"The Shift Plan"

Alcatel-Lucent will mit Befreiungsschlag Krise bewältigen

19.06.2013
Der angeschlagene Netzausrüster Alcatel-Lucent will sich mit einem erneuten Kraftakt aus der Krise befreien.
Michel Combes will Alcatel-Lucent restrukturieren und wieder auf Kurs bringen.
Michel Combes will Alcatel-Lucent restrukturieren und wieder auf Kurs bringen.
Foto: Alcatel-Lucent

Der seit April amtierende neue Chef Michel Combes plant, für rund eine Milliarde Euro Unternehmensteile zu verkaufen und die Kosten ebenfalls um eine Milliarde Euro zu senken, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Künftig soll der Schwerpunkt des Geschäfts zudem auf dem schnellen Breitband-Internet liegen. "Wir wollen unsere Ausgaben für alte Technologien senken, um die Entwicklung neuer Technologien zu befeuern," sagte Combes. Damit seien im Mobilfunk die LTE-Technik und die Glasfaser im Festnetz gemeint. Alcatel-Lucent steht unter hohem Wettbewerbsdruck und schreibt tiefrote Zahlen.

Was Alcatel-Lucent nun genau verkaufen will, blieb allerdings im Dunkeln. Combes sagte jedoch, dass die betreffenden Bereiche bereits ausgemacht worden seien. Am Markt kamen seine Pläne vorerst gut an: Die Aktien legten an der Pariser Börse um mehr als fünf Prozent zu.

Auch in der Führungsspitze wird umgebaut: Finanzchef Paul Tufano verliert seinen Job. Philippe Guillemot, ehemals beim Reifenhersteller Michelin sowie beim Autozulieferer Valeo, kommt neu an Bord und soll den Umbau mit organisieren.

Amtsvorgänger Ben Verwaayen hatte das Ruder nicht herumreißen können.
Amtsvorgänger Ben Verwaayen hatte das Ruder nicht herumreißen können.
Foto: Alcatel-Lucent

2015 soll das Unternehmen nach den Plänen dann besser dastehen als zuletzt, versprach Combes. Dann will der Konzern die Schulden um zwei Milliarden Euro herunterfahren, unter anderem auch durch Aktienverkäufe. 85 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben sollen ab 2015 in neue Technologien fließen.

Zum Beginn dieses Jahres hatten die Franzosen erneut tief in den roten Zahlen gesteckt, das Minus betrug unterm Strich 353 Millionen Euro, auch operativ fehlten 202 Millionen. Seit geraumer Zeit hält sich das Unternehmen mit Verkäufen über Wasser, auch tiefgreifende Stellenstreichungen des Ex-Chefs Ben Verwaayen brachten keine Wende zum Besseren. Verwaayen war nach einem Milliardenverlust aus dem Vorjahr im Februar nach fünf Jahren entnervt zurückgetreten. Kurzfristige Liquiditätsschwierigkeiten gebe es bei Alcatel aber keine, versicherte nun sein Nachfolger Combes.

Alcatel steht wie andere europäische Netzausrüster - etwa Ericsson und Nokia Siemens Networks - unter heftigem Wettbewerbsdruck vor allem von chinesischen Herstellern. Firmen wie ZTE und Huawei gewinnen mit Niedrigpreisen Marktanteile. Aus der Europäischen Union mussten sich die Chinesen deswegen bereits Dumpingvorwürfe anhören, in den USA gelten sie teilweise gar als Sicherheitsrisiko. (dpa/tc)