Desktop-Virtualisierung

Aktuelle VDI-Lösungen von Microsoft, VMware und Citrix im Vergleich

Andrej Radonic ist Experte für Virtualisierung, Cloud-Technologien und Open Source Anwendungen. Der Fachbuchautor ist Vorstand der interSales AG und entwickelt für mittelständische Unternehmen anspruchsvolle E-Commerce Lösungen.
Nach wie vor werden virtualisierte Desktops als lohnende Alternative zum PC gehandelt. Doch was leisten die Virtual-Desktop-Infrastructure-Lösungen (VDI) der führenden Anbieter Citrix XenDesktop 7, Microsoft VDI und VMware Horizon View 5.3 in der Praxis?

Auf dem Papier liegt der Nutzen von Desktop-Virtualisierung klar auf der Hand: Im Vergleich zu Fat-Client-PCs vereinfacht der zentralisierte Betrieb virtualisierter Desktops das Management, erhöht die Sicherheit sowie die Verfügbarkeit der Systeme und spart Kosten bei Betrieb, Hardware und Energieverbrauch. Zudem verbessert sich die Flexibilität der gesamten IT, indem neue Desktops in Sekundenschnelle bereitgestellt werden können, beispielsweise für neue Mitarbeiter oder für kurzfristige spezielle Aufgaben.

Uneinheitliches Bild

Bislang ist die Entwicklung jedoch hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Denn in der Unternehmenspraxis waren die Hürden anfänglich hoch: Server-hosted VDI erzeugt entgegen ursprünglicher Erwartungen zum Teil höhere Kosten als traditionelle PC-Umgebungen, ist schwierig zu implementieren, die gesamte Infrastruktur ist komplex zu managen und bietet nicht immer die gewünschte Benutzererfahrung, zum Beispiel für Offline-User.

Die technologischen Entwicklungen der zurückliegenden zwei bis drei Jahre jedoch machen den VDI-Ansatz in vielerlei Hinsicht zunehmend attraktiver: Durch neue Storage-Techniken wird der Speicherplatz günstiger, die Server als tragende Säulen werden billiger und leistungsfähiger, das Management der komplexen Umgebung gestaltet sich umfassender und einfacher. Neue Hypervisor-Technologien liefern GPU-Unterstützung bis in den virtuellen Desktop und ermöglichen so ein dem lokalen PC gleichwertiges Benutzererlebnis. Zusätzlich erhöht der zunehmende Einsatz mobiler Endgeräte den Druck auf die Einführung virtueller Desktop-Infrastrukturen und ihre technologische Weiterentwicklung. Auch der neue Trend zu Cloud-hosted Desktops - DaaS (Desktop-as-a-Service) - facht das Interesse an VDI neu an.

Die Großen dominieren

Zahlreiche Lösungen bevölkern inzwischen den wachsenden Markt der Server Hosted Desktop Virtualization (SHDV). Neben etablierten Großanbietern existieren interessante Nischenanbieter wie Mokafive, Pano Logic oder VDI-in-a-box, die sich mit kompakten Lösungspaketen eher an den KMU-Markt richten.

Das gesamte Spektrum der Anforderungen vermögen jedoch nur einige wenige große Anbieter abzudecken. Microsoft (Microsoft VDI/RDS), VMware (Horizon View) und Citrix (XenDesktop) ringen hier um die Marktführerschaft, mit jeweils völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Microsoft liefert VDI-Basisfunktionen über die RDS in Windows Server 2012 R2. Citrix als Pionier im Segment der Desktop Delivery hat hier traditionell die Nase vorn, wird jedoch in dieser Rolle von VMware attackiert: Das Unternehmen beherrscht den Markt der Servervirtualisierung und will sich nun auch auf dem Gebiet der virtuellen Desktops etablieren.

Drei Anbieter, drei Philosophien

Seit Beginn des VDI-Hypes hatte es den Anschein, als seien die Tage für Terminal-Server und darauf aufbauende Zusatzprodukte gezählt. Während aber die Desktop-Virtualisierung langsamer vorankommt als von ihren Fürsprechern erwartet, behaupten sich die Terminaldienste weiterhin als bewährte und kostengünstige Form der Bereitstellung von Anwendungen.

Glaubt man Herstellern wie Citrix, dann ist die Wahl zwischen VDI und Terminal-Sessions keinneEntweder-oder-Entscheidung. Beide Formen der Bereitstellung von Applikationen haben demnach ihre Berechtigung, weshalb XenDesktop 7 neben virtuellen Desktops ebenso die bisherigen Funktionen von XenApp bietet, und auch Microsoft beschreitet den Weg, Terminalservices und VDI in einer einheitlichen Infrastruktur zu unterstützen.