Urlaub

Abhängen will gelernt sein

ist freie Wirtschaftsjournalistin in Köln.
Arbeitspsychologen empfehlen Vielarbeitern mindestens eine längere Pause im Jahr. Doch damit tun sich die auf Flexibilität und Belastbarkeit getrimmten IT-Profis schwer. Wir zeigen, wie auch Computerfachleute sich eine Pause gönnen können.
Wichtig ist, einmal im Jahr länger als nur ein paar Tage Urlaub zu machen.
Wichtig ist, einmal im Jahr länger als nur ein paar Tage Urlaub zu machen.
Foto: Fotolia, Dmitry Ersler

Vier Wochen Südamerika! Von solchen ausschweifenden Fernreisen kann Hans-Christian Boos nur noch träumen. "Da hätte ich Angst, dass in der Zwischenzeit hier was anbrennt", so der Gründer und Vorstand des Frankfurter IT-Dienstleisters Arago 2006 im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Doch trotz der Verantwortung für einen Laden mit damals 63 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro verhängte sich der Firmenchef keine generelle Urlaubssperre: "Zwei Wochen Sommerurlaub sind kein Problem." Gerade ist er im Schwarzwald unterwegs - zum Radfahren und Reiten.

Boos machte vor, was Experten schon lange predigen: "Urlaub kann sich jeder arbeitende Mensch leisten - vom angestellten Programmierer bis zum Selbständigen", sagt Katharina Dietze, Geschäftsführerin des Schwelmer Instituts für Beratung und Training in Unternehmen (IBT). Und Urlaub, so betonen Mediziner, ist alles andere als ein Luxus.

Zu wenig Urlaub wirkt sich auf die Motivation aus

"Wer nicht einmal im Jahr für mindestens drei zusammenhängende Wochen Urlaub macht, beutet seinen Körper aus. Und damit macht er sich langfristig seine eigene Motivation kaputt - auch für die Arbeit", warnt Gunter Frank, Allgemeinmediziner am Heidelberger Präventions- und Gesundheitsnetz.

Die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Besonderen hatte in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Dauer der Urlaubsreisen immer kürzer wurde. Nun scheint zumindest die Bereitschaft wegzufahren, größer geworden zu sein.
Die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Besonderen hatte in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Dauer der Urlaubsreisen immer kürzer wurde. Nun scheint zumindest die Bereitschaft wegzufahren, größer geworden zu sein.

Doch daran halten sich die Deutschen nicht. Durchschnittlich gingen sie 2005 gerade mal 13,3 Tage auf Reisen. 1980 waren es noch 18,2 Tage, wie die 22. Deutsche Tourismusanalyse des BAT-Freizeitforschungsinstituts in Hamburg aufzeigt. Fortschrittlichen Arbeitgebern liegt die Erholung ihrer Beschäftigten am Herzen. Das Schweizer Bankhaus UBS beispielsweise schickt seine Mitarbeiter pro Jahr in einen mindestens zweiwöchigen Zwangsurlaub. Selbst die Führungsriege bleibt von dieser Regelung nicht verschont.

Ein langer Urlaub als Glücksfall: Manch ein Arbeitnehmer tut sich damit schwer. So errechnete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, dass allein 2004 rund 75 Millionen Urlaubstage verfallen sind. Im Schnitt ließ damit jeder Arbeitnehmer 2,2 Urlaubstage sausen. Führungskräfte taugen dabei nicht als Vorbild. Obwohl die Work-Life-Balance, also das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, mittlerweile zum Standardwortschatz in Management-Kreisen gehört, machen viele Betroffene oft genug bei sich selbst eine Ausnahme. Nach Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verzichten insbesondere höher Qualifizierte auf die vorgeschriebene Urlaubszeit.