Hamburger IT-Strategietage

Akzo Nobel: Bring-your-own-Desaster vermeiden

Christoph Lixenfeld ist freier Autor in Hamburg.
Mobility-Plattformen und Cloud-Lösungen sind eine feine Sache, findet CIO Pieter Schoehuijs. Aber nur, wenn die IT-Strukturen dahinter optimiert sind.

„Wer in seinem Unternehmen Mobility-Lösungen einführen will, sollte sich als erstes klarmachen, dass er längst damit angefangen hat. Gewollt oder ungewollt.“ Pieter Schoehuijs meint BYOD, den Trend, dass Mitarbeiter die unterschiedlichsten Gadgets mitbringen und auch im Unternehmen einsetzen wollen.

Akzo Nobel CIO Pieter Schoehuijs sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Akzo Nobel CIO Pieter Schoehuijs sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Foto: Foto Vogt

„Diesen Prozess muss man systematisch steuern, damit aus Bring your own device nicht Bring-your-own-Desaster wird“, findet Schoehuijs, wobei er dem Thema Mobility und Cloud grundsätzlich positiv gegenübersteht. Allerdings: Bevor er sich der Sache intensiv zuwenden konnte, musste er in einer extrem zerklüfteten IT-Landschaft aufräumen.

Akzo Nobel ist ein traditionsreicher Farben-, Lack- und Spezialchemiehersteller mit 57.000 Mitarbeitern in 80 Ländern und einem Umsatz von 15,7 Milliarden Euro. Als Schoehuijs hier 2009 seinen Job antrat, betrieb das Unternehmen 84 verschiedene ERP-Systeme auf mehr als 3000 Servern, 970 IT-Mitarbeiter in 44 Ländern kümmerten sich um Erhalt und Weiterentwicklung der Systeme. Entstanden war diese unübersichtliche Landschaft deshalb, weil Akzo Nobel jahrelang auch durch viele Zukäufe gewachsen war.

Mobility? Gab es natürlich längst, mehr als 10.000 Devices waren Unternehmensweit im Einsatz. Doch deren Nutzung war weder systematisch geplant und kontrolliert, um potenzielle Gefahren zu mindern. CIO Schoehuijs war fest entschlossen, das enorme Potenzial von Mobility- oder Cloud-Lösungen für Akzo Nobel zu erschließen und zugleich die Risiken in den Griff zu bekommen.

Notwendig war dazu als erstes, die riesige Anwendungslandschaft zu vereinheitlichen und die IT-Strategie neu auszurichten. Dabei galt es, vier Schlachten zu gewinnen: Erstens sollten Shared Service-Center gegründet werden, zweitens die gesamte IT-Struktur massiv vereinfacht werden und drittens führte der CIO ein integriertes IT-Management ein. Viertens schließlich lautete das Ziel, die gesamte IT an den Business Prozessen auszurichten.

Ziel: Jedes Device überall einsetzbar

Mit diesem umfänglichen Transformationsprozess war die Landschaft quasi 'Mobility Ready'. Peter Schoehuijs wollte erreichen, dass jedes Device überall eingesetzt werden konnte. Für realisierbar hielt er dies aber nur dann, wenn ein Unternehmen mit abgestuften Berechtigungen für die Geräte arbeitet, gegliedert in vier Stufen von 'sehr vertrauenswürdig' bis 'nicht vertrauenswürdig'.

Diese Berechtigungen, hinter denen eine variable Architektur steckt, werden vierteljährlich aktualisiert. „Hier keine systematischen Kontrollmechanismen und Policies zu haben, kann gefährlich sein“, sagt Schoehuijs. Und: „Jede Mobility- und Cloud-Lösung erfordert eine gewisse Reife der Strukturen dahinter. Das macht viel Arbeit.“

Für Pieter Schoehuijs ergeben sich aus seinen Erfahrungen der vergangenen Jahre vier Anregungen für andere:

  1. Fange mit der Mobility Strategie vorsichtig an und gehe selektiv vor.

  2. Nimm die Mitarbeiter konsequent mit und kommuniziere die Erwartungen ganz klar.

  3. Mach Dir klar, dass du längst angefangen hast mit dem Thema Mobility. Weil die vielen Devices ja in jedem Unternehmen längst vorhanden sind.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CIO.de. (mhr)

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