Cybersicherheit

Advanced Cyber Attacks sind die neue Normalität

Schwerpunkte von Frank Kölmel, der auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Netzwerk- und Internetbranche zurückblicken kann, sind Ausbau und Festigung der Position des Unternehmens in der D-A-CH-Region und Osteuropa. 

Was noch vor einigen Jahren nur vereinzelten, fortschrittlich agierenden Cyberkriminellen gelang, bestimmt für viele Sicherheitsverantwortliche heute bereits den Alltag. Immer mehr Angreifer nutzen zielgerichtete Taktiken, um ihre Ziele zu erreichen.
Im Zeitalter von Skype, Twitter, Facebook und Co. reicht es nicht mehr aus, nur den E-Mail-Verkehr zu überwachen.
Im Zeitalter von Skype, Twitter, Facebook und Co. reicht es nicht mehr aus, nur den E-Mail-Verkehr zu überwachen.
Foto: Rawpixel, Shutterstock.com

Seit einiger Zeit beobachten Sicherheitsexperten, dass verschiedenste cyberkriminelle Gruppierungen aus allen Teilen der Welt zunehmend Gebrauch von fortschrittlichen Vorgehensweisen machen. Dabei ist es keineswegs entscheidend, ob sie zu einem größeren Netzwerk gehören oder alleine agieren. Und auch die Herkunft der Angreifer spielt heute kaum mehr eine Rolle. Unabhängig von solchen Faktoren werden moderne Angriffsmethoden für eine rasant wachsende Zahl an Cyberkriminellen zur Routine.

In vielen Fällen verwenden sie Tools und Strategien, auf die Unternehmen nur selten vorbereitet sind. Dazu gehören gezielt zugeschnittene Malware - beispielsweise speziell für Android-Geräte oder auch Methoden des Social Engineering.

Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Ruf

Urheber von Bedrohungen für die Cybersicherheit nutzen vermehrt Computernetzwerke, um ihre Ziele zu verfolgen. Dabei können ganz unterschiedliche Motive - ob politischer, wirtschaftlicher oder finanzieller Natur - im Vordergrund stehen. Jüngste Entwicklungen zeigen, dass Dienstleister aus dem Bereich Business & Professional Services sowie Händler und Finanzdienstleiters am häufigsten angegriffen werden. Immer wieder zeigen Sicherheitsvorfälle in den unterschiedlichsten Branchen, dass potenziell jedes Unternehmen von einem Angriff auf sein Netzwerk getroffen werden kann. Vorfälle wie diese können immense Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und den Ruf des betroffenen Unternehmens haben.

Unabhängig von der Branche besitzt ein Unternehmen immer Informationen, die für andere von Interesse sind. Dabei kann es sich beispielsweise um Entwürfe für neue Produkte - also um geistiges Eigentum - oder um Finanzinformationen handeln. Laut Mandiant, einem Unternehmen von FireEye, konnten im vergangenen Jahr nur 31 Prozent der Unternehmen Sicherheitsverletzungen selbst aufdecken. Nicht bei jedem Angriff waren die betroffenen Firmen selbst das Ziel. Angreifer nutzen die Netzwerke von unzureichend geschützten Unternehmen auch, um an wichtige Informationen von Geschäftspartnern oder Kunden zu gelangen. Dabei verwenden sie das primär angegriffene Netzwerk als Sprungbrett.

Zugang zur Cyberkriminalität so einfach wie nie zuvor

Das typische Bild eines Cyberkriminellen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während Angreifer in der Vergangenheit vor allem aus technologisch weitentwickelten Regionen stammten, beobachten wir heute immer häufiger fortschrittliche Angriffsmethoden in entlegenen Gebieten. Möglich macht es die zunehmende Digitalisierung, die auch in extrem dünn besiedelten Gegenden weiter zunimmt. Weite Teile der Welt verfügen heute über kabellose oder mobile Netzinfrastrukturen. Selbst in krisengeschüttelten Staaten finden entschlossene Angreifer dadurch die Möglichkeit, Netzwerke auf der ganzen Welt unter Beschuss zu nehmen. Dazu reichen ihnen eine funktionierende Internetverbindung und ein ausreichend leistungsfähiger Computer.

Der Zugang zur Cyberkriminalität ist heute zudem so einfach wie nie zuvor. Die Anschaffung von Computern oder anderen internetfähigen Geräten wird immer günstiger. So wird eine wichtige Hürde marginalisiert, die Bedrohungsurheber nehmen müssen. Darüber hinaus vernetzen sich cyberkriminelle Gruppierungen aus der ganzen Welt stärker denn je und tauschen Erfahrungen, Informationen und Tools regelmäßig untereinander aus. Aus diesen Gründen ist das Verwenden fortschrittlicher Angriffstaktiken heute kostengünstiger und einfacher als je zuvor.

Neue Möglichkeiten bei Angriffen auf Mobilgeräte und Social Engineering

Die Sicherheit mobiler Endgeräte wird in Unternehmen selten hinterfragt. Und doch sind Android- oder iOS-Geräte ebenso angreifbar wie herkömmliche Computer. Immer mehr Mitarbeiter verwenden ihre privaten Smartphones und Tablets, um auf unternehmensinterne Daten und Anwendungen zuzugreifen. In jüngerer Vergangenheit häufen sich zielgerichtete Angriffe auf die Smartphones von wichtigen Unternehmensangehörigen. Es gibt zudem immer mehr Malware-Familien, die speziell für Angriffe auf mobile Plattformen programmiert wurden. Für Cyberkriminelle stellen internetfähige Mobilgeräte nur einen weiteren Endpunkt dar. Durch das gleichzeitig heute noch recht niedrige Sicherheitsbewusstsein bei der Mobilnutzung sind diese Geräte ein vergleichsweise leichtes Ziel. Es ist daher zu erwarten, dass dieser Angriffstyp weiter an Bedeutung zunehmen wird.

Ein weiterer aktueller Trend, der nicht nur Angriffe auf Mobilgeräte betrifft, ist das Social Engineering. Dabei werden Einzelpersonen durch digitale Kommunikation von Angreifern in eine Falle gelockt und eröffnen sich dadurch Angriffsmöglichkeiten. Dabei ist Social Engineering an sich nichts Neues. Schon vor Jahren machten E-Mails die Runde, in denen infizierte Anhänge oder schädliche Links enthalten waren. Besonders häufig geben sich Angreifer als Mitarbeiter der firmeneigenen IT-Abteilung aus und haben großen Erfolg mit diesem Vorgehen. 78 Prozent der 2014 von Mandiant beobachteten Phishing-E-Mails hatten IT- oder sicherheitsbezogenen Inhalt. Durch neue, beliebte Kommunikationskanäle haben sich die Möglichkeiten jedoch vervielfacht. Im Zeitalter von Skype, Twitter, Facebook und Co. reicht es nicht mehr aus, nur den E-Mail-Verkehr zu überwachen.

Neue Normalität als Ansporn

Angesichts der großen Zahl an zielgerichteten Angriffen und Urhebern von Advanced Cyber Attacks, die in diesem Jahr weiter steigen wird, sollten Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen an die aktuelle Bedrohungslandschaft anpassen. Absolute Sicherheit gibt es nicht, da Angreifer immer wieder neue Wege finden, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Die neue Normalität moderner Angriffsmethoden sollte Sicherheitsverantwortliche weltweit dazu anspornen, ebenso Wege zu finden, um ständig auf Augenhöhe mit den Angreifern zu sein. (bw)