Diversity

Ältere Mitarbeiter sind nicht immer einfach

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Anforderungen an IT-Abteilungen steigen rasant, alte und junge Mitarbeiter sind dabei aufeinander angewiesen. Hubert Staudt, Chef des Personaldienstleisters top itservices, empfiehlt intelligente Arbeitsteilung.

Über die Hälfte der Geschäftsführungen in Deutschland wünscht sich eine starke Rolle der eigenen IT-Abteilung. Immerhin soll sie die Geschäfts­prozesse aus der analogen in die digitale Welt übertragen – dies natürlich sicher und nach dem neuesten Stand der Technik. Sie soll innovative Ideen und Produkte beisteuern und gleichzeitig einen verlässlichen Betrieb aufrechterhalten. Wie sieht ein Team aus, dem diese Quadratur des Kreises gelingen kann?

Hubert Staudt, Vorstandsvorsitzender des Personaldienstleisters top itservices, beobachtet einen vermeintlichen Widerspruch: Zum einen werde die Unternehmens-IT immer mehr als Schlüsselfaktor im Prozess der digitalen Transformation von Geschäftsprozessen gesehen, „damit hat sie deutlich mehr Verantwortung als in den Jahren zuvor“. Zum anderen steige aber der Anteil der über 50-Jährigen in der IT kontinuierlich an.

Hubert Staudt, top itservices: „Die IT in den Unternehmen hat deutlich mehr Verantwortung als in den Jahren davor.“
Hubert Staudt, top itservices: „Die IT in den Unternehmen hat deutlich mehr Verantwortung als in den Jahren davor.“
Foto: top itservices AG

Diese sich verändernde Altersstruktur erkennt der IT-Sourcing-Spezialist sowohl bei seinen Kunden als auch im eigenen Unternehmen. top itservices ist spezialisiert auf die Vermittlung von IT-Fachleuten, und zirka 30 Prozent der ­eigenen Mitarbeiter sind über 45 Jahre – Tendenz steigend. „Bei vielen etablierten IT-Organisationen liegt der Altersschnitt ebenfalls deutlich über 40“, weiß Staudt. Er plädiert für den Einsatz gemischter Teams aus jungen Nachwuchskräften und erfahrenen Mitarbeitern.

„Um Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten, braucht es mehr als nur das neueste Technik-Know-how“, mahnt Staudt. Wichtig seien beispielsweise Kenntnisse über die Entscheidungsstrukturen in der Firma – und sei es nur, um diese kritisch zu hinterfragen oder zu durchbrechen. „Ältere Mitarbeiter gelten als das Gedächtnis eines Unternehmens“, sagt der Manager. Sie verfügten über ein genaues Wissen rund um Strukturen und Prozesse, und meistens wüssten sie auch das, was nicht in den Unternehmens-Checklisten und -Leitfäden stehe.

Der Anteil der über 50-Jährigen in der IT steigt kontinierlich an.
Der Anteil der über 50-Jährigen in der IT steigt kontinierlich an.
Foto: G. Menzl - Fotolia.com

Richtig ist laut Staudt aber auch, dass langjährige Mitarbeiter, die schon viele Veränderungen hinter sich haben, Neuerungen nicht immer aufgeschlossen gegenüberstehen. „Damit das Know-how im Unternehmen verbleibt und Motivation und Interesse auf hohem Niveau gehalten werden, empfiehlt sich ein Gang an die frische Luft – und nicht etwa das Setzen an selbige“, meint der Personalexperte. Staudt meint damit, dass ein Job-Rotations-System dazu beitragen könne, Mitarbeiter neue Erfahrungen machen und bislang weniger bekannte Bereiche des Unternehmens kennenlernen zu lassen.

Der Mix machts

Bei top itservices habe er die Erfahrung gemacht, dass es gut funktioniere, für die Entwicklung neuer Produkte vorrangig jüngere Mitarbeiter einzusetzen. Gehe es aber um die Umsetzung von Prozessen, empfehle es sich, Teams mit einem Anteil von mindestens 30 Prozent erfahrenen Mitarbeitern zu beauftragen. „Die optimale Teamstruktur besteht aus drei gleichen Teilen: Ein Teil des Teams ist ­unter 35 und auf die Entwicklung neuer Produkte oder Prozesse ausgerichtet, ein Teil ist zwischen 35 und 45 und ein Drittel über 45.“ Das lasse sich nicht immer realisieren, aber die Arbeitgeber sollten eine gute Mischung der Altersstruktur im Blick behalten.