CeBIT

Alcatel-Lucent will vom Webciety-Trend profitieren

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent in Deutschland, setzt auf das Konjunkturprogramm der Bundesregierung zum Breitbandausbau - und auf LTE.
Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent in Deutschland.
Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent in Deutschland.

Wenn ausgerechnet der angeschlagene Netzausrüster Alcatel-Lucent inmitten der Wirtschaftskrise von Hochkonjunktur spricht, ist klar, dass es sich dabei um einen ganz bestimmten Kontext handeln muss. Tatsächlich bezieht sich Deutschland-Chef Wulf während der CeBIT-Pressekonferenz auf den Umstand, dass noch nie so viel kommuniziert wurde wie heute: Allein in Deutschland ist der Breitband-Internet-Verkehr 2008 gegenüber dem Vorjahr um rund 33 Prozent auf geschätzte 2,4 Milliarden Gigabyte angestiegen. Verantwortlich seien dafür in erster Linie Privatnutzer, die die Netze mit "User generated content", also Fotos und insbesondere Videos füllten.

Obwohl also viel im Netz los sei, hätten die Carrier davon nur wenig, erklärte der Deutschland-Chef von Alcatel-Lucent: Nach Einschätzung der Experten von Dialog Consult sei der Gesamtumsatz der TK-Dienste in Deutschland in 2008 mit 60,6 Milliarden Euro um rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Da das Internet nicht beliebig skalierbar sei, müssten Kunden Qualitätsmängel und lange Wartezeiten in Kauf nehmen oder für mehr Bandbreite, Verlässlichkeit, Sicherheit und Qualität zahlen, skizziert Wulf das nicht ganz neue Modell der Zwei-Klassengesellschaft im Web. Die dafür benötigte Technik sei bereits vorhanden und werde von Alcatel-Lucent etwa bei IPTV eingesetzt, wo eine Verlässlichkeit von 99,9 Prozent erforderlich ist.

LTE bevorzugt

LTE-Testfahrzeug von T-Mobile in Bonn.
LTE-Testfahrzeug von T-Mobile in Bonn.
Foto: Telekom AG

Auf der mobilen Seite hat sich der Netzausrüster vom Breitbandausbau via Wimax verabschiedet und setzt nun auf die von Carriern bevorzugte 4-G-Technik Long Term Evolution (LTE). Um sicherzustellen, dass alle Komponenten vor der Auslieferung beim Kunden zusammenspielen, baut Alcatel-Lucent derzeit in Stuttgart ein Ende-zu-Ende-Testzentrum für LTE auf. Anders als in den USA, wo Alcatel Lucent zusammen mit Ericsson einen Großauftrag für ein 4G-Netz von Verizon Wireless an Land zog, konnte Wulf allerdings einen konkreten Mobilfunkpartner in Deutschland nicht nennen. Auf der CeBIT präsentiert Alcatel-Lucent die mobile Breitbandtechnik allein am eigenen Stand, während Ericsson LTE bei Vodafone vorführt und Nortel zusammen mit T-Mobile ein Testnetz betreibt.