Aero-Vista saugt den Akku leer

16.05.2007
Wer mit seinem Notebook unter Windows Vista arbeitet, hat mit der 3D-Oberfläche "Areo" ein Problem: Sie leert den Akku unverhältnismäßig schnell.

Das ist ein wenig beängstigend", erklärt John Wozniak, Distinguished Technologist in der Notebook-Entwicklungsabteilung von Hewlett-Packard, mit Blick auf den Aufwand, den seine Firma betreiben musste, um Vista besser an portable Rechner anzupassen. Zwar verfügt Vista laut Microsoft über deutlich verbesserte Funktionen zur Energieverwaltung, doch die Redmon-der können dieses Versprechen aus Sicht mancher Experten nicht einlösen. Die Schuld liegt laut Branchendienst "Cnet" dabei vor allem an der "Aero-Glass"-Oberfläche mit ihren transparen-ten Fenstern und animierten Übergängen beim Wechsel zwischen Anwendungsprogrammen.

Trotz intelligenter Ruhezustände

Wenn Aero abgeschaltet ist, laufen Notebooks im Batteriebetrieb mit Vista gleich lange oder länger, als es mit Windows XP der Fall war. Sobald man aber Aero einschaltet, fällt die Vista-Akkulaufzeit hinter die von XP zurück.

In Vista hat Microsoft unter anderem intelligentere Ruhezustände und einfachere Einstellungen für die Auswahl eines Energieverwaltungsschemas eingeführt. Trotzdem sind auch Käufer teurer Notebooks, die extra viel Geld für eine leistungsfähige Grafik ausgegeben haben, gezwungen, die schlichte Optik von "Vista Home Basic" zu verwenden, wenn ihnen die Akkulaufzeit am Herzen liegt.

HP hat sich deshalb entschieden, nicht die von Microsoft vordefinierten Einstellungen für die Energieverwaltung zu verwenden. Stattdessen hat der PC-Weltmarktführer für seine Notebooks eigene Voreinstellungen entwickelt, bei denen der Nutzer zum Beispiel zwischen "Energie sparen" und "Hohe Leistung" umschalten kann. Den gleichen Weg geht Lenovo, das laut Howard Locker, Director of New Technology, über Jahre hinweg selbst entwickelte Energieverwaltungstechnik verwendet.

Dass Vista ein rechter Stromfresser sein könnte, stellte sich bereits während des Betatests im vergangenen Jahr heraus. Damals versprach Microsoft, bis zum Erscheinen des fertigen Produkts viele der Probleme zu beseitigen. Laut IDC sind diese bei einem Generationswechsel des Betriebssystems durchaus normal. "Wenn Sie ein neues Betriebssystem haben, verschlechtert sich meistens die Akkulaufzeit", sagt Analyst Richard Shim. "Als Windows XP herauskam, war das auch so, und bei Windows 98 ebenfalls."

Kein Nischenprodukt

Anders als damals seien Notebooks heutzutage allerdings "der Wachstumsmotor der Branche", so Shim. Tragbare Rechner machten bereits mehr als die Hälfte aller im Handel verkauften Geräte aus und würden Ende des Jahrzehnts auch die Mehrheit am Gesamtmarkt erobern. Gerade deshalb stellt sich die Frage, warum sich Notebook-Nutzer mit zu kurzer Akku-Betriebszeit herumschlagen müssen. Rob Bushway schreibt zum Beispiel in seinem Tablet-PC-Blog "Gottabemobile.com", irgendetwas sei faul, "wenn ein Verbraucher einen Hochleistungsakku kaufen muss, um das zu bekommen, was früher mit einer Standardbatterie ging".

Betriebszeit hat Priorität

Mit Microsofts Standard-Stromsparprofil, einer von drei Voreinstellungen, wird Aero gleich abgeschaltet. Dann sieht alles weniger schick aus, für die Ladezeiten der Programme ergeben sich jedoch keine Nachteile, so das Ergebnis einer vom Softwarekonzern in Auftrag gegebenen Studie. Microsoft fällt laut IDC-Analyst Shim nun die Aufgabe zu, die Akkulaufzeit von Vista nach und nach über Service Packs und andere Anpassungen zu optimieren. "Die PC-Hersteller spüren verstärkt den Druck ihrer Kunden, die Notebooks inzwischen bevorzugen und dabei betonen, dass die Akkulaufzeit höchste Priorität hat." (tc/ue)