Web

 

Alle Informationen zum neuen ePass 2.0

11.10.2007
Zeigt her eure Hände: Der neue ePass erhält einen Chip für Fingerabdrücke. Angeblich überlebt dieser sogar einen Durchlauf in der Waschmaschine.

Seit knapp zwei Jahren gibt es den biometrischen Reisepass in Deutschland. Rund 4,3 Millionen der sogenannten ePässe mit einem digitalen Passfoto des Inhabers sind nach Angaben der Bundesdruckerei in Berlin bis jetzt ausgestellt worden. Vom 1. November an wird nun der "ePass" der zweiten Generation ausgegeben: In ihm werden zusätzlich zwei Fingerabdrücke im Chip gespeichert. Mit der neuen Technologie sollen Reisedokumente sicherer werden. Das Beantragen eines ePasses ist im Vergleich zu einem Ausweis ohne biometrische Daten aber auch aufwendiger – und gegebenenfalls teurer.

"Durch die Technik der Biometrie werden Reisepässe besonders fälschungssicher", sagt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. "Denn das Aussehen kann sich über die Jahre verändern - der Fingerabdruck bleibt ein eindeutiges Erkennungsmerkmal." Außerdem werde der Reisepass mit zusätzlichen Merkmalen besser vor dem Missbrauch durch Fremde geschützt: Denn Ausweise könnten gestohlen werden - der Fingerabdruck aber bleibe untrennbar mit der Person verbunden, erläutert Prof. Dieter Kempf vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berlin. Man könne ihn zum Beispiel auch nicht vergessen wie ein Passwort.

"Bei den neuen Reisepässen werden zwei Abdrücke gespeichert: die des rechten und des linken Zeigefingers", sagt eine Sprecherin des Innenministeriums in Berlin. Dafür würden bei der Beantragung mittlerweile aber Scanner benutzt und nicht etwa Stempelkissen: "Man bekommt also keine fleckigen Finger mehr." Allein wegen des Umstellungstermins müssen sich Bürger aber keinen neuen Ausweis besorgen. Denn sie betrifft nur diejenigen, deren Reisepass jetzt ausläuft und die deshalb einen neuen brauchen - alte Pässe bleiben laut Innenministerium weiter gültig. Übergangweise wird es also alte und neue Pässe nebeneinander geben. In Gebrauch bleiben auch die seit November 2005 ausgestellten Pässe, die nur das digitale Foto im Chip enthalten, aber noch keine Fingerabdrücke: "Die werden jetzt nicht zusätzlich mit Fingerabdrücken versehen."

Wer noch keinen ePass hat - ob den der ersten oder der zweiten Generation -, muss sich bei der nächsten Antragstellung auf einige Neuerungen einstellen. So hat das Mehr an Sicherheit auch seinen Preis: Denn für den neuen Ausweis müssen Bundesbürger im Vergleich zu seinem Vorgänger ohne biometrische Merkmale tiefer in die Tasche greifen. Das ist schon seit 2005 so: Denn der ePass kostet üblicherweise 59 Euro und ist zehn Jahre gültig. Bis zum Ende des 26. Lebensjahres zahlen Antragsteller 37,50 Euro und müssen ihn nach fünf Jahren erneuern.

Wer viel reist, kann einen ePass mit 48 statt der üblichen 32 Seiten erhalten. Dann ist eine zusätzliche Gebühr von 22 Euro zu entrichten. Eine Preisanhebung im Vergleich zur ersten Generation wird es zum 1. November für die zweite Serie laut Innenministerium aber nicht geben. Besonders teuer wird es dagegen, wenn Reisende kurzfristig schnell vor dem Urlaub einen Reisepass beantragen wollen: Wer nicht mehrere Wochen auf seine neuen Papiere warten kann, bekommt gegen einen Aufschlag von 32 Euro innerhalb von zwei bis drei Werktagen eine "Express"-Version des ePasses. Das Dokument kostet dann 91 Euro, für Antragsteller unter 26 Jahren 69,50 Euro.

Wer rechtzeitig seinen Urlaub plant, muss aber nicht die Schnelllösung nutzen. Denn länger als bislang werde die Auslieferung des Passes durch die technische Aufrüstung grundsätzlich nicht dauern, sagt Iris Köpke von der Bundesdruckerei in Berlin. Zusatzkosten lassen sich also vermeiden, wenn die neuen Reisedokumente frühzeitig bestellt werden. Die Bearbeitungsdauer hänge von den jeweiligen Ämtern ab.

Eltern müssen sich mit der Einführung der zweiten Generation des ePasses umstellen. So können Kinder jetzt nicht mehr in den Pässen der Eltern eingetragen werden, erklärt die Sprecherin des Innenministeriums. Für Kinder unter zwölf Jahren kann aber auf Wunsch ein eigener biometrischer Reispass ausgestellt werden. Bei Reisen in die USA benötigen Eltern zudem ein Visum für ihr Kind, wenn der Kinderpass nach dem 26. Oktober 2006 ausgestellt wurde und keinen Chip besitzt.

Um die Sicherheit ihrer elektronisch gespeicherten Passdaten müssen sich Bürger dem BSI zufolge keine Sorgen machen. "Gegen ein unbemerktes Auslesen etwa des Fotos oder der Fingerabdrücke sind die Chips im Pass geschützt", sagt Matthias Gärtner. Dazu dienten eine spezielle Zugriffskontrolle und eine Verschlüsselung der Verbindung beim Lesegerät an der Grenzkontrolle. Die Fingerabdrücke würden zudem nur im Chip des Reisepasses gespeichert, nicht etwa bei den Meldeämtern. Auch müssten Bürger den Pass durch die technische Neuerung nicht pfleglicher als bislang behandeln, sagt Iris Köpke: "Der Chip im Passdeckel hält sogar ein Mitwaschen in der Waschmaschine aus." Außerdem bleibe das Dokument auch dann weiter gültig, wenn der Chip nicht mehr funktionieren sollte.

Wichtig für Antragsteller ist, dass beim Passfoto das Motto "Bitte lächeln!" inzwischen nicht mehr gilt. Auch heißt es beim Fotografen nicht mehr im Halbprofil, sondern frontal in die Kamera zu schauen. Wer sich dabei unsicher ist, findet im Internet eine Vorlage der Bundesdruckerei für Passfotos. Diese sollten Bürger am besten mit zum Automaten nehmen - sonst kann es passieren, dass sie auf dem Amt mehrmals in die Kabine geschickt werden. (dpa/ajf)