MWC

Acer will das Smartphone neu erfinden

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Der taiwanische Hersteller hofft, mit einer Produktoffensive seinen Erfolg im Notebook-Segment zu wiederholen.

Nicht einmal ein Jahr nach der Übernahme von E-Ten (Glofish) hat Acer am Rande des Mobile World Congress in Barcelona ein Sammelsurium an Smartphones auf Windows-Mobile-Basis vorgestellt. Die Gründe für den Einstieg in den Bereich liegen auf der Hand: Weltweit gibt es vier Milliarden Mobilfunknutzer und damit potenzielle Smartphone-Nutzer - zumal Acer davon ausgeht, dass Feature-Phones schon bald durch echte Smartphones ersetzt werden.

Das Topmodell 'M900' hat eine seitlich ausschiebbare Tastatur.
Das Topmodell 'M900' hat eine seitlich ausschiebbare Tastatur.
Foto: Acer

Verglichen mit dem weltweiten PC-und Notebook-Segment geht es dem Bereich - wenngleich ebenfalls stark umkämpft - außerdem noch relativ gut: Wie die jüngsten Marktzahlen besagen, wurden zuletzt rund 200 Millionen Smartphones jährlich verkauft, für die kommenden drei bis fünf Jahren wird ein Wachstum von 15 Prozent erwartet. Auch Acer hofft, an diesem Zuwachs teilhaben zu können. "Langfristige Strategie ist, überzeugende Lösungen für sämtliche Bedürfnisse mobiler Nutzer bereitzustellen", wie Acer-CEO Gianfranco Lanci bei dem Produkt-Release in Barcelona erklärte.

Acer will die Smartphone-Kundschaft zunächst mit vier neuen Geräten ansprechen. Weitere Smartphones sind für die zweite Jahreshälfte geplant: Das Topmodell der "Tempo"-Serie, das "M900", verfügt über eine seitlich ausschiebbare Volltastatur, HSDPA, WVGA und einen 3,8-Zoll-Touchscreen. Weitere Features sind ein Fingerprint-Sensor, der Single-Sign-on ermöglicht, GPS, UKW-Radio, Sprachaufnahme und -Steuerung, erweiterbarer Speicher sowie eine Fünf-Megapixel-Kamera mit Blitz.

Der Fingerprint-Sensor des 'M900' soll Single Sign-On ermöglichen.
Der Fingerprint-Sensor des 'M900' soll Single Sign-On ermöglichen.
Foto: Acer

Das für das mobile Surfen im Internet konzipierte "F900" ist ebenfalls mit einem 3,8-Zoll-Touchscreen ausgestattet, verfügt jedoch nur über eine virtuelle Tastatur sowie eine 3,2 Megapixel-Kamera. Neben HSDPA/HSUPA, WLAN, GPS, Radio, Sprachaufnahme und -Steuerung und erweiterbaren Speicher sind spezielle Widgets zu erwähnen, die dem Nutzer den direkten Zugriff auf Grundfunktionen ermöglichen sollen.

Das "X960" wiederum hat Acer als "Allzweckwaffe" für geringere Ansprüche designt - mit hochauflösenden 2,8-Zoll-VGA-Touchscreen, GPS, doppelter Kamera für Videotelefonate und Fünf-Wege-Navigationsknopf sowie - als ständig wiederkehrendes Thema - die Widget-basierende Benutzeroberfläche. Mit von der Partie ist auch das Dual-SIM-Gerät "DX900" mit 2,8-Zoll-VGA-Touchscreen, das laut Acer als einziges Smartphone sowohl HSDPA- und Edge-SIM-Karten unterstützt.

Bleibt die Frage, ob Acer angesichts seiner ehrgeizigen Wachstumsziele (das Unternehmen will in einem Jahr zu den fünf größten Smartphone-Anbietern zählen) mit Windows Mobile auf die richtige Plattform gesetzt hat. So zweifelt Gartner an den Zukunftschancen von Windows Mobile. Microsoft selbst betreibt Stückwerk und vertröstet Kunden und Hersteller weiter auf das neue Major Release WM 7.

Mangels ausreichender Usability sind außerdem Smartphone-Anbieter wie HTC und Samsung dazu übergegangen, dem System eine eigene Benutzeroberfläche überzustülpen, über die Anwender ähnlich wie beim Apple iPhone auf die wichtigsten Funktionen zugreifen können, ohne sich in den Menüstrukturen zu verirren. Immerhin erklärte Acer auf Nachfrage, dass man sich auch mit anderen Plattformen beschäftige.