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Alladvantage.com: Die dümmste Dotcom des Universums?

15.06.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit unverhohlener Schadenfreude berichtet die US-Publikation "Fortune.com" über das in die finanzielle Schieflage geratene Internet-Unternehmen Alladvantage.com, das mit der Idee, Mitglieder für das Surfen im Web zu bezahlen, Geld machen wollte. In der anfänglichen Online-Euphorie waren die Unternehmensgründer noch davon ausgegangen, dass allein die Steigerung ihrer Mitgliederzahl auf wundersame Weise auch Geld in die Firmenkassen spülen würde. Umsatz wollte Alladvantage.com mit Werbung machen, die genau auf das Surfverhalten seiner Teilnehmer zugeschnitten war.

Es handele sich hierbei um die "dümmste Dotcom" überhaupt, die sich quasi selbst ausgetrickst habe, spottet die US-Zeitschrift. Nach dem Herunterladen des Alladvantage.com-Überwachungssystems erhalten die Anwender für jede im Internet gesurfte Stunde ein Honorar von 50 Cent; für jedes neu geworbene Mitglieder werden weitere zehn Cent pro Stunde gezahlt. Das Startup hatte die Rechnung ohne die Gier der Benutzer gemacht: Statt der erwarteten 30 000 Bewerber meldeten sich Millionen von Interessenten. Acht Monate nach dem Start zählte Alladvantage.com bereits zwei Millionen aktive Mitglieder, die das Unternehmen durchschnittlich jeweils 6,49 Dollar im Monat kosten. Im ersten Geschäftsquartal lagen allein die Mitgliederkosten über 40 Millionen Dollar - bei einem Umsatz von lediglich zehn Millionen Dollar. Der größte Teil des Startkapitals von 135 Millionen Dollar ist bereits dahin (allein 66 Millionen wurden im ersten Quartal verpulvert). Der für Februar

geplante Börsengang, der die Company für kurze Zeit sanieren sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Ärgern dürfte sich vor allem der Hauptinvestor Softbank Capital Partners, der 70 Millionen Dollar in Alladvantage.com gesteckt hat.