Abwarten heißt die Devise

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
Die IT-Firmen sind vorsichtig geworden. Sie warten ab, ob die Konjunktur nachhaltig anzieht, planen keine Einstellungen im großen Stil und setzen mehr auf fest angestellte IT-Fachkräfte als auf Freiberufler - dieses Stimmungsbild ergab eine COMPUTERWOCHE-Befragung von Personalverantwortlichen.

Konjunkturforscher gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr mit mehr als vier Prozent so stark zulegen wird wie schon lange nicht mehr. Für Deutschland sind die Wachstumsprognosen mit 1,5 bis zwei Prozent eher mager.

Das gleiche Bild ergibt sich für die IT-Industrie. Der Branchenverband Bitkom erwartet weltweit für die Hightech-Branche einen Zuwachs von fünf Prozent auf 2,3 Billionen Euro, für Deutschland nur ein Wachstum von zwei Prozent auf 134 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Stagnation im Vorjahr ist das ein erheblicher Fortschritt.

Aufschwung greift erst 2005

Doch steigende Umsätze führen nicht automatisch zu einem höheren Bedarf an IT-Fachkräften. "Beschäftigungspolitisch wird sich dieser Aufschwung erst 2005 niederschlagen", schätzt Stefan Pfisterer, Bitkom-Referent für Bildung und Personal. 2004 setzten viele Unternehmen noch den 2003 beschlossenen Stellenabbau um. Die im Zuge des Aufschwungs neu geschaffenen Stellen könnten das Minus aus den umzusetzenden Entlassungen ausgleichen und leicht übertreffen, so Pfisterer. Insgesamt sieht er "eine verhalten positive Tendenz" auf dem IT-Arbeitsmarkt.

Die Stichpunktumfrage der CW bestätigt diese Einschätzung. Alle Unternehmen wollen dieses Jahr IT-Fachkräfte einstellen, aber keines im großen Stil. Die Grundhaltung in den IT-Firmen ist geprägt von Vorsicht und Abwarten, ob sich der Aufschwung als stabil erweist. Diese Linie zieht sich von großen Herstellern wie IBM, SAP oder Sun Microsystems über mittelständische Software- und Beratungshäuser wie Bardenheuer Software, DMC, Webwasher oder Brunel IT bis hin zu Anwenderunternehmen wie Karstadt-Quelle oder Metro Group.

Bei den IT-Großunternehmen bestätigt sich zudem der Offshore-Trend, das heißt die Auslagerung von IT-Tätigkeiten in Länder mit niedrigerem Lohnniveau. "In Deutschland rechnen wir mit einem moderaten, gedämpften Wachstum bei IT-Fachkräften. Eine größere Anzahl von Neueinstellungen ist eher in Low-Cost-Countries zu erwarten", so Axel Kersten, Leiter Personal-Marketing und Recruiting bei der SAP AG. Bedarf bestehe vor allem an SAP-Entwicklern.

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