Magnetstreifen und ohne PIN-Eingabe laufen). Für jede in Passbook hinterlegte Karte wird im Sicherheitschip "Secure Element" eine eineindeutige sogenannte Device Account Number angelegt.

Dazu kommt für jeden Bezahlvorgang ein transaktionsspezifischer dynamisch erzeugter Sicherheitscode. Beim Bezahlen werden nur die Device Account Number und dieser Code übertragen ("Tokenisierung"). Die ursprünglichen Kartendaten bekommt weder Apple noch der Händler, sie werden gar nicht mit der Zahlung übermittelt.

Apple gibt an, dass es keine Transaktionsdaten speichert. Eine Zahlung lasse sich somit auch nicht zum Nutzer zurückverfolge, so der Anbieter. Der Nutzer allerdings kann aus Gründen der Bequemlichkeit seine zuletzt getätigten Apple-Pay-Zahlungen in Passbook einsehen. Damit man Apple Pay verwenden kann, muss das iPhone oder iPad mindestens mit einer PIN gesichert sein.

Geht das mobile Gerät verloren oder wird gestohlen, kann man es über die Funktion "iPhone-Suche" in den gesperrten "Verloren"-Modus versetzen oder gleich fernlöschen.

Aber isch 'abe gar keine iPhone, Signorina!

Apple Pay ist Mobile Payment für die Apple-Welt. Android-Nutzer können schon lange auf die Google-Wallet sowie alternativ diverse Smartphone-Geldbörsen von Mobilfunk-Netzbetreibern wie Deutsche Telekom oder Vodafone zurückgreifen. Und Windows Phone hat eine Brieftasche schon im System eingebaut. Allerdings sind das iPhone 5s und das neue iPhone 6 mit ihrem Touch ID und Secure Element hardwareseitig sicherer als die Smartphones der Konkurrenz.

Die Hauptsache aber ist: Weil endlich auch Apple NFC verwendet, dürfte das leidige Henne-Ei-Problem endlich vom Tisch und kontaktloses Bezahlen bald sehr viel selbstverständlicher sein als bisher.

Wann kommt Apple Pay nach Deutschland?

Apple hat noch keinerlei konkrete Angaben zur Verfügbarkeit des Dienstes außerhalb der USA gemacht.

Kann man als Deutscher im Urlaub oder auf Geschäftsreise in USA Apple Pay nutzen?

Selbst wenn man im iPhone alles auf USA und Englisch umstellt (in der deutschen Passbook-App in iOS 8.1 kann man keine Kreditkarten eingeben) - unwahrscheinlich, weil man derzeit a) eine US-amerikanische Kreditkarte braucht und diese b) auch noch vom ausgebenden Institut autorisiert werden muss.

Werden deutsche Geldinstitute bei Apple Pay mitmachen?

Davon kann zum jetzigen Zeitpunkt ausgehen. Der Deutsche Sparkassen und Giro-Verband (DSGV) zum Beispiel hat bereits ausdrücklich Interesse bekundet.