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Accenture: Nichts für unbedarfte Frischlinge

ist freier Journalist in München
Trotz anhaltender Branchenkrise setzt Accenture in Deutschland auf starkes Wachstum bei den Mitarbeiterzahlen. Wer sich für das Berufsleben eines Consultant interessiert, muss überdurchschnittliches Engagement mitbringen.

Im September 2001 nahm Colin Wilke an einem Accenture-Workshop für High Potentials teil und wurde schnell mit seinem künftigen Arbeitgeber einig. "Nie hätte ich damit gerechnet, bereits ein Jahr vor Abschluss des Studiums meinen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben!" Die Zukunft sah rosig aus, Hightech boomte. Doch rund anderthalb Jahre später haben sich die Zeiten geändert. Angesichts der großen Zurückhaltung von Anwendern, in IT-Projekte zu investieren, müssen auch die IT-Beratungshäuser tiefe Einschnitte vornehmen.

Viele Mitarbeiter, die in guten Zeiten anheuerten, sehen sich inzwischen nach neuen Jobs um. Führten zuletzt zahlreiche Wege in das attraktive Tätigkeitsfeld des IT-Beraters, bleiben die gut dotierten Jobs heute erfahrenen Experten vorbehalten. Schließlich sei der Beraterberuf nichts für "unbedarfte Frischlinge", so der Chef einer deutschen Beratungsunternehmens. Der Kunde erwarte nicht nur Professionalität, sondern auch ein gehöriges Maß an Erfahrung. Doch es gibt Ausnahmen. Dass die Karriereperspektiven für Hochschulabsolventen nicht gänzlich unter den Tisch fallen, stellt beispielsweise Accenture unter Beweis. Die in Kronberg bei Frankfurt am Main ansässige Beratungsfirma, die etwa 75 000 Mitarbeiter rund um den Globus beschäftigt und zu den "Who’s who" der Branche zählt, will im laufenden Jahr 400 neue Mitarbeiter allein in Deutschland einstellen.

Gute Chancen mit SAP-Know-how

Der überwiegende Teil an Arbeitsplätzen sei Absolventen aus IT-Studiengängen vorbehalten, sagt Anja Haubelt aus der Recruiting-Abteilung. "Von den Bewerbern erwarten wir, dass sie wichtige technische Grundlagen beherrschen und sich gut verständigen können." Gute Karten hat, wer sich beispielsweise mit SAP, Java und Web-Technologien auskennt. Young Professionals wie Wilke (26) oder seine Kollegin, die 24-jährige Grit Wilhelm, können freilich ein wenig mehr in die Waagschale legen. Ihre überzeugendsten Argumente: zielgerichtetes Handeln und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Ihr Studium, ganz dem schnellen Wissenserwerb und hoher Praxisorientierung gewidmet, durchliefen sie im Eiltempo. Rechtzeitig, bevor sie das Ziel erreichten, knüpften sie Gewinn bringende Kontakte und legten so den Grundstein für eine sicherlich steile Karriere.

Wilhelm, die an der Fachhochschule Zwickau Informatik studierte und heute in der Accenture-Niederlassung München arbeitet, weiß genau, worauf es beim Karrierebasteln ankommt: "Ich möchte meine technischen Fähigkeiten weiterentwickeln und schnell Verantwortung übernehmen." Wer sich im Telefoninterview, Vorstellungsgespräch und den "Personal Decision Days", einem zweitägigen Auswahl-Workshop, durchsetzen kann, wird zunächst zwei Wochen lang mit allen wichtigen Angelegenheiten des Unternehmens vertraut gemacht. Zu dieser obligatorischen Einführung kommen alle Einsteiger zentral nach Frankfurt zusammen. Viele nutzen das "Get together", um Kontakte zu knüpfen. Dann heißt es erneut "Koffer packen", schließlich wird jeder neue Mitarbeiter zwei Wochen intensiv im Trainingscenter von Accenture in der Nähe von Chicago eingearbeitet.

Wilke und Wilhelm starteten als "Analyst". Kaum aus Chicago zurück, mussten sie im Kundenprojekt zeigen, was in ihnen steckt. Während Wilhelm seit ihrem Einstieg bei Accenture unverändert in ein Großprojekt für ein Transportunternehmen eingebunden ist und ein Portal als Intranet-Lösung entwickelt, hat Wilke im "Financial Service Delivery Center" (FSDC) in Frankfurt eine interne Web-Anwendung programmiert. Accenture unterhält weltweit 40 dieser Entwicklungszentren, in denen Softwaremodule und Outsourcing- oder Hosting-Lösungen nach individueller Vorgabe des Kunden entwickelt und betrieben werden. Das Zentrum in Frankfurt wurde erst vor eineinhalb Jahren gegründet und ist insbesondere auf den Finanzdienstleistungsbereich ausgerichtet.

Warten auf den Auslandseinsatz

Grit Wilhelm
Grit Wilhelm

Noch muss Wilke sich ein wenig gedulden, bis eine große Hoffnung in Erfüllung gehen kann. Am liebsten möchte er nämlich etwas von der internationalen Geschäftswelt kennen lernen. "Auch außerhalb Deutschlands eingesetzt zu werden war schließlich ein wichtiger Grund, warum ich mich bei Accenture beworben habe." Aktuell steckt er mitten in einem Bankprojekt, dessen Ende noch völlig offen ist. So aufregend der Standort Frankfurt auch sein mag - ihn lockt die weite Welt. Kollegin Wilhelm ist bereits viel unterwegs und pendelt zwischen München, Frankfurt und Berlin. "Das ist ganz schön anstrengend", räumt sie ein.

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