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Agententechnik soll produktionsnahe Software verbinden

25.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Was auf dem Desktop selbstverständlich ist und im ERP-Bereich zur Regel wird, kommt in der Welt der produktionsnahen Softwaresysteme bislang so gut wie überhaupt nicht vor: die Integration unterschiedlicher Anwendungssysteme. Das könnte sich ändern, wenn die jüngste Entwicklung des Fraunhofer Instituts für Informations- und Datenverarbeitung (IITB) in Karlsruhe Schule macht.

Das Fraunhofer IITB ist vor allem für die Automobilindustrie tätig. Dort sind zwischen den Planungssystemen und der Maschinensteuerungen meist mehrere hundert Manufacturing-Execution-Systeme (MES) angesiedelt, die alle nicht miteinander "sprechen", so Olaf Sauer, Leiter des Geschäftsfeldes Leitsysteme im IITB: "Die Daten werden teilweise doppelt gehalten; eine Verbindung der Anwendungen würde erhebliche Einsparungen bringen." Darüber hinaus wäre es möglich, die gesamte Produktion in Echtzeit zu überblicken.

Als "Dolmetscher" zwischen den MES-Komponenten hat das Fraunhofer IITB die aus dem System-Management bekannte Agententechnik entdeckt. "Agenten" sind kleine Serviceprogramme, die sich selbständig auf die Suche nach neuen Systemkomponenten machen und deren Schnittstellen miteinander verknüpfen können. Aufgrund ihrer dezentralen Organistionsweise verursachen sie wesentlich weniger Wartungsaufwand als die Alternativlösung eines zentralen gemeinsamen Datenmodells für alle Anwendungen. Die dritte Möglichkeit der Integration ist laut Sauer noch längst nicht in Sicht: ein produktionsnahes Äquivalent zu SAP auf der Business-Seite. Hierfür seien die MES-Bausteine zu vielfältig.

Implementiert haben die IITB-Mitarbeiter die Agententechnik erstmals im Produktionsleitsystem "Provis.Agent". Es entstand in Zusammenarbeit mit der Daimler-Chrysler AG, deren Werk Bremen zur Zeit noch die Vorgängersoftware "Provis.NT" für die Steuerung und Überwachung seiner Produktionsanlagen nutzt. Folglich ist das Softwarewerkzeug auf den Einsatz in der Automobilindustrie zugeschnitten. Die Fraunhofer-Spezialisten können sich seinen Einsatz aber auch in der Luft- und Raumfahrt sowie in Gießereien und Stahlwerken vorstellen. Auf der Automationstechnik-Messe SPS/IPC/Drives, die vom 22. bis 24. November in Nürnberg stattfindet, will das IITB die Technik und das Tool erstmals der Fachöffentlichkeit präsentieren. (qua)