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Alcatel-Lucent-Chefin Russo soll Notfallplan vorlegen

28.09.2007
Der Aufsichtsrat des TK-Ausrüsters Alcatel-Lucent verlangt von CEO Patricia Russo bis Ende Oktober einen Notfallplan zur Restrukturierung des Konzerns. Bis dahin soll sie auch deutlich machen, wie Alcatel-Lucent seine Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten fokussieren möchte.

Unter verschärfter Beobachtung steht Alcatel-Lucent-Chefin Patricia Russo, wenn man der französischen Zeitung "Les Echo" glauben darf. Sie ist nicht nur aufgefordert, dem Konzern schnellstens eine klare Strategie zu geben, Russo soll auch Vorschläge zur Organisationstruktur machen. In der Kritik steht vor allem der zu große Führungskreis: Russo war es nicht gelungen, nach dem Merger von Alcatel und Lucent hier die nötigen Streichungen vorzunehmen (siehe auch: Alcatel-Lucent erwägt stärkeren Stellenabbau).

Wie die britische "Financial Times" berichtet, glaubt der Aufsichtsrat, dass der Wasserkopf an der Spitze zu einer Verschleppung wichtiger Entscheidungen geführt habe. Alcatel-Lucent hatte innerhalb von zehn Monaten drei Gewinnwarnungen herausgegeben. Mit Berufung auf einen Insider berichtet die Financial Times, die Position Russos stehe trotz allem nicht in Frage, und auch an der Richtigkeit der Entscheidung, die beiden Konzerne zusammenzuführen, gebe es keinen Zweifel.

Auf der CeBIT hielt sie noch gut gelaunt die Eröffnungsrede. Jetzt steht sie unter Druck: Patricia Russo.
Auf der CeBIT hielt sie noch gut gelaunt die Eröffnungsrede. Jetzt steht sie unter Druck: Patricia Russo.

Es soll sich eher um eine "dringliche Bitte um Information" als um ein Ultimatum gehandelt haben, heißt es. Der Aufsichtsrat sei besorgt, dass Russo wichtige neue Management-Schritte vornehmen könnte, bevor die Restrukturierung abgeschlossen sei. Laut Les Echo waren Rusoo und ihr Financhef Jean-Pascal Beaufret gebeten worden, die Aufsichtsratssitzung zu verlassen, als die aktuelle Lage diskutiert wurde. Obwohl die Position der Chefin angeblich sicher ist, erhöht sich doch der Druck auf die Amerikanerin. Einige Aufsichtsräte sollen kritisiert haben, dass Russo nicht wisse, wie sie die großen Probleme des Konzerns angehen könne.

Auch Serge Tchuruk, ehemaliger Alcatel-Boss und heute als "Non-Executive Chairman" aktiv, könnte unter Druck geraten, falls Russo keinen überzeugenden Sanierungsplan vorlegen kann. Er gilt als Treiber der Fusion, die letztendlich zu einem erheblichen Wertverlust bei Alcatel geführt hat.

Alcatel-Lucents Probleme liegen unter anderem in der Schwäche im US-Markt sowie in den Integrationsproblemen begründet. Dem Management wird intern vorgeworfen, nicht schnell genug die nötigen "harten" Entscheidungen gefällt zu haben – das gelte vor allem für Kostensenkung und Entlassungen auf der Führungsebene und im sonstigen Personal. (hv)