Hauptversammlung

Aktionäre strafen SAP-Spitze ab

19.05.2009
Der als stimmungsvoller Abschied geplante letzte Auftritt von SAP-Chef Henning Kagermann vor den Aktionären des Softwarehauses fiel gründlich ins Wasser.
Die Anleger sparten auf der SAP-Hauptversammlung nicht mit Kritik.
Die Anleger sparten auf der SAP-Hauptversammlung nicht mit Kritik.

Launige Dankesworte und viel Applaus sollte es heute auf der SAP-Hauptversammlung geben. Stattdessen prasselte deftige Kritik auf das Management des Softwareriesen. Zu tief saß der Frust vieler Anteilseigner über die vielen Negativschlagzeilen der vergangenen Monate: Gewinneinbrüche, ein millionenschweres Sparprogramme, der erste Stellenabbau in der Unternehmensgeschichte sowie dauerhafte Probleme bei der neuen Mittelstandssoftware waren vom Management des erfolgsverwöhnten DAX-Konzerns verkündet worden.

"Sind die Helden müde geworden?", fragte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und kritisierte die schwache Entwicklung des Aktienkurses sowie das mangelhafte organische Wachstum des Walldorfer Softwareriesen. Der Sprecher des Vereins der SAP-Belegschaftsaktionäre, Bernhard Koller, warf dem Vorstand einen großen Imageschaden durch die Querelen um die neue Mittelstandssoftware vor und sprach von einem schlechten Klima in der Belegschaft.

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Heftige Kritik kam auch wegen der nach Einschätzung von Aktionären mangelhaften Integration des Softwarehauses Business Objects, das SAP als größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte für knapp fünf Milliarden Euro gekauft hat. Ein weiterer Aktionärsschützer forderte den Vorstand auf, Verantwortung für die Talfahrt zu übernehmen und wegen des rückläufigen Geschäfts auf zehn Prozent seiner Bezüge zu verzichten.

Léo Apotheker und Henning Kagermann - noch für ein paar Tage die SAP-Doppelspitze
Léo Apotheker und Henning Kagermann - noch für ein paar Tage die SAP-Doppelspitze

Auch wenn das Aktionärstreffen in Mannheim nicht der Tag des scheidenden Top-Managers Kagermann wurde, so ist der Name des habilitierten Physikers doch eng mit der neuen Zeitrechnung bei SAP verbunden. Kurz nach der Entscheidung im Frühjahr 2008, den Vertrag des heute 61-Jährigen nicht mehr zu verlängern und ihm Léo Apotheker für eine Übergangszeit als gleichberechtigten Vorsitzenden an die Seite zu stellen, begannen die schlechten Nachrichten aus der Walldorfer Kommandozentrale.

Das Geschäft des Weltmarktführers für Unternehmenssoftware ging zwar erst im Herbst 2008 langsam in die Knie. Strategische und Managementfehler führten jedoch dazu, dass ein entscheidendes Zukunftsprojekt vorschnell auf den Markt geschossen wurde: Da der Softwaregroßkundenmarkt weltweit nahezu verteilt ist, wollte SAP im Mittelstandsgeschäft massiv angreifen und gab vollmundig das Ziel aus, bis 2010 in dem Geschäftsbereich einen Umsatz von einer Milliarde Euro einzufahren und 10.000 Kunden zu gewinnen.

Kleinlaut wurde dann im ersten Quartal 2008 eingeräumt, dass das 400-Millionen-Euro-Projekt nicht läuft und der Start um zwölf bis 18 Monate nach hinten rückt. Apotheker hat mittlerweile zugegeben, dass er in seiner Funktion als Vertriebschef zu massiv und auch falsch auf die schnelle Einführung gedrängt hat. Trotz gegenteiliger Beteuerungen von ihm auf der Hauptversammlung halten sich hartnäckig Gerüchte, das Projekt "Business ByDesign" stehe endgültig vor dem Aus. Als weiterer negativer Höhepunkt der vergangenen Monate kommt der Abbau von 3000 Stellen, den der DAX-Konzern das erste Mal in der Unternehmensgeschichte für dieses Jahr verhängt hat.

Nachdenklich: Henning Kagermann
Nachdenklich: Henning Kagermann

Obwohl der Ende Mai aus dem Amt scheidende Kagermann keineswegs als charismatischer Leader an der SAP-Spitze galt, wird Apotheker als alleiniger neuer Vorsitzender mit seinem langen Schatten zu kämpfen haben. Kagermann wurde zwar oft als spröde, kontrolliert und detailverliebt bezeichnet - in seiner sechsjährigen Amtszeit legte SAP jedoch überwiegend glänzende Zahlen vor.

Apotheker, dem hinter vorgehaltener Hand im Unternehmen ein autoritärer und zuweilen cholerischer Charakter vorgehalten wird, muss aber nicht nur die Kunden und die eigenen Mitarbeiter von seinem Führungsstil überzeugen. Auch die SAP-Gründerväter Dietmar Hopp und Klaus Tschira haben sich schon kritisch geäußert. Der langjährige Vorstands- sowie Aufsichtsratschef Hopp mahnte mehr Optimismus aus dem Vorstand in der Krise an. Tschira zweifelte indirekt die strategischen Fähigkeiten von Apotheker bei der Entwicklung neuer Produkte an. (dpa/tc)