Abkehr vom Eigentum

Daniela Hoffmann ist freie IT-Fachjournalistin in Berlin.
Die Wirtschaftskrise und der Trend zum Cloud Computing geben gehosteten Softwareangeboten neuen Auftrieb. Anbieter bauen ihr On-Demand-Portfolio aus.

Geringe Einstiegsinvestitionen in Hardware sowie Kosten für eigenes IT-Personal lassen die Mietlösungen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen zur Alternative avancieren. Hinzu kommen steigende Anforderungen beispielsweise an Sicherheit und Datenschutz durch gesetzliche Regularien, die im Eigenbetrieb nur mit hohem Kostenaufwand zu erfüllen sind. "Die wirtschaftliche Lage begünstigt On Demand", bestätigt Andreas Zipser, Mitglied der Geschäftsleitung der CAS Software AG. "Wir rechnen damit, dass in Zukunft ein erheblicher Anteil von Softwareumsätzen mit Hosting-Lösungen erwirtschaftet wird. Dabei ist derzeit eine deutliche Wachstumskurve bei kleinen Unternehmen bis 25 Mitarbeitern zu sehen, bei mittleren Unternehmen gehen wir von einem stärkeren Zuwachs in den nächsten zwei Jahren aus."

Aber auch in Großunternehmen stehen nutzungsabhängige Alternativen auf dem Plan, weil sie mehr Flexibilität versprechen. Aus Sicht von Pascal Brosset, Chief Strategy Officer von SAP, sind für Konzerne derzeit vor allem standardisierte Punktlösungen in den Bereichen CRM, Talent-Management und Business Intelligence interessant – und deren Integration in vorhandene Umgebungen. Im ERP-Bereich lohne sich für große Unternehmen und den gehobenen Mittelstand die On-Demand-Variante im Moment nicht. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Untersuchung von Gartner. Den Analysten zufolge stecken SaaS-ERP-Angebote noch in den Kinderschuhen. In den nächsten fünf Jahren sei nicht mit einem hohen Bedarf in Großunternehmen zu rechnen.

Oracle: CRM On Demand

Erst im Januar 2009 hat Oracle die neue Version 16 von "CRM On Demand" vorgestellt. Die Veränderungen sollen klassische Probleme von Mietlösungen beheben. Im Vordergrund der Überarbeitung standen erweiterte Customizing-Möglichkeiten. Dazu zählt etwa, dass sich nun eine unbegrenzte Zahl eigener Objekte per "Point-and-Click"-Administrations-Tools erstellen lässt. Auch Benutzeroberflächen, Geschäftsprozesse und Datenmodelle lassen sich dem Hersteller zufolge besser den Kundenbedürfnissen anpassen. Weitere geplante Komponenten für die CRM-Lösung sind E-Billing, Preis-Management, Sales Library sowie Disaster Recovery.

Seit März ist zudem die neue Online-Beschaffungsplattform "Sourcing On Demand" verfügbar, eine vorkonfigurierte Lösung, die von Oracle betrieben wird. Grundlage sind die Oracle-Anwendungen "Sourcing" und "Sourcing Optimization" aus der E-Business Suite Release 12. Der Zugriff erfolgt per Browser. Betrieb und Management der SaaS-Anwendung einschließlich Hardware, Datenbanken, Server und Firewall-Einstellungen erfolgen durch Oracle. Zusätzlich zum technischen Support können Anwender einen speziellen Helpdesk buchen, bei dem Anwender Zugang zu Experten erhalten.

SAP: Business ByDesign

Explizit für kleine und mittelständische Betriebe hat SAP mit "Business ByDesign" ein integriertes SaaS-Produkt entwickelt. "Wir denken, dass On-Demand ein fundamentaler Trend ist", betont Brosset. Da die Hersteller so besseres Feedback erhielten, welche Funktionen die Kunden wirklich nutzen, ließe sich auch die Software zielgerichteter entwickeln.

Der Preis für Business ByDesign beträgt 133 Euro pro Monat und User. Die Mindestanzahl der Lizenzen liegt bei 25, das entspricht rund 40.000 Euro im Jahr. Für die Personalverwaltung hat der SAP-Partner NorthgateArinso im April 2009 die erste SaaS-Plattform für SAP ERP HCM auf den Markt gebracht. "euHReka OnDemand" für Human Capital Management (HCM) soll administrative Prozesse für das Personal-Management integrieren und Funktionen wie Recruiting, Performance-Management und Nachfolgeplanung beinhalten. Zudem stellen die Walldorfer ihre Beschaffungslösung "SAP E-Sourcing On-demand" für das Supplier-Relationship-Management (SRM) ebenfalls als Mietvariante zur Verfügung.

Salesforce.com

Laut dem CRM-Anbieter Salesforce.com werden SaaS-Lösungen vor allem im Mittelstand eingesetzt, obwohl auch größere Konzerne bedient werden könnten. Der Zugriff erfolgt über einen Web-Browser. Abgerechnet wird nach Anzahl der User sowie Umfang der genutzten Funktionen. Derzeit können die Anwender beim SaaS-Pionier zwischen fünf Editionen (Personal, Group, Professional, Enterprise, Unlimited) mit unterschiedlichem Funktionsumfang wählen. Die Group Edition beginnt bei sieben Euro pro Nutzer im Monat. Die Entwicklungs- und Betriebsplattform Force.com bildet die Grundlage, individuelle Applikationen mit der Java-ähnlichen Programmiersprache Apex Code selbst zu programmieren.

Zu den Kunden zählt beispielsweise die Tomorrow Fokus AG. "Im Vergleich zu einer gekauften Lösung sehen wir keinen Nachteil", sagt Martin Lütgenau, Geschäftsführer der Burda-Tochter. Der 300 Mitarbeiter zählende Portalbetreiber hatte sich 2006 für die Enterprise Edition von Salesforce.com entschieden. "Dass die Auseinandersetzung mit der Hardware wegfällt, ist sehr positiv", so Lütgenau. Zudem seien der Administrationsaufwand deutlich geringer und die Kosten – monatlich im niedrigen vierstelligen Bereich für Hosting und Hardware – überschaubarer. Um individuelle Anforderungen abzudecken, wurden Anpassungen in Auftrag gegeben, die bei Release-Wechseln "mitwachsen".

CAS Software: PIA

Neben einer On-Demand-Variante der CRM-Software "genesisWorld" haben die Karlsruher mit "CAS PIA" eine Kontakt-Management-Software entwickelt, die ab 19,90 Euro pro Benutzer und Monat erhältlich ist und sich an Unternehmen mit bis zu 20 PC-Arbeitsplätzen richtet. Die Lösung soll die zentrale Verwaltung von Kontakten, Interessenten- und Kundeninformationen über das Internet stützen. Die CRM-Software "genesisWorld OnDemand" kostet dagegen pro Anwender und Monat 59,90 Euro. Enthalten sind außerdem Terminaldienste, Web-Zugang, Mobilzugang, der Update-Service und ein Datenvolumen von 100 MB pro User und Monat mit mindestens 500 MB pro Kunden. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten für Hardware oder Infrastruktur. Die Grundmietzeit beträgt einen Monat. Extrafunktionen sind nach Angaben des Herstellers möglich, schlagen sich jedoch in den Kosten nieder.

Microsoft: Dynamics NAV

"Cloud-Computing ist ein wichtiger Teil unserer ‚ÄöSoftware-plus-Services`-Strategie. Der Bedarf steigt", sagt Robert Helgerth, Senior Director Mittelstand und Partner sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Microsoft Deutschland GmbH. Über Partner wie impello, Infoman und Acando bietet Microsoft gehostete ERP- und CRM-Branchenlösungen, beispielsweise für den Maschinenbau, den Großhandel, den Healthcare- und Dienstleistungssektor an. "Im Vergleich zu einer Inhouse-Lösung sparen wir rund 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten", sagt Robin Vogl, geschäftsführender Gesellschafter der 4Wheels Service + Logistik GmbH. Das Unternehmen aus der Automobilbranche setzt Microsoft Dynamics NAV in Form einer Hosting-Lösung ein. Die Preise für die On-Demand-Lösungen hängen von den Partnern und den gewählten Zusatzleistungen ab.

Zudem gibt es die "Microsoft Online Services". Dazu zählen "Exchange Online", "SharePoint Online" sowie die Kommunikationsdienste "Office Live Meeting" und "Office Communications Online". Die Dienste haben in der Regel eine monatliche Laufzeit, Kosten hängen vom Umfang der genutzten Lösung und der Anzahl der Anwender ab. Office Communications Online ist beispielsweise ab 2,56 Euro pro Anwender und Monat nutzbar.

PTC: PLM On Demand

PTC bietet seine PLM-Software (Product-Lifecyle-Management) sowohl zum Kauf als auch zur Miete an. "Wir können einen klaren Trend in Richtung Kauf sehen, Miete wird selten in Anspruch genommen.

Dies liegt im Wesentlichen daran, dass für Kunden mit langfristiger Ausrichtung ein Kauf kommerziell attraktiver ist", erklärt Michael Sauter, Country Manager Zentraleuropa bei PTC. Das auf Windchill-Technologie basierende PLM-System Pro/ENGINEER ist in beiden Varianten horizontal und vertikal skalierbar, der Entwickler im Zwei-Mann-Ingenieurbüro arbeitet mit der gleichen Software wie sein hochgradig spezialisierter Kollege in einem Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern. Kernbranchen sind Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Hightech- und Elektronikindustrie. Die Mietlösung "PLM On Demand" wird von IBM gehostet, die Preise lassen sich wie beim Kaufmodell nur individuell anhand der Unternehmensstrategie und damit verbundener Integration des PLM-Systems ermitteln.

IBM: Hosting-Services

IBM ist die graue Eminenz im SaaS- und Cloud-Service-Markt, da viele Softwareanbieter das Unternehmen als Hosting-Partner wählen. Der Hersteller hat ein SaaS-Partnerprogramm entwickelt, um IT-Dienstleister zu fördern, die ihren Kunden Anwendungen auf Mietbasis zur Verfügung stellen möchten. Ein Beispiel ist die Stuttgarter Onventis GmbH, die mittelständische Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau Lösungen für E-Procurement und Supplier-Relationship-Management (SRM) zur Miete anbietet. Mehrere Unternehmen arbeiten dabei mit derselben Software, aber in getrennten Datenbereichen. Die Unternehmen greifen online über Web-Browser auf die Software zu, das Hosting übernimmt IBM. Der Komplettservice umfasst Projektimplementierung, Support und Schulung, Content-Services, Prozessverbesserung und -gestaltung sowie die Integration in Backend-Systeme des Kunden.

SoftM: Semiramis

SoftM stellt seine Web-basierende ERP-2-Software Semiramis seit letztem Herbst als Service über das Internet zur Verfügung. Auch der Münchner ERP-Hersteller überlässt IBM das Hosting. Semiramis On Demand kostet pro User und Monat ab 113 Euro, Vertrieb und Einführung erfolgen über das gesamte Semiramis-Partnernetz. Die On-Demand-Lösung richtet sich dem Hersteller zufolge an mittelständische Unternehmen, die einen flexiblen, leicht skalierbaren Einsatz der Business-Software planen. In der On-Demand-Variante lassen sich SoftM zufolge die Benutzerzahl beliebig skalieren und neue Standorte rasch einbinden.

Infor: SCM SupplyWEB

"Wir rechnen damit, dass der Bedarf für flexible Angebote im Mittelstand wächst, da hier die Kapitalbeschaffung für hohe Vorabinvestitionen derzeit schwierig ist‚Äù, sagt Wolfgang Kobek, Vice President Central Europe bei Infor. "Allerdings haben wir festgestellt, dass einige Lösungsbereiche besser als andere für ein Mietmodell geeignet sind.‚Äù Auch Infor verzeichnet eine eher geringe Nachfrage nach ERP-Lösungen im Mietmodell. Interesse gibt es dagegen an spezifischen Applikationen wie "Expense Management", "SCM Transportation & Logistics" und "SCM SupplyWEB". Einige der Lösungen sind bereits seit drei Jahren on Demand verfügbar, auch im Partnernetz existieren entsprechende Angebote. "SaaS lohnt sich dann, wenn die schnelle Bereitstellung einer standardisierten Lösung im Vordergrund steht. Anpassungen oder Erweiterungen werden meistens gar nicht angeboten oder stehen zumindest nicht im Fokus", schildert Kobek.

Lexware: Lexlive

Für kleine Firmen und Freiberufler hat das Softwarehaus Lexware eine SaaS-Plattform entwickelt, mit der sich Rechnungen, Angebote und Aufträge im Internet Explorer oder in

Mozilla Firefox erstellen lassen. Das Portal Lexlive wird dem Nutzer ab Juni 2009 Online-Masken zum Anlegen von Formularen wie Rechnungen, Aufträge und Angebote bereitstellen. Er erhält seine eigene Umgebung, in der er seine Daten (etwa Adressen, Artikel und Kunden) anlegen und verwalten kann. Angaben zum eigenen Unternehmen trägt die Online-Software automatisch in die Formulare ein – analog zum eigenen Briefpapier.

Eine Erinnerungsfunktion teilt dem Nutzer beispielsweise mit, welcher Kunde seine Rechnungen noch nicht bezahlt hat. Bis Jahresende will der in Freiburg ansässige Softwarehersteller keine Mietgebühren verlangen, danach sollen die Dienste knapp fünf Euro im Monat je Anwender kosten. (jha)