Web

 

Aktienoptionen kommen Google teuer zu stehen

19.01.2006
Analysten schätzen, dass die Kosten für die Mitarbeiterpflege, die auf den Suchmaschinenbetreiber in den nächsten Jahren zukommen, schon auf etwa 600 Millionen Dollar aufgelaufen sind.

Während Suchmaschinenanbieter Google nach wie vor weltweit die Fantasien der Börsianer beflügelt, heben einige Analysten warnend die Hand und weisen auf die Schattenseiten der Bilanz hin. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" haben die Google-Verantwortlichen im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres rund eine halbe Million Aktienoptionen an ihre Mitarbeiter ausgegeben. Experten gehen davon aus, dass sich diese Zahl für das Gesamtjahr auf bis zu eine Million erhöhen wird.

Schießt der Kurs des Börsenlieblings weiter so rasant in die Höhe und lösen die Google-Mitarbeiter ihre Optionen ein, könnte dies in den kommenden Jahren den Gewinn der Internet-Company belasten. Bei einem Kurs von derzeit etwa 450 Dollar je Papier bedeuten die eine Millionen Optionen theoretisch eine Gewinn-Hypothek von 450 Millionen Dollar. Zusammen mit weiteren Mitarbeiterprogrammen schätzen Experten die drohende Belastung in den kommenden Jahren auf rund 600 Millionen Dollar.

Solange Google sein Wachstumstempo beibehält, müsse man sich jedoch keine Sorgen machen, dämpft Robert Willens von Lehman Brothers die Bedenken. Schließlich seien Optionen kein unübliches Mittel, um die eigenen Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Allerdings müssten Investoren diesen Posten im Auge behalten.

Die Prognosen, was die weitere Entwicklung der Google-Aktie anbelangt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sollte das bisherige Tempo mit einem Kursanstieg von etwa zehn Prozent im Monat anhalten, würde der Kurs in einem Jahr bei zirka 1300 Dollar je Papier liegen, berichtet Arnie Berman von S.G. Cowen. Damit würde der Suchmaschinenbetreiber Exxon Mobil als am höchsten bewertetes Unternehmen der Welt überflügeln. Andere Marktbeobachter sprechen sogar schon von einem Aktienkurs jenseits der 2000-Dollar-Grenze.

Dagegen warnt Börsenexperte Henry Blodget davor, das Google-Papier könnte auf 100 Dollar abstürzen. Laut seinem Szenario könnte eine Sättigung im Werbemarkt für Suchmaschinen eintreten oder die Anzeigenpreise liefen Gefahr, angesichts des zunehmenden Wettbewerbs unter Druck zu geraten. Der Internet-Kenner hatte vor dem Platzen der Dotcom-Blase für Aufsehen gesorgt, als er den Absturz des damaligen Börsenstars Amazon prophezeite.

Erste kleinere Beben im Google-Umfeld sind bereits spürbar. So haben die Investment-Banker von Stifel Nikolaus angesichts der zuletzt enttäuschenden Quartalszahlen von Yahoo ihre Bewertung Googles von "Halten" auf "Verkaufen" herabgestuft (siehe auch: Yahoo-Aktie bricht ein). Unter den Investoren würde sich nunmehr wieder Ernüchterung breit machen. Sie hinterfragten verstärkt die Werthaltigkeit der Geschäftsaktivitäten der Internet-Überflieger. (ba)