47 Prozent aller Jobs gefährdet

Abschied vom Humankapital

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
In Diskussionen über die Zukunft der Arbeitswelt rückt eine Spezies immer mehr in den Mittelpunkt: die Automaten.

In dem Maße, in dem ihre Programmierung intelligenter wird, dürften sich hochautomatisierte Systeme, vielleicht sogar Humanoide, in unterschiedlichen Branchen durchsetzen. Das wird Folgen haben für die Arbeitswelt.

Roboter ersetzen Menschen - Abschied vom Humankapital
Roboter ersetzen Menschen - Abschied vom Humankapital
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Tödliche Sätze

Es gibt Sätze, die man nicht einmal denken, auf keinen Fall aber aussprechen sollte. Für Manager und Führungskräfte sind sie sogar ein absolutes No-Go. Terry Gou, der CEO des chinesischen Auftragsfertigers Foxconn, ist diesbezüglich schmerzfrei. Anlässlich eines Besuchs in einem Zoo räsonierte er einmal, Menschen seien letztendlich Tiere. Und da bereite es ihm Kopfschmerzen, "eine Million Tiere zu managen".

Dazu muss man wissen, dass Foxconn etwa 1,2 Millionen Angestellte - Hunderttausende davon auf dem chinesischen Festland - beschäftigt, um Produkte unter anderem für Apple, Hewlett-Packard, Dell, Microsoft, Intel, Sony und Nintendo zusammenzukleben und -zuschrauben. Foxconn hat in den vergangenen Jahren wegen seiner teils desaströsen Arbeitsbedingungen in seinen chinesischen Dependancen Shenzhen, Kunshan und Wuhan weltweit für negative Schlagzeilen gesorgt.

Roboter ersetzen Menschen

Da mag es zynisch klingen, wenn man schreibt, dass Foxconn-Gründer Gou mittlerweile eine technische Entwicklung in die Hände spielen dürfte: Robotersysteme werden zunehmend intelligenter und können immer häufiger menschliche Arbeitskraft ersetzen. Wenig überraschend traf dann auch im Juli 2014 die Nachricht ein, dass Foxconn in Kürze einen Teil seiner Belegschaft durch Fertigungsroboter ersetzen werde. Rund 10.000 dieser elektronischen Hilfskräfte zum Stückpreis zwischen 20.000 und 25.000 Dollar wolle man anschaffen.

Wie die chinesische Website "IT Home" berichtete, würden die "Foxbot" genannten Maschinen schon für die Fertigung der sechsten iPhone-Generation eingesetzt. Das iPhone 6 wird aller Voraussicht nach am Freitag, den 19. September 2014, in die Läden kommen. Prompt schrieben die ersten Blogger, sie würden keine iPhones mehr kaufen, wenn diese von Robotern gebaut würden und Menschen deshalb ihren Arbeitsplatz verlören.

Tatsächlich werden in der Fertigung schon seit Langem Robotersysteme eingesetzt. Dabei handelt es sich in der Regel allerdings noch nicht um Maschinen, die mit intelligenter Software arbeiten und immer besser in der Lage sind, sich selbst zu optimieren. Das ändert sich nun. Das Foxconn-Beispiel zeigt, welche gravierenden Auswirkungen die Verwendung automatisierter Systeme für die noch verbliebenen Fabrikarbeitsplätze haben kann.

Doch nicht nur der Blue-Collar-Arbeiter ist betroffen. Auch typische Büroangestellte können sich nicht mehr sicher fühlen. Gerade erst hat Bertelsmann bekannt gegeben, dass die Brockhaus-Enzyklopädie in der gedruckten Version nicht mehr produziert wird. In Zeiten von Google und Wikipedia ist das nicht weiter verwunderlich. Immerhin, so der Verlag, sei die redaktionelle Aktualisierung von rund 300.000 Artikeln in der Online-Ausgabe noch einige Jahre sichergestellt. Gute Jobs für fleißige Wissensarbeiter, könnte man meinen, aber das ist gar nicht so sicher.

In Schweden schreibt für die landessprachige Ausgabe der Wikipedia der Autor "Lsjbot". Er ist außergewöhnlich produktiv. In einem einzigen Monat des vergangenen Jahres hat er für die Wikipedia 216.664 Texte verfasst. Umgerechnet entspricht das rund 7200 Artikeln - pro Tag. Lsjbot durchsucht alle möglichen weltweit verfügbaren Datenbanken und schreibt dann, oft mit Fotos aufgepeppt, seine Texte.

Lsjbot ist kein Mensch. Lsjbot ist ein Computerprogramm, das der Schwede Sverker Johansson programmiert hat. Man kann sich also vorstellen, wie menschliches Wissen künftig aufbereitet wird - und von wem. Der Mensch ist dabei zunehmend entbehrlich.

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