Windows-Know-How

Acht Systemtools für Profis

Seit 1977 sitzt er, mit längeren oder kürzeren Unterbrechungen, vor Computern unterschiedlichster Bauart: Commodore PET 2001, CBM 8032, C64, IBM PC XT und so weiter. Die Interna und Geheimnisse von Betriebssystemen sind seine Leidenschaft, gleich ob es um Windows, Linux oder Android geht. Weitere Themen sind Office-Software, Videobearbeitung, Software-Entwicklung, Server-Dienste und Content Management Systeme.
Viele nützliche Tools für System und Dateimanagement schlummern bei Windows im Verborgenen. Wo sie zu finden sind, wie Sie die Funktionen am besten nutzen und welche Alternativen es gibt, lesen Sie hier.
Die besten System- und Dateitools für Windows im Detail.
Die besten System- und Dateitools für Windows im Detail.
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Bei einem frisch installierten Windows 10 befinden sich mehr als 2300 ausführbare Dateien alleine in den Verzeichnissen unterhalb von „C:\Windows“. Die Anzahl reduziert sich jedoch, wenn man genauer hinsieht. Etliche EXE-Dateien gibt es in mehreren Versionen sowie für 32 und 64 Bit, und hinter vielen Programmen verbergen sich Dienstanwendungen, die der Benutzer nicht direkt starten kann. Es bleiben aber immer noch viele Tools übrig, bei denen sich eine nähere Betrachtung lohnt.

Oft handelt es sich um Programme für die Kommandozeile, die ihren Nutzen erst beim Aufruf mit den richtigen Parametern zeigen. Wir haben einige der interessantesten Tools aus dem Windows-Lieferumfang für Sie herausgesucht und zeigen, was sich damit anfangen lässt. Alle Tipps gelten für Windows 7, 8.1 und 10. Dazu zeigen wir Ihnen außerdem alternative Tools mit ähnlichen Funktionen, die sich aber meist besser bedienen lassen oder zusätzliche Optionen bieten.

Tipp: Eine Textdatei mit allen Befehlszeilen aus diesem Artikel können Sie bei Bedarf über auch direkt herunterladen.

1. Besitzer und Rechte im Dateisystem ändern

In der Regel erfolgt die Rechteverwaltung über den Windows-Explorer und den Kontextmenüpunkt „Eigenschaften“ eines Ordners oder einer Datei. Auf der Registerkarte „Sicherheit“ lassen sich Rechte im Dateisystem einsehen und über „Bearbeiten“ ändern.

Das Problem bei dieser Methode der Rechtevergabe ist, dass Sie die Rechte oft mehrmals festlegen müssen. Erst müssen Sie Besitzer eines Ordners sein und erst dann können Sie sich selbst auch Lese- und Schreibrechte geben. Das erfordert etliche Mausklicks. Nötig kann das beispielsweise werden, wenn Sie eine USB-Festplatte an mehreren PCs betreiben. Denn Windows verweigert den Zugriff auf Ordner, die Sie auf einem anderen PC erstellt haben, wenn es unterschiedliche Benutzer-IDs gibt.

Auf der Registerkarte "Sicherheit“ sehen und ändern Sie Benutzerrechte. Meist sind jedoch mehrere Mausklicks nötig, um das Gewünschte zu erreichen.
Auf der Registerkarte "Sicherheit“ sehen und ändern Sie Benutzerrechte. Meist sind jedoch mehrere Mausklicks nötig, um das Gewünschte zu erreichen.

Rechte auf der Kommandozeile setzen: Für schnelle und effektive Änderungen von Rechten im Dateisystem gibt es zwei Tools für die Kommandozeile. Mit Takeown übernehmen Sie den Besitz und Icacls dient zur Vergabe der nötigen Rechte. Starten Sie eine Eingabeaufforderung mit administrativen Rechten, wie im Kasten unten beschrieben. Ein Aufruf der Tools für das komplette Laufwerk „G:“ sieht beispielsweise so aus (zwei Zeilen):

takeown /f G: /r /d y icacls G: /grant Administratoren:F /t /c /l /q

Die Zeilen bestätigen Sie jeweils mit der Eingabetaste. Die Optionen sorgen dafür, dass alle Dateien und Ordner auf Laufwerk G: berücksichtigt werden. Takeown ändert zuerst den Besitzer auf den aktuell angemeldeten Benutzer, Icalcs gibt dann der Gruppe „Administratoren“ Vollzugriff. Die Bedeutung der Optionen bei einem Tool für die Kommandozeile erfahren Sie, indem Sie ein /? an hängen, beispielsweise:

takeown /?

Alternative Tools: Set ACL kombiniert die Fähigkeiten von Takeown und Icacls. Eine Anleitung mit Beispielen finden Sie auf der Webseite des Herstellers. Als Tool mit grafischer Oberfläche eignet sich Set ACL Studio.

2. Takeown und Icacls in den Explorer einbinden

Fast alle Tools für die Kommandozeile zeigen Hilfetexte an. Dazu rufen Sie ein Tool ohne Parameter auf oder hängen ein „/?“ an.
Fast alle Tools für die Kommandozeile zeigen Hilfetexte an. Dazu rufen Sie ein Tool ohne Parameter auf oder hängen ein „/?“ an.

Wer die Tools für den in Punkt 1 genannten Zweck häufiger einsetzen möchte, kann die Befehlsfolge in das Kontextmenü der Windows-Explorers einbauen. Dazu verwenden Sie das Tool PC-WELT-MyRights. Nach dem Start klicken Sie auf „Installieren“. Im rechten Teil des Fensters sehen Sie alle Werte, die das Tool in die Registry einträgt. Wenn Sie die Einträge wieder loswerden wollen, starten Sie PC-WELT-MyRights erneut und klicken auf „De-Installieren“.

Die Definitionen für die Registry-Schlüssel zeigen noch eine Besonderheit. Hier steht jeweils der Wert „Extended“. Dieser bewirkt, dass der zugehörige Kontextmenüeintrag nur nach einem Rechtsklick bei gedrückter Shift-Taste sichtbar wird. Dadurch wird das Kontextmenü nicht durch viele Einträge überladen, die Sie eher selten verwenden. Drücken Sie daher die Shift-Taste, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen Ordner, und wählen Sie im Menü „Besitz übernehmen“. Takeown ändert dann den Besitzer des Ordners und aller enthaltenen Elemente auf den aktuell angemeldeten Benutzer; Administratoren wird über Icacls Vollzugriff gewährt.

3. Besitzer und Rechte in der Registry ändern

Das Tool PC-WELT-MyRights baut „Besitz übernehmen“ in das Kontextmenü von Ordnern und Dateien ein. Darüber rufen Sie Takeown und Icalcs bequem auf.
Das Tool PC-WELT-MyRights baut „Besitz übernehmen“ in das Kontextmenü von Ordnern und Dateien ein. Darüber rufen Sie Takeown und Icalcs bequem auf.

Für die Windows-Registrierungsdatenbank gibt es eine Rechteverwaltung ähnlich wie im Dateisystem. Standardmäßig starten Sie den Registrierungseditor über die Tastenkombination Win-R und die Eingabe von regedit. Über den Kontextmenüpunkt „Berechtigungen“ eines Schlüssels lassen sich die Rechte einsehen und ändern. Das ist jedoch ähnlich klickintensiv wie im Dateisystem. Vor allem, wenn Sie die Berechtigungen für mehrere Schlüssel oder auf mehreren PCs ändern müssen.

Dafür ein Beispiel: Sie wollen unter Windows 10 den „Schnellzugriff“ aus dem Windows-Explorer entfernen und wie unter Windows 8.1 stattdessen „Dieser PC“ sehen. Zuerst gehen Sie im Menüband auf „Ansicht“ und klicken auf „Optionen“. Auf der Registerkarte „Allgemein“ wählen Sie hinter „Datei-Explorer öffnen für:“ den Wert „Dieser PC“ ein. Jetzt könnten Sie einen Wert in der Registry ändern, damit der „Schnellzugriff“ nicht mehr erscheint. Das ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich, weil Ihnen die Rechte dazu fehlen.

Das Kommandozeilentool Regini.exe aus dem Windows-Lieferumfang wäre im Prinzip in der Lage, die Rechte zu ändern. Das scheitert jedoch daran, dass auch Administratoren bei einigen Schlüsseln nur Leserechte besitzen und daher auch die Rechte nicht anpassen können. In diesem Fall hilft das Tool Set ACL weiter. Entpacken Sie die gewünschte Programmdatei (32 oder 64 Bit) in einen beliebigen Ordner, beispielsweise nach „C:\Tools“. Öffnen Sie eine Eingabeaufforderung mit administrativen Rechten, wechseln Sie mit dem Befehl cd C:\Tools in das Installationsverzeichnis und starten Sie folgende drei Befehlszeilen:

SetACL.exe -on „HKEY_CLASSES_ ROOT\CLSID\{679f85cb-0220-4080- b29b-5540cc05aab6}\ShellFolder“ -ot reg -actn setowner -ownr „n:Administratoren“echo \Registry\machine\software\ classes\CLSID\{679f85cb-0220- 4080-b29b-5540cc05aab6}\Shell-Folder [1 6 9 17] > acl.txtregini acl.txt

Der erste Befehl ändert den Besitzer auf „Administratoren“, der zweite erstellt die Textdatei „acl.txt“, und in der dritten Zeile kommt Regini zum Einsatz, um Administratoren Vollzugriff auf den Schlüssel zu erlauben. Der Aufruf von Regini ohne weitere Parameter zeigt Ihnen die Bedeutung der Optionen.

Statt mit Regini können Sie mit Set ACL das Gleiche über folgende Zeile erreichen:

SetACL.exe -on „HKEY_CLASSES_ ROOT\CLSID\{679f85cb-0220-4080- b29b-5540cc05aab6}\ShellFolder“ -ot reg -actn ace -ace „n:Administratoren;p:full“

Danach ändern Sie über Regedit.exe den Wert „Hkey_Classes_Root\CLSID\{679f85cb-0220- 4080-b29b-5540cc05aab6}\ShellFolder\Attributes“ von „a0100000“ auf „a0600000“. Starten Sie Windows neu. „Schnellzugriff“ taucht jetzt im Windows-Explorer nicht mehr auf.

Alternatives Tool: Regownershipex bietet eine grafische Oberfläche, über die Sie Besitzer und Rechte in der Registry ändern. Fügen Sie den gewünschten Registry-Pfad in das Eingabefeld ein, und klicken Sie auf „Take Ownership“. Danach klicken Sie auf „Open in Registry Editor“. Sie können dann die Benutzerrechte kontrollieren und Werte ändern.