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Abrechnungsbetrug: Ehemaliger MCI-Mitarbeiter plauderte Details aus

31.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Neue Details erhärten den Verdacht, dass sich hinter den neuen Betrugsvorwürfen gegen den zahlungsunfähigen US-Carrier MCI (ehemals Worldcom) (Computerwoche online berichtete) mehr als eine Kampagne konkurrierender TK-Konzerne verbergen könnte. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, es habe über neun Jahre hinweg Ferngespräche als Ortsgespräche ausgegeben, um lokalen Anbietern keine Durchleitungsgebühren zahlen zu müssen. Die US-Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihren Ermittlungen auf in die Öffentlichkeit gelangte interne Informationen sowie entsprechende Hinweise ehemaliger MCI-Mitarbeiter und der Telefongesellschaften AT&T, SBC Communications und Verizon.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, stützt sich der Verdacht primär auf die Aussage eines Netzwerktechnikers. Dieser hatte bis 1995 bei MCI gearbeitet und wurde Anfang dieses Jahres von dem Internet-Service-Provider Onvoy, einem Kooperationspartner des Carriers, auf die Straße gesetzt. In einem 13-seitigen beeidigten Bericht schildert der Ex-Mitarbeiter, wie die beiden Unternehmen viele Jahre Telefongespräche über Kanada geleitet hatten, so die Zeitung unter Berufung auf Insider. Onvoy habe dazu den kanadischen TK-Dienstleister Manitoba Telecom Services beauftragt und selbst alle Hinweise verwischt, die die Herkunft der Anrufe von MCI belegten. MCI habe mit dem Trick vermeiden wollen, lokalen TK-Unternehmen wie Verizon Durchleitungsgebühren zahlen zu müssen, hieß es.

Wie das "Wall Street Journal" weiter berichtet, wies das Onvoy-Management die Betrugsvorwürfe vehement zurück. Es handle sich dabei lediglich um den Rachefeldzug eines geschassten Mitarbeiters. Die Company betonte, dass Rufumleitungen über Kanada nicht gesetzeswidrig seien. Entsprechende Dienste würden Unternehmenskunden offen auf der Website angeboten, auch die Partnerschaft mit Manitoba werde nicht geheim gehalten. Dennoch plant Onvoy - wie bereits MCI - eine Anwaltsfirma mit einer internen Untersuchung in dieser Angelegenheit zu betrauen. (mb)