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Airlines setzen auf Webzugang an Bord

24.02.2006
Kaum gehen nach dem Start die Anschnallzeichen aus, leuchten an Bord vieler Lufthansa-Flüge die Laptops.

Rund 50 Flugzeuge hat die Lufthansa bereits mit dem Connexion-System des amerikanischen Herstellers Boeing ausgerüstet. Nach Angaben von Connexion-Sprecher Terrance Scott sind es weltweit rund 100 Jets bei derzeit neun Gesellschaften, Tendenz steigend.

Für Lufthansa zahlt sich jetzt aus, vor rund vier Jahren auf die Kooperation mit Boeing beim Breitband-Zugang gesetzt zu haben. Die Entwicklung der Connexion-Antennentechnik war zwar recht aufwändig. Dafür haben Passagiere die Möglichkeit, wie an einem Hotspot am Flughafen oder in der eigenen Firma zu surfen. Alternativkonzepte, die nur Mail oder SMS-Versand aus dem Flugzeug boten, sind inzwischen kaum noch gefragt.

"Der Kunde möchte eine simple Lösung", sagt Scott. "Er möchte nicht lange herumexperimentieren und an irgendwelchen Einstellungen verzweifeln." Das bestätigt auch Peter Tomasch, Sprecher von Singapore Airlines (SIA): "Der Zugang ist einfach, die Passagiere können das System so nutzen, wie sie es vom Hotspot am Boden gewöhnt sind." Die asiatische Airline bietet das Angebot zum Beispiel auf ihrer Verbindung von New York über Frankfurt nach Singapur. Bisher sind 16 Boeing 747-400 der SIA mit dem Connexion-System ausgerüstet.

In mehreren Studien hat Connexion Verhalten und Zukunftswünsche der Kunden analysiert. Nach Angaben von Scott nannten 89 Prozent der Befragten als Hauptgrund für den Webzugang beruflichen E-Mail-Verkehr. Zugang zu aktuellen Neuigkeiten ist 60 Prozent wichtig, gefolgt von Gründen wie Kontakt zu Freunden und Verwandten. Derzeit kostet nach Angaben von Connexion eine Stunde Webzugang über den Wolken 9,95 US-Dollar. Für 24 Stunden muss der Reisende 26,95 Dollar zahlen.

Nach Angaben von Reinhold Huber, Leiter Produkt und Service Management bei Lufthansa, sind derzeit zwei Drittel der Lufthansa-Langstreckenflotte mit Internetzugang ausgerüstet. "Das sind ungefähr 16.000 Sitzplätze - vor drei Jahren haben wir mit einem Flugzeug angefangen", sagt Huber. Neben Lufthansa und SIA bieten zum Beispiel auch deren Star-Alliance-Partner SAS, Asiana und ANA das neue System an.

Die Deutsche Bahn erprobt derzeit ein ähnliches System. Auf der Strecke Dortmund-Köln läuft ein Pilotprojekt für WLAN-Hotspots in ICE-Zügen. "Das findet sehr gute Akzeptanz", sagt Diana Scharl, Sprecherin von DB Systems. Außerdem sind immer mehr Bahnhöfe mit einem Hotspot ausgerüstet.

Im Gegensatz zum Flugzeug muss die Bahn mit den Tücken der Topografie kämpfen: Schnelle Strecken führen oft durch Tunnel oder tiefe Geländeeinschnitte. "Das ist technisch sehr anspruchsvoll", sagt Scharl. Bei dem Pilotprojekt zwischen Köln und Dortmund erfolgt die Internetanbindung über mehrere UMTS-Kanäle. Nach Angaben der Bahn werden aber auch alternative Anbindungen zum Beispiel per Satellit geprüft.

Lufthansa-Manager Huber sieht im Internetzugang nur einen Anfang. "Im Bereich Telemedizin, Flugplanung oder Bordunterhaltung liegen noch zahlreiche Potenziale", sagt er. So sind zum Beispiel Telefonate oder die Übertragung von Live-Fernsehprogrammen inzwischen schon technisch möglich.

Nach Angaben von Connexion-Sprecher Scott wünschen sich 61 Prozent der befragten Kunden für die Zukunft die Möglichkeit, per Handy aus dem Flugzeug zu telefonieren. Ebenso groß ist das Interesse an Telefonaten via Internet. Live-Fernsehen wünschen sich 40 Prozent der Befragten, eine bessere Filmauswahl sowie Informationen zum Zielort nennen 32 Prozent.

Die technische Seite ist aber nur ein Aspekt der multimedialen Vernetzung zwischen Himmel und Erde. Hinzu kommen neue Herausforderungen auf kultureller Ebene. Schließlich sind schallende Klingeltonorchester und lautstark telefonierende Passagiere kaum mit der Servicekultur bei Premium-Airlines vereinbar. "Das wird eine sehr spannende Entwicklung", sagt SIA-Sprecher Peter Tomasch. Denkbar sind zum Beispiel abgegrenzte Telefonierzonen oder eine zeitliche Regelung mit Telefoniermöglichkeit und Ruhepausen. "Wir werden das genau beobachten und dann eine passende Regelung entwickeln", kündigt Huber an. (dpa/tc)