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Aktienoptionen: Intel-Chef fordert CEOs zum zivilen Ungehorsam auf

24.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Streit um die Ausweisung der Kosten von Aktienoptionsprogrammen in den Bilanzen ist Intel-CEO Craig Barrett nun in die Offensive gegangen: In einem Reuters-Interview erklärte der Topmanager, als Reaktion auf die Forderung des Financial Accounting Standards Board (FASB) sollten sich CEOs weigern, die Richtigkeit von Geschäftsberichten zu beeiden. Bei der Berechnung der entsprechenden Aufwendungen mit dem üblicherweise herangezogenen Black-Scholes-Modell würden diese verzerrt, argumentierte Barrett. Im Endeffekt führe dies zwangsläufig zu fehlerhaften Bilanzen. Wenn Firmenchefs diese nun unterzeichen, so der Inter-Chef, würden sie gegen den Sarbanes-Oxley-Act verstoßen.

Sollte das FASB die Ausweisung der Kosten von Aktienoptionsprogrammen vorschreiben, stünden die CEOs vor einer problematischen Alternative, folgerte Barrett in einer Kolumne im "Wall Street Journal": Entweder sie gehen mit dem Sarbanes-Oxley-Act konform und leisten einen Eid darauf, dass die eindeutig mit Fehlern behafteten Zahlen korrekt seien. Oder aber, sie folgten dem eigentlichen Sinn des Gesetzes, das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen, und verweigerten ihre Unterschrift.

Die Frage, ob er sich bei Inkrafttreten einer entsprechenden Vorschrift an seinen Vorschlag halten werde, wies Barrett als zu spekulativ ab. Er erklärte jedoch, dass er die Idee bereits mit anderen Technologiefirmen diskutiert habe und versprach, auch weiterhin Lobby-Arbeit gegen die Verbuchung der Kosten von Optionsprogrammen zu betreiben. (mb)