Absage an die Dominanz des Buchhalterdenkens:

ACM weist Wege zur Softwarequalität

08.04.1982

MÜNCHEN (je) - Ich glaube, wir haben gelernt, daß wir auf Softwarequalität unter keinen Umständen verzichten dürfen." Mit diesen Worten zog Dr. Hans Klopcic, Vorstand des German Chapter of the Association for Computing Machinery (ACM) und hauptberuflich Siemens-Mitarbeiter, den Schlußstrich unter eine mehrtägige Fachtagung des German Chapter in München.

Thema der Fachtagung war die Software-Qualitätssicherung, die in einem Tutorial und zahlreichen Vortragsveranstaltungen von teils sehr namhaften Experten beleuchtet wurde. So gehörten beispielsweise Professor Ghittoor V. Ramamoorthy von der University of California, der auch als Berater der US-Luftwaffe und der NASA tätig ist, und Dr. Laszlo A. Belady zu den Referenten.

Die Zahl der Teilnehmer in München lag knapp unter 400. Von ihnen stammte nach Auskunft der Tagungsleitung der überwiegende Teil - rund zwei Drittel - aus solchen Unternehmen, die Software für den Fremdbedarf produzieren; 15 Prozent gehörten dem Hochschulbereich an; der Rest kam von Großanwendern.

In einer Podiumsdiskussion zum Schluß der Veranstaltung wurde versucht zu ermitteln, unter welchen Bedingungen die Wirtschaftlichkeit der Software-Qualitätssicherung erreichbar sei. Dazu gab es verschiedene übereinstimmend anerkannte Ansätze, aber Meinungsverschiedenheiten über die geeignete Vorgehensweise.

Ausschnitt aus den von den Diskutanten propagierten "Rezepten":

- Stabile und wiederverwendbare Software aus Modulbibliotheken sowie ein Programmierniveau, das durch das Aufrufen (nur noch) von Modulsequenzen gekennzeichnet ist.

- Ein Netz von Checks und Balances zur Kompensation der unausweichlichen menschlichen Fehlerhaftigkeit.

- Eine Kosten-/Nutzenrechnung zur Software-Qualitätssicherung, aufgeteilt nach den drei Qualitätsklassen Korrektheit der Software, Wartbarkeit und Änderbarkeit sowie Qualität der Benutzerschnittstellen.

- Absage an die Dominanz des Buchhalterdenkens in Jahresabschnitten.

- Heranbildung von Beschreibungsstandards, klaren technischen Definitionen und einer eindeutigen Terminologie.

- Bekämpfung oder Eliminierung vorrangig derjenigen Softwarefehler, die den größten Kunden-Impact haben.

- Keine Scheu vor der "Dreckarbeit", die mit der Beseitigung von Software- "Unqualität" verbunden ist.

- Ebenso exaktes wie benutzerfreundliches Vorgehen aller Hersteller bei der Festlegung der Spezifikationen und Anforderungen gemeinsam mit dem Kunden.

- Ausnahmsloser Einsatz von Softwarewerkzeugen oder umgekehrt: Forderung der Anwender nach Softwaregarantien mit der Wirkung, daß sich die Softwareproduzenten zum Einsatz von Tools veranlaßt sehen.

- Schaffung eines Klimas des Vertrauens innerhalb der Softwareproduktionsabteilungen, um den Kontrollcharakter einer an streng qualitativen Gesichtspunkten ausgerichteten Softwareherstellung zurückzudrängen.