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AEA: US-Bildungsmisere zwingt zum Offshoring

26.03.2004

Die American Electronics Association (AEA) hat in ihrem Report "Offshore Outsourcing in an Increasingly Competitive and Rapidly Changing World" moniert, dass das US-amerikanische Schulsystem auch dazu beitrage, dass immer mehr Unternehmen Arbeit aus den USA in Drittländer verlagern würden.

Das amerikanische Schulsystem sei nicht mehr in der Lage, genügend Schüler mit guten naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnissen auszubilden. Dieser Mangel sei schuld daran, dass so viele Arbeitsplätze in den USA an das Ausland verloren gingen, sagte die größte US-amerikanische Handelsorganisation für die Technologiebranche.

"Unternehmen lagern Arbeitsplätze nicht nur deshalb in Billiglohnländer aus, weil dort die Personalkosten wesentlich niedriger sind, "sagte Matthew Kazmierczak, Senior Manager der AEA-Research-Abteilung." Sie suchen auch nach gut ausgebildeten Arbeitnehmern. Und die finden sie zunehmend nicht mehr in den USA."

Das zu geringe Ausbildungsniveau ist aber nur ein Grund, warum immer mehr US-Unternehmen Arbeitsplätze in das Ausland verlagern. Zudem, so der AEA-Report, investiere die US-Regierung zu wenig in Technikforschung und -entwicklung. Außerdem seien die Kosten für die Gesundheitsvorsorge von Arbeitnehmern sehr hoch. Schließlich könne man auch das Phänomen beobachten, dass Firmen förmlich gezwungen seien, Arbeitsplätze zu verlagern - dann nämlich, wenn die Konkurrenz aus der Branche damit anfängt und man den Trend mitmachen müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben, schreiben die AEA-Forscher.

Die Industrievereinigung schreibt in ihrer Untersuchung allerdings auch, dass es bislang noch keine einzige zuverlässige Faktensammlung gibt, die zuverlässig die Effekte der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer analysieren würde. Hier gebe es viele Übertreibungen. Keine Regierung und kein unabhängiges Forschungsinstitut hätten hier bislang Fakten liefern können. Auch sei nicht klar, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich in den vergangenen Jahren ins Ausland verschoben wurden. Die bisherigen Angaben, die in der Öffentlichkeit kursieren, "sind eher Vorhersagen, was passieren könnte und nicht Aussagen darüber, was bislang tatsächlich geschehen ist", sagte Kazmierczak.

Einer Untersuchung der Unternehmensberatung Gartner zufolge werden bis zum Ende dieses Jahres zehn Prozent aller IT-Jobs in US-IT-Firmen durch Offshoring verloren gehen. Außerhalb der IT-Branche werden immerhin noch fünf Prozent aller Beschäftigten ihren Arbeitsplatz an einen Billiglohnplatz in Übersee verlieren.

Die AEA spricht sich im Übrigen strikt gegen protektionistische oder legislative Maßnahmen aus, um den negativen Folgen des Offshoring zu begegnen. Sie hält nichts von steuerrechtlichen "Bestrafungen" für Firma, die Arbeitsplätze verlagern, oder von Vergünstigungen für solche Unternehmen, die dies bewusst nicht tun. Hierzu führen sie als Gewährsperson den Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, an. Jeder Versuch, Offshoring-Aktivitäten zu sanktionieren, würde der US-Wirtschaft schaden und deren Arbeitern und Angestellten nicht helfen, zitiert die AEA Greenspan. (jm)