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Accenture steigt aus NHS-Deal aus

29.09.2006
Rückzugsentscheidung und positive Geschäftszahlen beflügeln die Aktie.

Accenture hat die Konsequenz aus dem verlustbringenden Mega-Deal mit der britischen Gesundheitsbehörde NHS (National Health System) gezogen: Gestern kündigte der IT-Dienstleister an, die ihm anvertrauten Bereiche Ost und Nordost komplett an CSC zu übergeben. Anstatt wie bei solchen Ankündigungen sonst üblich, an Wert zu verlieren, stieg die Aktie um fünf Prozent. Das zeigt, dass die Entscheidung angesichts der Risiken, die für Accenture mit dem CfH-Programm ("Connecting for Health") verbunden sind, gemeinhin als richtig gilt.

Noch mehr Auftrieb erhielt die Aktie durch die Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse: Im Ende August abgelaufenen vierten Quartal kletterte Accentures Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 Prozent auf 346,4 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg zwar wegen der Probleme mit dem NHS-Projekt nur um ein Prozent auf 3,97 Milliarden Dollar. Ohne die NHS-Erlöse hätten die Einnahmen aber bei 4,31 Milliarden Dollar und damit immer noch über den Erwartungen der Analysten gelegen, die mit 4,28 Milliarden Dollar gerechnet hatten.

Im Gesamtjahr erwirtschaftete Accenture einen Nettogewinn von 16,65 Milliarden Euro, davon entfielen fast zehn Milliarden auf das Beratungsgeschäft. Angesichts der hohen Auftragsbestände im Outsourcing-Bereich rechnet das Unternehmen aber damit, dass sich die beiden Geschäftsfelder den Umsatz künftig gerechter aufteilen. Bereits im vierten Quartal habe man im Outsourcing-Geschäft fast so viel umgesetzt wie im Consulting-Bereich.

Nach den Worten von CEO William Green wird sich der Rückzug aus dem NHS-Projekt positiv auf die künftige Geschäftsentwicklung auswirken. So erwartet der IT-Serviceriese für das Geschäftsjahr 2007 ein Umsatzplus von neun bis zwölf Prozent und einen Gewinn pro Aktie zwischen 1,77 und 1,82 Dollar.

Offizieller Termin für die Projektübergabe ist der 8. Januar 2007. Von den 500 Accenture-Mitarbeitern, die für die NHS tätig sind, werden laut Steve Rohleder, COO (Chief Operating Officer) bei Accenture, etwa 300 zu CSC wechseln. Die restlichen 200 Mitarbeiter würden auf andere Projekte in Großbritannien verteilt. Über die nächsten neun Jahre hinweg wird die NHS 1,9 Milliarden Pfund an CSC zahlen. Accenture muss eigenen Angaben zufolge nur 63 Millionen Pfund an die NHS zurückzahlen. Insgesamt hatte der IT-Dienstleister für bisherige Arbeit an dem Projekt 173 Millionen Pfund erhalten.

Das NHS-Accenture-Deal hat einen Vertragswert von insgesamt zwei Milliarden Pfund. Damit gehört Accenture zusammen mit CSC, der BT Group und Fujitsu zu den Hauptlieferanten für das NHS-Projekt, in dessen Rahmen die gesamte IT des britischen Gesundheitswesens erneuert werden soll. Angesichts der rigiden Vertragsbedingungen war es dem IT-Serviceanbieter jedoch von Anfang an schwer gefallen, an dem Vorhaben zu verdienen.

So werden von den Serviceanbietern einerseits riesige Investitionen erwartet. Andererseits zahlt der Auftraggeber immer erst nach Beendigung größerer Meilensteine. Diese Politik hatte zur Folge, dass Accenture angesichts der wiederholten Verzögerungen von Seiten des Sublieferanten iSoft, der die Kernanwendung "Lorenzo" entwickelt, kaum größere Beträge in Rechnung stellen konnte. Im zweiten Quartal musste das Unternehmen Rückstellungen in Höhe von 450 Millionen Dollar ausweisen, um weitere bevorstehende Ausfälle kompensieren zu können.

Eine Studie, die Accenture und CSC erstellt hatten, um Leistungsfähigkeit von iSoft zu analysiert, kam schließlich zu dem Schluss, für die in Aussicht gestellte Applikation "existiere kein definierter Funktionsumfang und daher auch kein Zeitplan für Veröffentlichungen". Daraufhin begann Accenture, nach einem Ausweg aus dem Projekt zu suchen.

Anders als Accenture ist CSC mit dem Deal bis dato gut gefahren. Der IT-Dienstleister hat zwar noch nicht veröffentlicht, wie viel Umsatz ihm der Vertrag bislang gebracht hat. Europa-Chef Guy Hains erklärte aber, dass sich das Projekt für sein Unternehmen bereits "finanziell gelohnt" habe. (sp)