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CDN-Start-up aus Israel

Akamai und Juniper wetteifern um Cotendo

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Akamai und Juniper Networks liefern sich dem Vernehmen nach gerade einen Bieterwettstreit um das israelische Start-up Cotendo.

Im Raum steht einer Meldung von "All Things Digital" zufolge ein Kaufpreis von bis zu 350 Millionen Dollar - das wäre, wie die israelische Zeitung "Globe" schreibt, einer der erfolgreichen Exits für ein Start-up in den letzten zehn Jahren. Die Hände reiben dürften sich dann auch verschiedene Wagniskapitalgeber aus den Staaten - Cotendo hatte 2009 zunächst sieben Millionen Dollar von Sequoia Capital und Benchmark Capital erhalten, im vergangenen Jahr stieß in einer weiteren Rund über zwölf Millionen Dollar dann auch noch Tenaya Capital hinzu. Im Juni dieses Jahres erhielt Cotendo dann auch noch eine strategische Finanzspritze von 17 Millionen Dollar von Juniper und Citrix Systems.

Cotendo betreibt ein sogenanntes Content Delivery Network (CDN), um über ein Netz aus weltweit verteilten Servern größere Datenmengen wie Multimedia geografisch möglichst nah am Nutzer vorzuhalten. Besonders spezialisiert haben sich die Israelis auf die Auslieferung an Mobiletelefone und Tablets. Dabei genießt Cotendo einen guten Ruf - es soll in einigen Punkten schneller sein als Akamai und billiger noch dazu.

Akamai hat in der Vergangenheit schon öfters interessante Wettbewerber geschluckt, so etwa Speedera Networks für 130 Millionen Dollar im Jahr 2005 nach einem Patent-Rechtsstreit zwischen beiden Firmen. Cotendo hatte Akamai im November vergangenen Jahres ebenfalls verklagt, was die Übernahmegerüchte noch zusätzlich anheizt.

Dem Analysten Brian Marshall von ISI gefällt allerdings die Idee einer Übernahme durch Juniper zusammen mit AT&T besser - der US-Telekomriese ist ein großer Kunden von sowohl Juniper als auch Cotendo. Juniper jedenfalls könnte sich den kolportierten Kaufpreis besser leisten. Es hatte zu Ende September Barreserven von rund 3,4 Milliarden Dollar; Akamai konnte zum gleichen Stichtag nur Cash und kurzfristige Anlagen von zusammen 688 Millionen Dollar vorweisen.