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Nach mehr als vier Jahren Haft

Ägyptischer Blogger Kareem Amer frei

18.11.2010
Von pte pte
Die weltweit bisher offenbar längste Freiheitsstrafe für einen Blogger ist zu Ende.
Die gute Nachricht auf freekareem.org
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Nach 1470 Tagen beziehungsweise vier Jahren und zehn Tagen in Haft wurde der ägyptische Online-Aktivist Abdel Kareem Nabil Suleiman, bekannt unter dem Namen Kareem Amer, entlassen, melden seine Unterstützer in ihrem Blog. Es wird angenommen, dass bisher kein anderer Blogger für im Internet verbreitete Inhalte eine längere Haftstrafe absitzen musste. Der Arrest Amers hat sogar länger gedauert als das gerichtlich verhängte Urteil ursprünglich vorsah.

Internationale Proteste gegen die Inhaftierung hatte es bereits während des gesamten Gefängnisaufenthalts des Bloggers gegeben. Nun setzten ihn die Behörden wieder auf freien Fuß. "Wir können die Freilassung noch nicht bestätigen, begrüßen sie aber natürlich, wenn sie tatsächlich stattgefunden hat", sagt Anja Viohl, Pressereferentin bei Reporter ohne Grenzen Deutschland (ROG), im Gespräch mit pressetext. Zudem ist derzeit nicht bekannt, unter welchen Umständen die Entlassung erfolgt ist. "Wir fordern die bedingungslose Freilassung", betont Viohl.

"Exempel statuiert"

Am 6. November 2006 war Amer von den Behörden festgenommen worden. Am 22. Februar 2007 wurde der Blogger zu vier Jahren Haft verurteilt. "Die Strafe war absolut nicht gerechtfertigt", meint Viohl. So war Amer einer der ersten Blogger, die derart massiv verfolgt wurden. "An ihm sollte offensichtlich ein Exempel statuiert werden", so die ROG-Referentin. In seinem Blog hatte sich Amer kritisch gegen den politisch autoritären Kurs der Regierung Mubarak geäußert und sich unter anderem für Säkularisierung, Meinungsfreiheit und Frauenrechte eingesetzt.

"Ägypten hat eine sehr aktive Blogger-Szene", erklärt Viohl gegenüber pressetext. Dabei ist der Staat jedoch als "Feind des Internets" gelistet. Weltweit hat sich die Situation für Blogger in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert. Die Zensur durch die Verfolgung von Online-Aktivisten nimmt zu, die Meinungsfreiheit wird dabei weiter eingeschränkt. "Im Vorjahr haben wir erstmals mehr als 100 inhaftierte Blogger gezählt", unterstreicht Viohl. Die meisten davon sitzen in China. Viele langjährige Haftstrafen werden zudem im Iran verhängt. Nach der Freilassung Amers zählt ROG noch immer 112 Blogger in Haft. (pte)